Jack Wolfskin Outdoor-Ausrüster gehört bald Hedgefonds

Der Outdoor-Hersteller Jack Wolfskin soll einer Hedgefonds-Gruppe zufallen. Der bisherige Investor Blackstone hat sich verspekuliert, vor allem was das China-Geschäft betrifft. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer.
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„Die Gespräche mit den Gläubigern verlaufen positiv. Wir gehen davon aus, dass eine langfristige Lösung eine starke Plattform für die weitere Entwicklung bieten wird.“, sagte eine Sprecherin des Outdoor-Herstellers. Quelle: dpa
Jack Wolfskin

„Die Gespräche mit den Gläubigern verlaufen positiv. Wir gehen davon aus, dass eine langfristige Lösung eine starke Plattform für die weitere Entwicklung bieten wird.“, sagte eine Sprecherin des Outdoor-Herstellers.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Funktionsbekleidungs-Hersteller Jack Wolfskin fällt Insidern zufolge aller Voraussicht nach an eine Gruppe von bis zu 30 Hedgefonds. Der US-Finanzinvestor Blackstone, der vor fünf Jahren 700 Millionen Euro für das Unternehmen aus dem hessischen Idstein gezahlt hatte, werde Jack Wolfskin an die Gläubiger verlieren, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Die ursprünglichen Gläubigerbanken des Outdoor-Ausrüsters hatten ihre Kredite im Volumen von mehr als 300 Millionen Euro an Hedgefonds unter Führung von HIG Capital, Sankaty (Bain Capital) und CQS verkauft. Sie geben Jack Wolfskin nun beträchtliches frisches Kapital und wandeln die Schulden zum Teil in Eigenkapital, wie die Insider bestätigten.

Jack Wolfskin in der Krise

Jack Wolfskin in der Krise

„Blackstone wird dem nicht im Weg stehen“, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Den Vorschlag des US-Finanzinvestors, selbst frisches Kapital nachzuschießen und im Gegenzug die Mehrheit an Jack Wolfskin zu behalten, war bei den Hedgefonds durchgefallen. Die Schuldenlast des Unternehmens dürfte sich mit der Transaktion von bisher rund 350 Millionen Euro in etwa halbieren. Bis der Deal unter Dach und Fach sei, werde es noch einige Wochen dauern. Oft sperren sich einzelne Gläubiger bis zur letzten Minute, um mehr Geld für sich herauszuschlagen.

Firmenchefin Melody Harris-Jensbach hatte die Mitarbeiter nach einem Bericht des „Spiegel“ bereits Ende März auf einen bevorstehenden Eigentümerwechsel vorbereitet. Ein Sprecher von Jack Wolfskin sagte am Montag: „Die Gespräche mit den Gläubigern verlaufen positiv. Wir gehen davon aus, dass eine langfristige Lösung eine starke Plattform für die weitere Entwicklung bieten wird.“

Diese Einzelhändler scheiterten in Deutschland
Verkauf von Kaufhof
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Der Deal ist durch: Nach wochenlangen intensiven Verhandlungen haben sich die Metro und der kanadische Kaufhauskonzern Hudson's Bay Company auf einen Verkauf von Kaufhof geeinigt. Nach den Erfahrungen mit dem deutsch-amerikanischer Nicolas Berggruen, früher Eigentümer von Karstadt, herrscht Skepsis mit Blick auf einen ausländischen Investor, der den deutschen Markt nicht kennt. Vor allem das Geschäft mit Warenhäusern, von denen es in Deutschlands Innenstädten nur noch Karstadt und Kaufhof gibt, gilt als schwierig.

Spezielle Verhältnisse in Deutschland
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Zwar bescheinigen Verhandlungskreise Richard Baker, dem Eigentümer von Hudson´s Bay Company, und seinem Management, dass sie sehr gut über die speziellen Verhältnisse in Deutschland informiert sind und professionell auftreten. Aber es gibt eine Reihe von erfolgreichen ausländischen Einzelhändlern, die in der Vergangenheit auf dem hart umkämpften deutschen Markt scheiterten.

