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Julia Bösch Outfittery will mit KI noch mehr Echtzeitberatung bieten

Die Corona-Pandemie treibt die Wende zum Onlinehandel voran. Outfittery-Gründerin Julia Bösch setzt auf Algorithmen, um das Wachstum zu beschleunigen.
02.09.2020 - 06:13 Uhr Kommentieren
Künstliche Intelligenz: Onlinehändler Outfittery mit noch mehr Echtzeitberatung Quelle: Gregor Hohenberg für Handelsblatt
Julia Bösch

Die Firmenchefin selbst hält sieben Prozent an Outfittery.

(Foto: Gregor Hohenberg für Handelsblatt)

Düsseldorf Julia Bösch zeigt sich entspannt. Die Mitgründerin von Outfittery, einer Modeberatungsplattform für Männer, ist seit acht Jahren im Online-Geschäft. Das läuft nach einem kurzen Knick zu Beginn des Corona-Lockdowns Mitte März wieder ordentlich, wie sie sagt. Ganz anders als der stationäre Handel, dem die Kosten bleiben, aber die Kunden fehlen – vor allem die männlichen, die als Einkaufsmuffel gelten.

Nun startet Bösch mit „Dein Shop“ ein neues Angebot, bei dem die Kunden Artikel in Echtzeit mithilfe von Algorithmen auswählen und mit bereits gekaufter Ware kombinieren können. Bislang war es so, dass die Stylisten die Hemden, Hosen und Shirts gemeinsam mit den Algorithmen ausgewählt haben. Nun können das die Kunden selbst tun.

„Unsere Vision ist, der Partner des Kunden zu sein. Was Spotify für die Musik ist, will Outfittery für die Mode werden“, sagt die 36-Jährige. Die gebürtige Österreicherin verrät im Gespräch mit dem Handelsblatt, dass es inzwischen durchaus denkbar sei, in nicht allzu ferner Zukunft auch weibliche Kunden in den Fokus zu nehmen.

Bislang hatte die Unternehmerin immer gesagt, sie wolle sich auf die männliche Kundschaft fokussieren. Die ist im Schnitt zwischen 25 und 65 Jahre alt und durchaus modeaffin. Auch eine App sei denkbar, „die im Zweifel nach Check des Terminkalenders mehrere Outfitvorschläge macht“.

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    Dass ihr ehemaliger Arbeitgeber Zalando inzwischen versucht, ihr Erfolgsrezept zu kopieren, begreift sie als Kompliment. „Wir haben eine wirklich tiefe Kundenbeziehung, und das Modell ist nicht so einfach skalierbar, wenn man nicht die Mischung zwischen den 150 Stylisten und einem Techteam von rund 60 Leuten hat, die stetig die Plattform verbessern.“

    Outfittery verfüge über viele Daten. Rund 200 sogenannte Datenpunkte, also zu analysierende Einheiten, seien es für inzwischen rund eine Million Kunden in neun Ländern. Zusammen mit den rund 50 Datenpunkten für die einzelnen Produkte und eben die persönliche Betreuung durch die Stylisten wisse man bei Outfittery wirklich viel über die Kunden. „Wir können fragen und bekommen Antworten, das ist etwas ganz anderes, als wenn man nur Algorithmen zur Verfügung hat.“

    Algorithmen ermöglichen Skalieren des Geschäftsmodells

    Im vergangenen Jahr fusionierte Outfittery mit dem Konkurrenten Modomoto. Im Sommer wurde der Deal unterschrieben, sechs Monate später sei die Integration abgeschlossen gewesen, erzählt Bösch. Das Ziel: Mit dem Namen Outfittery die Nummer eins in Europa beim Personal Shopping zu werden. Hierzulande erreichte das Unternehmen laut einer Umfrage aus dem Jahr 2018 bereits eine Bekanntheit von 75 Prozent.

