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Juwelierkette Christ drängt in den Markt für Luxusuhren und Luxusschmuck

Den Umbruch in der Branche hatte die Juwelier-Größe zunächst verpasst. Firmenchef Stephan Hungeling will Christ nun mit neuen Marken wieder auf Wachstumskurs bringen.
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Beim einst erfolgreichen Juwelierunternehmen aus Hagen lief es in den vergangenen Jahren nicht mehr rund. Quelle: Imago
Christ-Filiale in Hamburg

Beim einst erfolgreichen Juwelierunternehmen aus Hagen lief es in den vergangenen Jahren nicht mehr rund.

(Foto: Imago)

Hagen In Deutschland schließen immer mehr Uhren- und Schmuckgeschäfte. Doch das Sterben der Branche hält Stephan Hungeling nicht davon ab, mit einer neuen Juwelierkette zu starten. „Wir eröffnen noch in diesem Jahr die ersten Läden von Brinckmann & Lange, die Uhren und Schmuck in der Preislage zwischen etwa 5000 bis 15000 Euro anbieten werden“, sagte der Chef des Uhren- und Schmuckhändlers Christ dem Handelsblatt.

Mit der Wiederbelebung der alten Bremer Juweliermarke Brinckmann & Lange wagt sich Hungeling weit in den Luxusmarkt vor. Damit greift er große, etablierte Konkurrenten wie die traditionsreichen Filialisten Wempe aus Hamburg und Bucherer aus der Schweiz an.

Für Hungeling ist es der Versuch, den deutschen Marktführer im hiesigen Uhren- und Schmuckeinzelhandel wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Das will er mit einer Doppelstrategie schaffen, bei der Brinckmann & Lange sowie der im Frühjahr übernommene Online-Händler Valmano eine zentrale Rolle spielen sollen.

„Wir wollen Christ auf unser Kerngeschäft in der Mitte des Marktes konzentrieren, mit Valmano jüngere Kunden in den Einstiegspreislagen erreichen und mit Brinckmann & Lange den Premium- und Luxusmarkt abdecken“, erklärte Hungeling seine Strategie.

Denn bei dem einst erfolgreichen Juwelierunternehmen aus Hagen lief es in den vergangenen Jahren nicht mehr sonderlich rund. Das 1863 in Frankfurt von Wilhelm Alexander Christ gegründete Unternehmen gehörte viele Jahre zur Douglas-Gruppe in Hagen. Doch deren Inhaberfamilie Kreke verkaufte Christ 2014 an den britischen Finanzinvestor 3i.

Problematisch ist vor allem das große Filialnetz von Christ mit heute noch 214 Filialen in Deutschland und sechs in Österreich. Dort sank der Umsatz in den vergangenen Jahren, auch weil immer weniger Kunden in die Innenstädte kommen.

Als Hungeling vor zwei Jahren zu Christ kam, vollzog er einen wichtigen Strategieschwenk: „Wir fokussieren unsere strategischen Aktivitäten seit 2017 stärker auf Online und Digital“, sagt er. Das war sehr spät. Denn da waren längst neue Online-Plattformen wie Chonext oder Chrono24 am Markt, die ihre Uhren ohne teure stationäre Läden verkaufen. Außerdem erreichen sie zum Teil jüngere Kunden als die Hagener Traditionskette Christ.

Doch Hungeling hat in den vergangenen Jahren kräftig investiert. „Bei der Digitalisierung sind wir in unserer Branche Avantgarde“, erzählt er heute stolz. Aber er räumt ein: „Verglichen mit anderen Branchen sind wir nur im oberen Mittelfeld“.

Der Markt stagniert seit Jahren

Im Geschäftsjahr 2018/19, das am 30. September endet, erzielte er 60 Millionen des Gesamtumsatzes von 400 Millionen Euro im Onlinegeschäft. Im nächsten Geschäftsjahr erwartet er einen Umsatz von 410 Millionen Euro. „Das wird das zweite Jahr in Folge sein, in dem wir im Kerngeschäft profitabel wachsen“, so Hungeling.

Das Wachstum klingt bescheiden. Es ist aber viel in einem Gesamtmarkt für Uhren und Schmuck, der nach Berechnungen des Handelsverbands Juweliere in Deutschland seit vielen Jahren zwischen 4,6 und 4,8 Milliarden Euro stagniert. Die Zahl der Uhren- und Schmuckläden ist seit der Jahrtausendwende in Deutschland von rund 8000 auf nur noch 6500 Geschäfte geschrumpft.

Der Christ-Chef hofft auch, dass seine neue Doppelstrategie aufgeht. So will er in den nächsten Wochen die ersten seiner Filialen in Boutiquen der neuen Marke Brinckmann & Lange umbauen. Zwar führt Christ bereits an einigen Standorten hochwertigere Labels wie Breitling oder TAG Heuer.

Doch einige Branchenbeobachter sind skeptisch, ob Hungeling die ganz großen Markennamen zum Start der neuen Luxuskette gewinnen kann. „Es ist schwierig, angesichts der großen Konkurrenten eine neue Einzelhandels-Linie für Premium- und Luxusmarken aufzubauen“, sagt Markenberater Franz Maximilian Schmid-Preissler. „Das ist ein teures Experiment.“

Wempe und Bucherer haben zudem mit ihren Filialen schon viele Topmarken im Sortiment. Wempe führt darüber hinaus noch exklusive Flagshipstores für Luxusmarken wie Patek Philippe oder Rolex.

Hungeling muss es aber auch gelingen, im Kerngeschäft von Christ wieder zu wachsen. Eine große Rolle sollen dabei die Eigenmarken spielen. „Der Eigenmarkenanteil wird in den nächsten Jahren bei Christ stärker wachsen als das übrige Geschäft“, kündigt Hungeling an. „Das ist auch elementar wichtig, um nicht mehr so vergleichbar zu sein.“ Heute erzielt er schon die Hälfte des Umsatzes mit Eigen- und Exklusivmarken wie Jette Joop und Guido Maria Kretschmer.

Noch ist das Unternehmen zu stark auf Deutschland konzentriert. Das soll sich ändern. Aber schon der Name Christ sei nicht für die Expansion in Ausland geeignet. „Wir wollen mit der Online-Plattform für Uhren und Schmuck Valmano, die wir im Frühjahr gekauft haben, in Länder außerhalb Deutschlands und Österreichs expandieren“, lautet der Plan des Unternehmenschefs. Es wird also zunächst Onlineshops von Valmano in den jeweiligen Ländern geben – aber keine stationären Läden.

Mehr: Das Unternehmen von Lothar Schmidt dürfte es in der Branche eigentlich gar nicht geben. Der Eigentümer hat trotzdem ein Erfolgsmodell daraus gemacht.

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