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Kaffeehersteller Durch Adoption zum Chefposten – Andreas Jacobs könnte Darbovens neuer Kaffee-König werden

Der Nachfolgestreit in der Darboven-Dynastie hat eine spektakuläre Wendung genommen: Albert Darboven will wohl Andreas Jacobs Familie adoptieren.
09.07.2018 - 21:30 Uhr Kommentieren
Darboven: Andreas Jacobs könnte neuer Chef werden Quelle: dpa
Andreas Jacobs

Er hält sich bislang dezent aus dem Streit heraus.

(Foto: dpa)

Hamburg Einmal im Jahr hat Albert Darboven in Hamburg einen großen gesellschaftlichen Auftritt. Zusammen mit seiner Frau Edda wohnt er als Renn-Club-Vorstand dem traditionsreichen Derby auf der Rennbahn in Hamburg-Horn bei. Schließlich leistet sich der Unternehmer in Elblage im Westen der Hansestadt sein eigenes, 40 Hektar großes „Gestüt Idee“. Benannt nach seiner Kaffeemarke.

Doch das Derby an diesem Wochenende stand für Darboven unter keinem guten Stern. Nicht nur, dass zwei Pferde bei dem höchstrangigen deutschen Rennen eingeschläfert werden mussten. Nein, Albert Darbovens eigene Familie stahl dem 82-Jährigen den souveränen Auftritt.

Vier Verwandte, darunter sein Sohn Arthur Darboven griffen den Patriarchen in einem offenen Brief, den sie am Wochenende unter anderem an das Handelsblatt versandten, scharf an. Sie werfen ihm einen „Bruch mit den Werten des Unternehmens und der Familie Darboven“ vor. Weiter heißt es: „Wir sind in tiefer Sorge um dieses Unternehmen, an dem wir zusammen 42,5 Prozent der Anteile halten.“

Der Hintergrund des Familiendramas: Statt sein Kaffeeunternehmen – neben „Idee“ sind „Eilles“ und „Mövenpick“ bekannte Marken – an seine Kinder zu vermachen, will Mehrheitseigner Albert Darboven einen Spross der Bremer Kaffeedynastie Jacobs adoptieren. Der 54-jährige Unternehmer Andreas Jacobs ist bereits Vorsitzender des Beirats einer von Albert Darboven eingerichteten Stiftung, die seine Geschäftsanteile verwalten soll.

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    Jacobs ist längst kein Konkurrent mehr

    Ein Konkurrent ist Jacobs längst nicht mehr: Sein leiblicher Vater hatte den traditionsreichen Jacobs Kaffee bereits 1990 an einen US-Konzern verkauft. Heute gehört die Marke einem Gemeinschaftsunternehmen von Mondelez und der JAB-Holding, die unter anderem das Vermögen der reichsten deutschen Familie, der Reimanns, verwaltet.

    JAB treibt mit Milliardensummen die Konsolidierung des globalen Kaffeemarkts voran – und degradiert Hersteller wie J.J.Darboven mit seinen rund 330 Millionen Euro Umsatz zu lokalen Zwergen. Die Familie Jacobs ist heute noch Großaktionärin des Schweizer Schokoladenkonzerns Barry Callebaut. Andreas Jacobs war hier bis 2016 im Verwaltungsrat. Zur Jacobs Holding gehört zudem die europäische Zahnklinikkette Colosseum.

    Andreas Jacobs trägt also einen großen Namen, ist finanziell unabhängig und erfahren in der Businesswelt. Dazu, wieso er sich von Darboven adoptieren lassen sollte, äußerte er sich bislang auch auf Anfrage nicht. Offenbar läuft aber bereits das Adoptionsverfahren am Amtsgericht Hamburg-Blankenese.

    Klar ist: Laut Unternehmenssatzung soll ein Familienmitglied eines Tages die Nachfolge an der Spitze des Kaffeeherstellers J.J.Darboven übernehmen. Mit seinem leiblichen Sohn Arthur funktionierte die Leitung der Firma jedoch für Darboven nicht. Im Jahr 2008 trennten sich Vater und Sohn nach einigen Jahren gemeinsamer Geschäftsführung.

    Akuter Anlass soll ein Streit über einen Kaffee gewesen sein, den der Junior auf einer Erotikmesse präsentieren ließ. Dahinter stand aber offenbar schon länger das Gefühl des Sohns, dass sein Vater ihm zu wenig Spielraum lasse. In den darauf folgenden Jahren haben beide wiederholt anklingen lassen, eine Einigung sei nicht ausgeschlossen.

