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Costa Coffee in London

Coca-Cola greift mit der Übernahme der britischen Café-Kette Costa im Markt für Heißgetränke an.

(Foto: AP)

Kampf um den Kaffee Coca-Cola macht mit dem Kauf von Costa auch der deutschen Reimann-Familie Konkurrenz

Coca-Cola übernimmt den britischen Starbucks-Rivalen Costa. Damit steigen die US-Amerikaner in einen hart umkämpften Wachstumsmarkt ein.
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Zürich, New YorkMit Koffein kennen sie sich bei Coca-Cola aus. Aber der jüngste Zukauf des US-Getränkeherstellers kommt trotzdem überraschend: Für 3,9 Milliarden Pfund (4,4 Milliarden Euro) übernimmt Coca-Cola den britischen Starbucks-Konkurrenten Costa mit seinen rund 4.000 Filialen. Damit macht Coca-Cola auch der deutschen Milliardärsfamilie Reimann Konkurrenz.

In dem hart umkämpften Kaffeemarkt haben sich in den vergangenen Jahren der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé und die JAB-Holding der Reimanns mit milliardenschweren Zukäufen überboten. Jetzt steigt auch Coca-Cola in die Bohnenschlacht ein. Mit Costa konnten sich die Amerikaner eines der wenigen verbleibenden Übernahmeziele sichern – zu einem stolzen Preis.

„Costa Coffee ist die größte globale Kaffeehaus-Kette nach Starbucks und McCafé“, kommentiert Howard Telford vom Marktforscher Euromonitor International den jüngsten Deal. Costa verfüge vor allem in Europa und Asien über eine starke Präsenz, die Coca-Cola dann weltweit und auch in den USA ausbauen könnte.

Mit dem Costa-Deal ist Coca-Cola vergleichsweise spät dran. Die von der deutschen Familie Reimann dominierte JAB-Holding hat sich in den USA und Europa innerhalb von wenigen Jahren ein milliardenschweres Kaffee-Imperium mit Marken wie Jacobs zusammengekauft. Auf dem amerikanischen Markt hat JAB sogar den Marktführer Nestlé überholt.

Dort hat JAB im vergangenen Frühjahr in einem 7,5 Milliarden Dollar schweren Deal die schnell wachsende US-Bäckereikette „Panera Bread“ übernommen. Außerdem gehören ihr die Donutkette „Krispy Kreme“ sowie die beiden Kaffeehausketten „Coffee & Bagels“ und „Peet’s Coffee & Tea“. JABs jüngster Streich: Für zwei Milliarden Dollar kaufte die Holding die britische Sandwichkette „Pret A Manger“, die ebenfalls Kaffee serviert und auch in den USA unterwegs ist. Hinzu kommen die Dosen-Kaffees von „Dr. Pepper Snapple“, die mittlerweile auch zum JAB-Imperium gehören.

Die schweizerische Nestlé, die mit Nescafé und Nespresso den Kaffeemarkt dominiert, hatte sich in den USA die deutlich kleineren Kaffeefirmen Chameleon Cold Brew und Blue Bottle Coffee gesichert. Dann folgte der bislang größte Coup von Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider – eine milliardenschwere Allianz mit Platzhirsch Starbucks. Nestlé hat sich diese Woche endgültig für 7,15 Milliarden Dollar die Rechte gesichert, außerhalb der USA Starbucks-Produkte jenseits der Filialen zu verkaufen.

Der britische Coca-Cola-Chef James Quincey malt sich dennoch mit Costa gute Chancen aus. Schon heute bedient der US-Getränkeriese einige lokale Märkte mit Kaffeemarken und kalten Kaffeegetränken aus der Flasche. Doch bislang spielte das Gebräu für den Konzern nur eine Nischenrolle.

Transaktion im Eiltempo durchgezogen

„Heißgetränke sind eines der wenigen verbleibenden Segmente in der gesamten Getränkelandschaft, in denen Coca-Cola keine globale Marke hat“, sagte Quincey am Freitag. Das ändert sich mit der überraschenden Transaktion, die offenbar im Eiltempo durchgezogen wurde.

Bei dem Verkauf macht der bisherige Costa-Eigentümer Whitbread einen deutlich besseren Schnitt als beim ursprünglich angepeilten Börsengang. Der Kaufpreis liegt nach Berechnungen von Analysten bei mehr als dem 16-Fachen des Ebitda-Gewinns von Costa.

„Damit bezahlt Coca-Cola mehr, als Nestlé jüngst für ihren Deal mit Starbucks hingelegt hat“, bemerkt Analyst Jon Cox von Kepler Chevreux. Aber Coca-Cola sichere sich damit einen Platz in dem schnell wachsenden Kaffee-Bar-Geschäft, sagt der Analyst.

„Coca-Cola ist eines der wenigen Unternehmen, die eine solche Bewertung rechtfertigen können“, meint auch Nicholas Hyett von Hargreaves Landsdown. „Ihre globale Reichweite sollte dem Wachstum im kommenden Jahr den Turbo verpassen. Und heiße Getränke sind einer der Bereiche, in denen der Softdrinkriese keine Killermarke hat. Sie werden Costa viel Aufmerksamkeit widmen“, ist Hyett überzeugt.

Coca-Cola setzt auf gesündere Getränke

Auch der Euromotor-Marktforscher Telford glaubt, dass der Markt attraktiv ist: „In den vergangenen zehn Jahren haben wir global fast 20 Milliarden Wachstum in diesen Spezial-Kaffee-Shops gesehen“, beobachtet er. Starbucks habe gezeigt, wie dieser Erfolg anschließend auch im Einzelhandel ausgespielt werden kann, wo es Starbucks-Kaffeebohnen im Supermarkt zu kaufen gibt.

Mit dem geplanten Zusammenschluss zwischen Coca-Cola und Costa bleiben nicht mehr viele große Übernahmekandidaten übrig. Als heißer Kandidat wird das italienische Familienunternehmen Illycaffe gehandelt, das zuletzt auch die Präsenz von Cafés ausgebaut hat. Sowohl Nestlé als auch JAB sollen sich für den italienischen Edelkaffee interessiert haben. Doch der Präsident Andrea Illy hat erst vor zwei Wochen klargestellt, dass es keine Pläne gibt, sich mit einem der beiden zusammenzuschließen.

Zu Coca-Cola gehören heute neben Fanta und Sprite die Wässer von Apollinaris oder Vio ebenso wie die isotonischen Powerade-Getränke und Honest-Bio-Tee. Die Amerikaner leiden seit einiger Zeit darunter, dass die Verbraucher gesundheitsbewusster geworden sind und die zuckrigen Brausegetränke immer öfter im Regal stehen lassen. Deshalb investieren sie verstärkt in gesündere Getränke mit weniger Zucker. Nun auch in Kaffee.

Trotz des hohen Preises gab die Coca-Cola-Aktie am Freitag in einem allgemein schwachen Markt nur leicht nach. Der Whitbread-Aktienkurs sah hingegen aus wie nach einer Espresso-Überdosis und kletterte zwischenzeitlich um 19 Prozent.

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