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Jeff Bezos Amazon-Chef spendet 100 Millionen Dollar für Obdachlose – Warum das kein Akt der Nächstenliebe ist

Der Fonds von Jeff Bezos spendet großzügig an Obdachlosen-Initiativen. Doch die Geste offenbart auch die Doppelmoral, unter der Amazon handelt.
Update: 21.11.2018 - 13:55 Uhr Kommentieren
Amazon: Warum Bezos' Obdachlosenspende kein Akt der Nächstenliebe ist Quelle: dpa
Ein Obdachloser in New York

Amazon spendet großzügig an einzelne Obdachlosen-Projekte in den USA, doch die Spenden bergen nicht nur Gutes.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNachdem der US-Handelsriese Amazon im Oktober den Mindestlohn für seine Mitarbeiter erhöht hat, will sich der Konzern erneut von seiner sozialen Seite zeigen. Amazon-Chef Jeff Bezos kündigte am Dienstag an, über seinen im September dieses Jahres gegründeten Fonds, den Day 1 Families Fund, knapp 100 Millionen Dollar an verschiedene Obdachlosen-Hilfsorganisationen zu spenden.

Er sei „aufgeregt“, die Nachricht zu verkünden, schrieb der Multimilliardär auf Twitter. Die 97,5 Millionen Dollar (umgerechnet 85,4 Millionen Euro) schwere Zuwendung gehe aufgeteilt an 24 Gruppen in großen US-Städten. Jedes Projekt bekomme eine Spende in Höhe zwischen 2,5 und fünf Millionen Dollar. „Wir wissen, dass ihr das Geld weise und mit Herz einsetzen werdet“, schrieb Bezos weiter.

Doch was zunächst nach einer großzügigen Geste aussieht, offenbart auch die Doppelmoral, unter der der 1994 gegründete Handelskonzern agiert. Denn obwohl Bezos durch seinen Fonds Geld für einzelne Projekte locker macht, ist Amazon eher zurückhaltend, wenn es darum geht, für die strukturellen Folgen seiner Präsenz aufzukommen – etwa steigende Mieten und Immobilienpreise in Städten.

Die Spenden von Bezos sind also keinesfalls ein Akt der Nächstenliebe; vielmehr sieht es so aus, als würde der Konzern dadurch sein Image aufpolieren und von Problemen ablenken wollen.

Spenden ja, Steuer nein

Gut zeigt sich das am Beispiel von Seattle, dem aktuellen Hauptsitz von Amazon. So hat der Handelsriese in seiner Heimatstadt Obdachlosen-Hilfsorganisationen immer mal wieder mit großzügigen Spenden bedacht. Der Organisation Mary's Place Seattle etwa stellte der Konzern leerstehende Gebäude sowie Sach- und Essensspenden zur Verfügung. Auch befindet sich unter den diesjährigen Spendenempfängern mit der Refugee Women's Alliance eine Obdachlosenorganisation, die in Seattle verankert ist.

Gleichzeitig wehrt sich Amazon vehement gegen eine Steuer, welche die Stadt von Großkonzernen wie Amazon und Starbucks erheben will. Ab 2019 sollen sie jährlich 275 Dollar pro Vollzeitangestellten zahlen. So sollen der Stadt insgesamt jährlich 48 Millionen Dollar zukommen.

Für Amazon würde die Steuer zusätzliche jährliche Kosten in Höhe von elf Millionen Dollar verursachen – also um einiges weniger, als der Bezos' Fonds nun zu spenden bereit ist. Als der Stadtrat die Steuer im Mai beschlossen hatte, stoppte Amazon dennoch kurzerhand ein Bauprojekt am Stadtrand von Seattle, wo 7.000 neue Mitarbeiter Platz gefunden hätten.

Konflikte um Wohnraum

Und auch in New York, eine der zwei Städte, in die der Handelskonzern künftig sein Hauptquartier verlagern wird, deuten sich noch lange vor dem Umzug ersten Konflikte mit den Einwohnern der Stadt an. So haben Lokalpolitiker und Einwohner des Stadtteils Queens, auf dessen Areal das Amazon-Quartier künftig stehen soll, gegen dessen Errichtung protestiert. Der demokratische Lokalpolitiker Brat Lander etwa nannte das Projekt einen „Angriff auf Bezahlbaren Wohnraum“ sowie auf das Transportsystem der Stadt.

Tatsächlich zeigt sich schon jetzt, dass die 25.000 Menschen, für die der Konzern in New York Jobs schaffen möchte, zu einem Problem für den ohnehin schon von Gentrifizierung betroffenem Stadtteil werden könnten.

Denn seit Amazon seine Entscheidung für den Standort verkündet hat, melden Immobilienmakler einen Verkaufsboom von Einzimmerapartments in Long Island City, wie das Wall Street Journal berichtet. Diese kosten zwischen 800.000 und 1,2 Millionen US-Dollar – kein Problem für die Amazon-Angestellten, deren Jahressalär im Schnitt 150.000 US-Dollar betragen soll.

Amazon ist nicht der einzige Konzern, der wegen der mit seiner Präsenz verbundenen hohen Mieten in der Kritik steht. Auch Uber, Twitter und Apple müssen sich immer wieder Kritik gefallen lassen.

So haben erst vor zwei Wochen die Bürger von San Francisco für eine Gesetzesinitiative gestimmt, welche zum Ziel hat, die in der Stadt ansässigen Großkonzerne zu besteuern, um Obdachlosenprogramme der Stadt zu finanzieren. So sollen 300 Millionen Dollar an Mehreinnahmen pro Jahr generiert werden. Das Gesetz stieß auf Kritik unter anderem von Twitter-Chef Jack Dorsey, dessen Unternehmen im Viertel Tenderloin, einem sozialen Brennpunkt angesiedelt ist.

Ob eine Steuer auf Tech-Konzerne tatsächlich der beste Weg ist, um Obdachlosigkeit und steigenden Mieten entgegenzuwirken, muss noch bewiesen werden. Fest steht allerdings, dass großzügige Amazon-Spenden Obdachlosenorganisationen nicht immer nur helfen. Im Gegenteil.

So berichteten etwa Mitarbeiter von Mary's Place Seattle, einer der Organisationen, an die Amazon spendet, gegenüber dem Nachrichtenmagazin Slate, dass die Spenden zusätzlichen logistischen Aufwand verursachen. Das gespendete Essen zu Beispiel sei schwer zu lagern gewesen, die Gebäude, die Amazon zur Verfügung stellte, seien schwer instand zu halten – das hätte ihre Arbeit mitunter behindert.

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