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Kampf in der Luftfahrt UFO, Verdi und IGL – Drei Gewerkschaften ringen um das Kabinenpersonal

Mit harten Bandagen kämpfen die Gewerkschaften IGL und Verdi um die Mitglieder der angeschlagenen UFO. Die Krise bei der Lufthansa-Tochter Eurowings könnte ihnen helfen.
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Das Kabinenpersonal wird gleich von drei Gewerkschaften umgarnt – der Ausgang des Ringens um Mitglieder ist offen. Quelle: Reuters
Lufthansa-CEO Carsten Spohr mit Kabinenpersonal von Lufthansa und Eurowings.

Das Kabinenpersonal wird gleich von drei Gewerkschaften umgarnt – der Ausgang des Ringens um Mitglieder ist offen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtEin schrumpfendes Netz, weniger Flugzeuge und wahrscheinlich auch weniger fliegendes Personal. Die Lufthansa-Tochter Eurowings plant eine signifikante Schrumpfung. Auf die Arbeitnehmer und ihre Vertretungen werden harte Forderungen zukommen.

Vor allem für eine Gewerkschaft könnte das heikel werden: die durch einen internen Machtkampf und Misswirtschaft deutlich geschwächte Kabinengewerkschaft UFO. Sie muss ihren Mitgliedern beweisen, dass sie noch handlungs- und durchsetzungsfähig ist. Denn die Konkurrenz scharrt bereits mit den Hufen. Sowohl die Gewerkschaft IGL als auch Verdi bietet sich verstärkt als Alternative an.

Der Wettkampf wird mit harten Bandagen geführt. Das zeigt das Beispiel Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW). Die frühere Air Berlin-Tochter wurde zunächst von Lufthansa übernommen und dann kürzlich an das Unternehmen Zeitfracht weiterverkauft. Am 12. Juni schloss UFO für die Kabinenmitarbeiter der kleinen Airline einen Tarifvertrag, den ersten zwischen den beiden Tarifpartnern. Der biete in „inhaltlicher Hinsicht zahlreiche deutliche Verbesserungen im Vergleich zu den bisherigen Vergütungsbedingungen“, heißt es in einer Mitteilung an die LGW-Crews.

Nur einen Tag später meldet sich Verdi zu Wort. „Die UFO steht kurz vor dem Aus und unterschreibt offensichtlich alles, um überhaupt noch als Gewerkschaft wahrgenommen zu werden“, heißt es in einer Mitteilung an die eigenen Mitglieder. Mehr als die Hälfte der Kabinenmitarbeiter bei der LGW seien Mitglieder bei Verdi, begründet die Gewerkschaft ihrerseits den eigenen Vertretungsanspruch bei LGW. Mit dem UFO-Vertrag stehe die „Kabine wesentlich schlechter da als zuvor“.

Grund für die durchaus emotionale Mitteilung: Verdi befand sich ebenfalls in Verhandlungen mit der LGW-Geschäftsführung und wusste nichts von den Gesprächen mit UFO. Parallel zum UFO-Abschluss wurden dann alle Gesprächstermine mit Verdi abgesagt. Statt mit einer „selbstbewussten und gut organisierten Belegschaft zu verhandeln“ werde ein „Gefälligkeits-Tarifvertrag“ mit der UFO geschlossen, wettert Volker Nüsse, Verdi-Tarifsekretär für die Kabine, in der Mitteilung vom 13. Juni gegen die Geschäftsführung von LGW und UFO.

Nach einer deutlichen Streikdrohung wird nun seit Montag dieser Woche wieder mit Verdi verhandelt. Gut möglich, dass die Gesellschaft am Ende den UFO-Vertrag wieder aufgeben wird und Verdi den Abschluss macht. Bei UFO gibt man sich gleichwohl entspannt. „Wenn Verdi ernsthaft unseren Status als Gewerkschaft infrage stellt, können sie gerne versuchen, das gerichtlich feststellen zu lassen“, sagte Daniel Flohr, der amtierende UFO-Vorsitzende, dem Informationsdienst Airliners.de.

Eurowings-Piloten sollen mehr fliegen

Auch wenn es in diesem Fall in erster Linie darum geht, eine bereits bestehende Tarifzuständigkeit zu verteidigen, die Wortwahl von Verdi signalisiert, was in Zukunft noch kommen könnte. Der nächste Kampfplatz ist bereits identifiziert: Eurowings. Hier streiten Verdi und UFO schon länger um die Vertretung der Crews. Künftig werden hier zahlreiche Themen zu diskutieren sein. So hat der im Lufthansa-Vorstand für Eurowings zuständige Thorsten Dirks am Montag angekündigt, den Rotstift ansetzen zu wollen, um den Lufthansa-Ableger in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Die ersten bekannten Details dieses Plans deuten im Saldo darauf hin, dass Eurowings künftig weniger Crews benötigen wird. So will Dirks die Produktivität des fliegenden Personals steigern. Die Piloten sollen von 530 auf 750 Blockstunden kommen. Die Blockstunden bezeichnen die tatsächliche Flug-Arbeitszeit der Piloten beginnend mit Abrollen eines Flugzeugs aus seiner Parkposition bis zum Abstellen der Triebwerke nach der Landung. Insgesamt sollen die Prozesse beim Einsatz des fliegenden Personals verbessert werden. Vor allem aber plant Dirks eine Ausdünnung des Kurzstreckennetzes und der Flotte.