    Ein Schwerpunkt liegt noch immer auf dem deutschsprachigen Raum. Hier erwirtschaftete Outfittery laut "Bundesanzeiger" im Jahr 2018 mehr als 90 Prozent des Umsatzes von 52,6 Millionen Euro. Damals lag der Verlust bei 7,8 Millionen Euro. Für 2019 gibt Bösch einen Umsatz von 80 Millionen an. Zu den aktuellen Zahlen mag die Gründerin nichts Genaueres sagen. Outfittery stehe aber kurz vor dem Erreichen der Gewinnschwelle.

    Sich nun beim Kunden noch stärker auf Echtzeitberatung und auf mehr Künstliche Intelligenz (KI) zu konzentrieren ergibt aus ihrer Sicht Sinn. Denn damit lässt sich das Geschäftsmodell noch weiter skalieren und die Geldgeber zufriedenstellen. Insgesamt hat das Unternehmen seit der Gründung etwa 50 Millionen Euro Risikokapital erhalten. Zu den Investoren zählen Holtzbrinck Ventures, High-Tech Gründerfonds, Mangrove Capital Partners, RI Digital Ventures, VC Fonds Kreativwirtschaft Berlin (managed by IBB), Highland Capital Partners, Northzone Capital, und U-Start Octopus Ventures.

    Die Firmenchefin selbst hält sieben Prozent an dem Unternehmen. Ihre Mitgründerin Anna Alex ist zwar noch Gesellschafterin. Doch diese konzentriert sich mit ihrem Start-up Planetly, das Unternehmen helfen soll, ihren CO2-Abdruck zu verringern, stärker auf Nachhaltigkeit. Das ist in der Modebranche gerade ein großes Thema.

    Auch Bösch arbeitet daran, da die Kunden zunehmend danach fragen. Dies soll bei Outfittery auch in den neuen Algorithmen abgebildet werden, und die Zahl der nachhaltigen Modemarken steigt. Zu ihnen zählen Armed Angels, Knowledge Cotton Apparel, Veja und Greenbomb.

    Umschwung zu Online beschleunigt sich

    Neben der Nachhaltigkeit sieht Bösch aktuell zwei große Trends durch die Coronakrise: Die Business-Mode macht der Casual-Mode immer mehr Platz. Tatsächlich stieg die Nachfrage nach Jogginghosen seit März spürbar an, auch Polo-Shirts verdrängen die klassischen Hemden.

    Ein bisschen länger gegrübelt haben Bösch und ihr Team darüber, warum die Baseball-Kappen so zugelegt haben: „Die geschlossenen Friseursalons sind eine mögliche Erklärung. Die Tatsache, dass viele mehr Sport vor dem Zoom-Meeting gemacht haben und noch nicht ihre Haare gewaschen hatten, eine andere“, sagt die Firmenchefin.

    Der zweite Trend ist, dass der Online-Handel viel schneller den stationären Handel verdrängt als gedacht. Laut Branchenbarometer IBM US Retail Index dürfte durch die Corona-Pandemie der Umsatz des stationären Handels 2020 um 60 Prozent sinken, während der Online-Handel um 20 Prozent zulegt.

    Der Umschwung von Offline zu Online komme damit in den USA fünf Jahre früher als ohne die Krise. Für die stationäre Konkurrenz weltweit ist das keine gute Nachricht. Indessen steigen die Börsenwerte der US-Anbieter Stitch Fix und Trunk Club, die ähnliche Geschäftsmodelle wie Outfittery verfolgen und schon länger am Markt sind.

    Und was würde Bösch tun, wenn sie selbst ein stationäres Modehaus führen würde? „Ich würde das Gegenteil von dem machen, was viele getan haben: Ich würde viel mehr Geld in Service und Beratung stecken, statt Personal abzubauen.“ Schließlich kommt auch Outfittery nicht nur mit Algorithmen aus.

    Mehr: Julia Bösch im Interview: „Ich habe einen unkaputtbaren Optimismus“

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