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Kaffee- und Handelskonzern Tchibo-Chef Thomas Linemayr verlässt überraschend das Unternehmen

An die Spitze des Kaffeekonzerns rückt der frühere Ikea-Manager Werner Weber. Die Parallelen zum jüngsten Chefwechsel bei Beiersdorf sind auffällig.
20.05.2021 Update: 20.05.2021 - 14:58 Uhr Kommentieren
Der Tchibo-Chef verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Quelle: imago images / Metodi Popow
Thomas Linemayr

Der Tchibo-Chef verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch.

(Foto: imago images / Metodi Popow)

Düsseldorf Tchibo bietet seinen Kunden immer wieder überraschende Dinge. So konnte man bei dem Händler vor Kurzem ein Abo über einen Tesla Model 3 abschließen. Kurz danach gab es Corona-Selbsttests für stolze 13,99 Euro im Doppelpack. Und vor wenigen Tagen offerierte das Unternehmen, das ursprünglich mal ausschließlich auf Kaffee spezialisiert war, sogar einen Miniwohnwagen für 12.950 Euro.

Zum 1. Juli gibt es eine weitere Überraschung: Vorstandschef Thomas Linemayr, 60, der Tchibo seit 2016 leitet, wird das Unternehmen verlassen, wie am Donnerstag bekannt wurde. Folgen soll ihm nach Firmenangaben der frühere Ikea-Manager Werner Weber, der bereits im Tchibo-Aufsichtsrat sitzt und schon 66 Jahre alt ist. Das deutet auf eine Übergangslösung hin. Auf Nachfrage gibt es dazu keinen Kommentar.

Die Trennung kommt für Außenstehende völlig unerwartet. Erst 2019 hatte das Unternehmen den Vertrag von Linemayr bis 2022 verlängert. Das war der Lohn dafür, dass der Manager den Händler in schwieriger Zeit stabilisiert hatte.

Zwar konnte Linemayr den langjährigen Umsatzrückgang bei dem Hamburger Unternehmen nicht komplett stoppen. Doch zumindest die Gewinne waren zuletzt wieder deutlich gestiegen.

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    So ging der Umsatz im Geschäftsjahr 2019 von 3,14 auf 3,12 Milliarden Euro zurück, wie der Eigentümer, die Maxingvest-Holding der Familie Herz, mitteilte. Der bereinigte Gewinn aber legte zugleich von 54 auf 134 Millionen Euro zu. Zahlen für 2020 gibt es noch nicht, eine Prognose hatte sich Tchibo wegen der unklaren Lage rund um die Coronakrise im Vorfeld nicht zugetraut.

    Das Unternehmen besitzt 550 eigene Filialen, 500 davon mit eigener Kaffeebar, die infolge der Pandemie zeitweise schließen mussten. Daneben hat Tchibo aber auch Tausende von Verkaufsstellen in großen Lebensmittelgeschäften und macht bereits eine knappe halbe Milliarde Euro Umsatz im E-Commerce. Das dürfte die Folgen der Pandemie deutlich abfedern.

    Gerade digital ist das Unternehmen offen für neue Ideen, die es weniger abhängig machen vom stationären Handel. So ist es einer der ersten großen Händler, die ihre Waren über Livevideos im Internet verkaufen.

    Auffällige Parallele zu Beiersdorf

    Einen konkreten Grund für die abrupte Trennung von Linemayr nennt das Unternehmen nicht. Er selber habe den Wunsch geäußert, seinen Vertrag vorzeitig zu beenden, heißt es. „Es zieht ihn zurück nach Amerika“, teilte Tchibo mit. Linemayr besitzt einen amerikanischen Pass, seine Söhne leben in den USA. Vor seinem Engagement bei Tchibo hatte Linemayr 17 Jahre lang das US-Geschäft von Lindt & Sprüngli geleitet.

    Das „Manager Magazin“, das als Erster über den Wechsel berichtet hatte, spekuliert, dass Linemayr einen geplanten Radikalumbau des Unternehmens nicht bei Aufsichtsratschef Michael Herz habe durchsetzen können. Das Unternehmen dementiert diese Darstellung. Michael Herz ist zusammen mit seinem Bruder Wolfgang über Maxingvest hundertprozentiger Eigentümer des Unternehmens.

    Zumindest zeigen sich jedoch auffällige Parallelen zu einem anderen Unternehmen, in dem die Brüder Herz ebenfalls beherrschenden Einfluss haben. So gab es kürzlich auch beim Nivea-Hersteller Beiersdorf einen überraschenden Wechsel an der Spitze. Die Holding Maxingvest hält an dem MDax-Konzern 51,18 Prozent der Anteile.

    Ende April hatte sich Stefan De Loecker nach nur gut zwei Jahren als Vorstandschef von Beiersdorf verabschiedet. Einen Grund dafür nannte auch er nicht. In Unternehmenskreisen hieß es, dass es zu Unstimmigkeiten zwischen ihm und dem Aufsichtsrat gekommen sein soll, in dem unter anderem Wolfgang Herz sitzt.

    Die Familie Herz, die zu den reichsten Deutschlands zählt, übt erheblichen Einfluss auf das operative Geschäft von Beiersdorf aus, berichten Insider. Ähnliches ist von Tchibo zu hören.

    Im Fall Beiersdorf soll es unter anderem um den Wandel des Konsumgüterkonzerns gegangen sein. De Loecker hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass das Unternehmen innovativer und digitaler werden müsse. Möglicherweise hat der 54-jährige Belgier dabei ein – nach dem Geschmack des Aufsichtsrats – zu forsches Tempo angesetzt.

    De Loeckers Nachfolger ist seit Anfang Mai Vincent Warnery. Der 52 Jahre alte Franzose ist seit 2017 bei Beiersdorf und arbeitete zuvor viele Jahre bei L’Oréal. Der französische Kosmetikkonzern gilt als stark zentralistisch organisiertes Unternehmen – ein Managementstil der alten Schule.

    Mehr: Wie Lidl, Tchibo und Zalando den Greta-Effekt nutzen

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