    Vor fünf Jahren verkündete Albert Darboven jedoch, er könne sich auch eine Adoption vorstellen. Allerdings sagte er damals, es handle sich um eine Person Anfang 30, die davon noch nichts wisse.

    Die Pläne haben offenbar zwei Hintergründe: Mit der Adoption könnte Jacobs satzungsgemäß alle möglichen Funktionen im Familienunternehmen übernehmen. Zum anderen ist Albert Darboven als junger Erwachsener selbst von seinem Onkel Albert Darboven adoptiert worden, um so als vollwertiger Erbe das Unternehmen führen zu können.

    Der Kaffeeunternehmer kennt das Procedere also aus eigener Erfahrung. Er setzte in den vergangenen Jahrzehnten beim Ausbau des Unternehmens auf die Kraft der Familie: So wurde er selbst deutschlandweit bekannt, indem er über viele Jahre hinweg immer wieder in den Fernsehspots für Idee-Kaffee auftrat („Schön, dass Sie uns besuchen, Herr Darboven“). Ans Aufhören denkt der Patriarch trotz seines Alters nicht. Sein aktuelles Projekt ist das papierlose Büro, das er in zwei Jahren umsetzen will.

    Kompromiss nicht in Sicht

    Von der Kritik seines leiblichen Sohnes, der Witwe seines einstigen Mitgesellschafters Herbert Darboven und deren beiden Söhnen zeigte sich Darboven am Montag unbeeindruckt. In einer Stellungnahme teilte er mit: „Meine Frau und ich wünschen uns, Herrn Dr. Jacobs auch ganz offiziell in unsere Familie aufzunehmen.

    Aber das ist eine rein familiäre Angelegenheit, die nur uns drei betrifft. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass wir Herrn Dr. Jacobs nicht nur privat verbunden sind, sondern ihn auch als einen herausragenden Unternehmer schätzen, der unser volles Vertrauen genießt. Wir wünschen uns, dass er unser Lebenswerk in allen Bereichen fortsetzt.“

    Tatsächlich kennen das Ehepaar und Jacobs sich schon lange – auch über die gemeinsame Vorstandsarbeit im Renn-Club. Jacobs setzt seit Langem die Arbeit seines leiblichen Vaters als Züchter auf mehreren Gestüten fort. Potenziell könnte er also die Familienstiftung der Darbovens betreuen sowie deren Unternehmen und die Pferdezucht kompetent steuern. Finanziell ist das gewährleistet: Das Unternehmen habe nach Steuern im vergangenen Geschäftsjahr fast 16 Millionen Euro Gewinn geschrieben, teilte Darboven mit.

    Seine Familie will dagegen kein neues Familienmitglied akzeptieren. Sie böten an, das Unternehmen in fünfter Generation fortzuführen, schrieben die vier Verwandten in ihrem offenen Brief. Arthur Darboven will gegen seinen Vater kämpfen: „Ich werde im Rahmen des Adoptionsverfahrens sämtliche mir zur Verfügung stehenden juristischen Möglichkeiten ausschöpfen“, sagte er dem Handelsblatt.

    Im April habe er von den Adoptionsplänen erfahren. „Da es bislang keine enge Bindung von Herrn Dr. Jacobs an unser Haus gab und die geschäftlichen Beziehungen in der Vergangenheit alles andere als reibungslos verliefen, können wir Dr. Jacobs nicht als Familienmitglied akzeptieren“, sagte der Sohn, der ein eigenes Kaffeehandelsunternehmen betreibt.

    Er verwies auf einen Prozess um die Nutzung der Kakaomarke Xocao, den J.J. Darboven gegen Barry Callebaut verloren habe. Weder wolle er einer Satzungsänderung zustimmen, die eine Adoption erübrigen würde, noch jemals seine Anteile verkaufen, sagte Arthur Darboven. Jacobs, deutet Darboven an, habe kein langfristiges Interesse an dem Unternehmen.

    „Unsere Firma braucht eine langfristige Vision, damit Sie floriert. Damit meine ich, dass man nicht ein paar Jahre zuschaut, wie sich die Firma entwickelt, und sie dann bei einem Gebot verkauft.“

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