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Joachim Rukwied Klimawandel – der Bauernpräsident fordert neue Züchtungsmethoden

Der Bauernpräsident erwartet weitere Dürren und Ernteausfälle. Nun sollen robustere Pflanzen gezüchtet werden. Doch die von ihm vorgeschlagenen Methoden sind umstritten.
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Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes erhielt 2017 den Preis „Dinosaurier des Jahres“. Quelle: dpa
Joachim Rukwied

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes erhielt 2017 den Preis „Dinosaurier des Jahres“.

(Foto: dpa)

Berlin, Düsseldorf Die aus Zinn gegossene, 2,6 Kilogramm schwere Trophäe steht noch immer in der Berliner Charitéstraße 3, der Bundesgeschäftsstelle des Naturschutzbunds Deutschland. Ende 2017 hatten die Naturschützer dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied, die unrühmliche Auszeichnung „Dinosaurier des Jahres“ verliehen – aufgrund seiner „rückwärtsgewandten Agrarpolitik“.

Damals reagierte Rukwied gelassen: Er freue sich über den „Preis“ – unter anderem deshalb, weil er von vielen Berufskollegen und Mitgliedern als Auszeichnung verstanden werde, sagte er. Vorzuwerfen habe er sich nichts: „Wir Landwirte jedenfalls stehen zu unserer Verantwortung für Umwelt und Artenvielfalt.“ Die Themen sollten aus eigenem Interesse eine Selbstverständlichkeit für Landwirtschaft sein, sagte der 57-Jährige jüngst auf dem Deutschen Bauerntag. In seinen Reden geht es oft um eine Balance zwischen Beharren und Fortschritt.

Jetzt ist Fortschritt angesagt, auch Dinosaurier können sich bewegen. Wie groß die Probleme sind, das zeigte sich in der am vergangenen Mittwoch vorgestellten Prognose des DBV. Die Getreideernte wird demnach zwar in diesem Jahr rund neun Millionen Tonnen höher liegen als im Dürrejahr 2018. Doch mit den erwarteten 47 Millionen Tonnen würde man immer noch etwa eine Million Tonnen unter dem Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2017 liegen. „Die wirtschaftliche Lage in vielen Betrieben ist nach wie vor angespannt“, so Rukwied. Es wirken immer noch die schlechten Ergebnisse aus dem vergangenen Jahr nach. Und 2019 wird es nicht viel besser.

Deshalb sei die Politik jetzt am Zug, fordert der Landwirt. Denn damit die Bauern Techniken wie die Genschere bei Pflanzen einsetzen dürfen, müssten europäische Gesetze geändert werden. „Wir benötigen widerstandsfähigere Pflanzen“, sagte Rukwied dem Handelsblatt. So könnten durch spezielle Züchtungen neue Pflanzen entstehen, die sowohl mit Trockenheit als auch mit Nässe fertig werden. Um sie zu erhalten, brauche es nicht Gentechnik, aber neue Züchtungsmethoden wie die Genschere „Crispr/Cas“ könnten Antworten auf den Klimawandel geben.

Stand der Bauernverband bisher eher für seine Trägheit in der Schusslinie, ist es nun Rukwieds forscher Forderungskatalog, der für Kritik sorgt. „Die deutsche Landwirtschaft fährt hervorragend mit der bisherigen Gentechnikfreiheit“, sagte Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik der Grünen-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt. Er bezweifelt, dass Gentechnik im Interesse der Bauern ist. Auch Nabu-Präsident Olaf Tschimpke ist skeptisch: „Das Heilsversprechen der Gentechnik hat sich bislang nie erfüllt.“

Rukwied hingegen betont, dass die von ihm vorgeschlagenen Methoden nichts mit dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu tun hätten; es handele sich lediglich um neue Züchtungsmethoden. Veränderungen in den Genen der Pflanzen lehne er weiter ab. Unter Fachleuten ist diese Auffassung allerdings umstritten, einige von ihnen sehen mit den von Rukwied geforderten Verfahren die Grenzen zur Gentechnik überschritten.

Die Verbandskarriere des dreifachen Vaters startete beim Kreisbauernverband Heilbronn, dessen Vorsitzender er elf Jahre lang war. 2006 wurde er Präsident des Landesbauernverbands Baden-Württemberg. Vor zwei Jahren wurde Rukwied außerdem zum Präsidenten der Copa gewählt, dem Zusammenschluss der europäischen Bauernverbände.

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Eberstadt bei Heilbronn, machte Rukwied nach dem Abitur eine Ausbildung zum Landwirt und studierte im Anschluss Landwirtschaft im baden-württembergischen Nürtingen. Mit Mitte zwanzig stieg er dann in den elterlichen Betrieb ein, 1994 übernahm Rukwied den Bauernhof.

Für die CDU engagierte sich Rukwied über mehrere Jahre als Kommunalpolitiker, gab seine Ämter 2009 jedoch ab, weil er sich auf die Verbandsarbeit konzentrieren wollte.

Mehr: Handelsblatt Research Institut: Bei vielen Bauern geht es um die blanke Existenz.

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