Verdi-Tarifsekretär Nüsse hat bereits angekündigt, den Umbau intensiv begleiten zu wollen. Und auch UFO hat bereits den Druck auf die Eurowings-Spitze erhöht. Schon für Juli droht die Gewerkschaft mit Streiks, weil Eurowings derzeit keine Gespräche mit der UFO führt. Die gesamte Lufthansa-Gruppe hat Verhandlungen mit UFO über einen neuen Tarifvertrag ausgesetzt, weil man wegen der unklaren Führungsfrage bei der Gewerkschaft deren Handlungsfähigkeit anzweifelt, was übrigens mittlerweile auch Verdi tut. UFO hatte den auslaufenden Tarifvertrag im März gekündigt, um einen neuen zu verhandeln.

Zwar lautet das IGL-Prinzip weiterhin, dass die Tarifvertretung durch die einzelnen Spartengewerkschaften erfolgen soll. Aber mittlerweile betont die IGL ihre Rolle als anerkannter Tarifpartner stärker als früher – auch in Richtung UFO. „Wenn UFO heute in den Medien oder der Politik auftaucht und sagt, sie vertrete die Interessen von 30.000 Flugbegleitern, dann hat das Gewicht“, heißt es auf der Homepage der Gewerkschaft. Und weiter: „Was aber passiert, wenn eine IGL kommt und die Interessen von 180.000 Mitarbeitern und bis zu 800.000 damit zusammenhängenden Familienangehörigen – also in der gesamten Luftverkehrsindustrie – vertritt?“

Lufthansa hält angedrohte Streiks für rechtswidrig

Damit präsentiert sich die IGL auch als Alternative zur UFO – nicht zuletzt mit dem Argument der Größe in zunehmend schwierigeren Zeiten. Diese Größe sei auch deshalb wichtig, weil das Tarifeinheitsgesetz mittlerweile vorschreibe, dass die Gewerkschaft einen Abschluss aushandeln darf, der die meisten Mitarbeiter vertritt. „Als reine Berufsvertretung droht deshalb jederzeit die Verdrängung durch jemanden, dessen Organisationsbereich alle Berufsarten abdeckt“, heißt es unter anderem mit Verweis auf Verdi.

Um den UFO-Mitgliedern ein Engagement bei der IGL zu erleichtern, hat die Gewerkschaft sogar ihre Satzung geändert. UFO-Mitglieder müssen nun nicht mehr wie bisher auch für die IGL bezahlen. Damit sei sichergestellt, dass die Kabine aufgrund der Anzahl der Kabinenmitarbeiter ihre starke Stimme in der IGL behält.

Hinzu kommt: Mit Thomas Klappert, einem früheren Vorstandsmitglied der UFO und einem der Gegner des langjährigen UFO-Chefs Nicoley Baublies, hat sich ein erstes Ex-Führungsmitglied der UFO bereits bei der IGL in der Geschäftsführung engagiert. Weitere könnten folgen, so ist zu hören.

Wer das Rennen um die Kabinenmitarbeiter gewinnen wird, ist offen. Bei Lufthansa hält man sich bei dem Thema bedeckt. „Es ist nicht an uns, zu definieren, wer die gewerkschaftliche Vertretung der Kabine ist“, erklärte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Der Lufthansa-Gruppe sei wichtig, dass die Kabine eine verlässliche, stabile und unabhängige Gewerkschaft habe, über die sie ihre Interessen wahrnehmen kann. „Wir erwarten, dass die Ufo schnellstmöglich ihre personellen Unruhen beilegt und die Vertretungsbefugnis klärt, damit wir wieder in einen gemeinsamen Austausch mit unserem Tarifpartner kommen können.“

Fest steht: Der erste Belastungstest für die UFO könnte schon in Kürze stattfinden. Sollte die derzeit laufende Urabstimmung zugunsten eines Ausstands ausfallen, müsste die Gewerkschaft konsequenterweise den Worten auch Taten folgen lassen und streiken.

Doch Lufthansa hat bereits klar gemacht, dass sie diesen Ausstand für rechtswidrig hält, weil die Kündigung des laufenden Tarifvertrags wegen der unklaren Führungssituation bei UFO nicht rechtmäßig erfolgte. Damit könnte Lufthansa rechtlich gegen den Streik vorgehen und sogar Schadenersatz fordern.

„Nach unserer Rechtsauffassung sind die Kündigungen der Tarifverträge unwirksam“, sagt die Lufthansa-Sprecherin: „So lange die Tarifverträge geschlossen sind, herrscht Friedenspflicht. In diesem Zeitraum sind Streiks rechtswidrig und damit unzulässig.“

Mehr: Die schlechten Nachrichten häufen sich. Die Lufthansa macht Investoren wenig Hoffnung.

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