Wal-Mart gab auf
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Nach acht Jahren in den roten Zahlen gab Wal-Mart 2006 in Deutschland auf. Trotz weltweiter Erfolge war es dem US-Handelskonzern nicht gelungen, sich gegen die starke Konkurrenz der Discounter durchzusetzen. Der Markteintritt sorgte für viele Spekulationen. So dachte man, Wal-Mart könnte die Metro AG schlucken und damit über Nacht zum Branchenprimus werden. Doch es kam anders.

Wal-Mart-Konzept griff nicht
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Sein verlustreiches Deutschlandgeschäft gab der US-Konzern nämlich schließlich an den Konkurrenten Metro ab. Der führende deutsche Handelskonzern übernahm 85 Filialen. Wal-Mart sei nie richtig in Deutschland angekommen, hieß es später in Branchenkreisen. Das Konzept von Wal-Mart griff nicht, die Konzernführung räumte ein, die Schwierigkeiten im hart umkämpften deutschen Markt unterschätzt zu haben.

Marks & Spencer überlebte nicht
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Die britische Kette Marks & Spencer versuchte gleich mehrfach, in Deutschland Fuß zu fassen. Die Mode traf offenbar den Geschmack der Deutschen nicht – und wurde zum Ladenhüter. 2001 zog das Unternehmen einen Schlussstrich und schloss nicht nur die Geschäfte in Deutschland, sondern auf dem gesamten europäischen Festland. Insgesamt wurden 38 Filialen geschlossen. Die Verluste in den deutschen Filialen waren besonders hoch und machten dem Konzern schwer zu schaffen.

Rückkehr nur Online
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Es dauerte rund zehn Jahre, bis sich Marks & Spencer von dem Flop bei der Expansion erholt hatte. 2012 kam der Modehändler wieder nach Deutschland – die Produkte gab es dieses Mal allerdings nur noch online. Die Briten wollten sich diesmal eine Eigenart zu nutze machen: Deutsche kaufen gerne bequem und billig ein.

Delhaize setzte sich im deutschen Markt nicht durch
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2003 wollte die belgische Delhaize Group (Archivbild) in Deutschland durchstarten. Insgesamt gab es vier Delhaize-Märkte, doch die Filialen in Köln und Aachen waren nicht rentabel. 2008 machten sie nach Delhaize-Angaben einen Umsatz von 19,5 Millionen Euro, schrieben dabei aber einen „leichten Verlust“. Weniger später gab Delhaize bekannt, dass die Filialen verkauft werden sollen.

Blackstone hatte sich mit Jack Wolfskin verspekuliert. Die geplante Expansion ins Ausland – vor allem nach China – war schwieriger und zäher als erwartet. Der US-Finanzinvestor muss mit dem Verlust der Beteiligung nach Reuters-Berechnungen rund 300 Millionen Euro abschreiben. Er hatte vor eineinhalb Jahren auf Druck der Banken noch 75 Millionen Euro frisches Kapital nachgeschossen.

Trübe Aussichten für das Jahr 2017 hatten den Gläubigern die Möglichkeit gegeben, die Reißleine zu ziehen. Mit einem Rückgang des operativen Gewinns (Ebitda) auf 30 bis 35 (2016: mehr als 50) Millionen Euro drohte Jack Wolfskin die Kreditauflagen zu verletzen, so dass über die Verbindlichkeiten neu verhandelt werden musste. Dabei geht es mit dem operativen Geschäft endlich aufwärts, der Umsatz stieg im vergangenen Jahr auf 351 (2015: 315) Millionen Euro. „Mit der aktuellen Entwicklung sind wir sehr zufrieden“, sagte der Sprecher. Die neue Kollektion sei auf der Sportartikelmesse Ispo zu Jahresbeginn gut angekommen.

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1 Kommentar zu "Jack Wolfskin: Outdoor-Ausrüster gehört bald Hedgefonds"

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  • Ein Paradebeispiel für das auf absolut krankes Wachstum ausgerichtete Wirtschaftsverständnis einiger Unternehmen von heute. Umsatz: 351 Mio EUR, Schulden 350 Mio. EUR. Und wir reden hier nicht über ein junges Start up, in das man erst mal ordentlich Geld schiessen muss. Das Unternehmen ist 36 Jahre alt.

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