Kampf gegen Absturz Indiens Airline-Boom endet im Desaster

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Jetzt kämpft die erfolgsverwöhnte Branche gegen den Absturz. Weil Airlines im rasenden Tempo Geld verbrennen, leiden sie besonders unter einer Kreditklemme, die auch Indien heimsucht. Jet musste bereits eine geplante Kapitalaufnahme von 400 Mill. Dollar zurückstellen. Kingfisher hofft noch, bald eine ähnliche Summe zu erhalten. Auslöser der Krise war eine Explosion des Ölpreises, die Fluglinien im Vergleich zum Vorjahr zu Preiserhöhungen von bis zu 100 Prozent zwang. Seitdem steigen Passagiere in Massen auf die Bahn um. Die Auslastung von Binnen-Flügen ist trotz vieler Flugstreichungen auf 67 Prozent gesunken. Für schwarze Zahlen wären laut Goyal 90 Prozent nötig. "Die Branche leidet unter 30 Prozent Überkapazität, und alle verkaufen Tickets unter den Kosten", umreißt der Jet-Chef die Lage.

Zuwachsraten von einem Viertel pro Jahr seit Beginn der Liberalisierung 2003 gehören der Vergangenheit an. Analysten erwarten für 2008 einen zweistellig schrumpfenden Markt. Das könnte zur Stornierung von Flugzeugbestellungen führen, warnt CAPA-Analyst Kapil Kaul. "Mangels Finanzierung gibt es keinen Markt mehr für den Kauf von Fliegern", sagt er. Boeing und Airbus zählen in den nächsten fünf Jahren auf die Lieferung von 300 Flugzeugen nach Indien. Zusammen mit China gilt das Schwellenland als Hoffnungsträger zum Ausgleich schwächerer Verkaufszahlen in Europa und den USA. Auf einer Flug-Show in Hyderabad bekräftigten Boeing und Airbus erst vorige Woche ihre langfristigen Absatzziele von je rund 1 000 Flugzeugen in den nächsten 20 Jahren. "Das sind kurzfristige Schwierigkeiten", erklärte Boeings Verkaufschef für Indien, Dinesh Keskar. Zugleich warnte auch er, Fluglinien müssten zunächst Überkapazitäten in den Griff bekommen. Jet überprüft dazu seine gesamte Flottenplanung und erwägt Lieferverschiebungen. Kingfisher hat fünf Airbus-Order annulliert und zögert weitere bis 2010 hinaus. Beide geben zudem geleaste Jets zurück, denn sie schrumpfen ihr Angebot nicht nur im Inland. Jet und Kingfisher stoppen ihre ambitionierten internationalen Expansionspläne.

Goyal und Mallya bleibt keine Wahl: Die Bilanzen ihrer beim Service weit überlegenen Firmen ähneln zunehmend dem maroden Staatsflieger Air India. Der verlor schon im Vorjahr 425 Mio. Dollar, dieses Jahr sollen sich die Verluste verdoppeln. Weil Kündigungen unmöglich sind, drängt Air India die Hälfte seiner aufgeblähten Mitarbeiterschar zu drei bis fünf Jahren unbezahltem Urlaub. Ob sich 15 000 Freiwillige finden, steht indes in den Sternen.

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