Karstadt Die gebrochenen Versprechen

Der als Retter der angeschlagenen Kaufhauskette Karstadt gefeierte Investor Berggruen ist mittlerweile entzaubert. Bis 2014 müssen 2000 Mitarbeiter gehen. Schuld daran soll eine fatale Liaison mit der Gewerkschaft sein.
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Lange Nicolas Berggruen als Karstadt-Retter gefeiert. Jetzt gerät der Investor in die Kritik. Quelle: dapd

Lange Nicolas Berggruen als Karstadt-Retter gefeiert. Jetzt gerät der Investor in die Kritik.

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Mailand/Düsseldorf„Herzlich Willkommen“ stand auf einem Transparent in der Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm. Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane war gekommen, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen auch. Es sei „ein Tag der Freude“, rief sie den Karstadt-Mitarbeitern zu. Der neue Eigentümer Nicolas Berggruen versprach der Belegschaft: „Karstadt wird jetzt ein sehr aufregendes Leben haben.“

Das war am 2. September 2010. Heute ist an die Stelle der Euphorie Ernüchterung getreten. Der als Retter gefeierte Berggruen hat zentrale Versprechen nicht gehalten. Entgegen seiner Zusage werden 2000 Karstadt-Beschäftigte bis 2014 ihren Job verlieren.

Außerdem hatte Berggruen dem Karstadt-Insolvenzverwalter versichert, eine „Einlage von 65 Millionen Euro in die Gesellschaft“ zu erbringen. Das geht aus vertraulichen Unterlagen hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Doch nur wenige Tage nach der Übernahme von Karstadt ließ er sich das Darlehen zurückzahlen.

Der damalige Konkurrenz-Bieter, der italienische Warenhausbetreiber Maurizio Borletti, glaubt, dass der Wortbruch ebenso absehbar wie vermeidbar war. Schwere Vorwürfe erhebt er weniger gegen Berggruen als gegen dessen damaligen Partner: die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Sie hatte mit allen Mitteln versucht, Borlettis Einstieg zu verhindern. „Wir forderten damals mehr Flexibilität und längere Arbeitszeiten, im Gegenzug aber wollten wir auf Stellenstreichungen verzichten“, sagte der Italiener dem Handelsblatt.

Verdi jedoch habe den gesprächsbereiten Karstadt-Betriebsrat ausgebremst. „Die Gewerkschaft opferte Karstadt ihrem ideologischen Kampf.“ Längere Arbeitszeiten galten als Tabu, Flexibilität als Teufelswerk, das einmal Erreichte dürfe nicht preisgegeben werden, so die Parole der Gewerkschaftszentrale in Berlin. Verdi gilt innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes als Hochburg der Linken.

Das Ergebnis ist negativ. Wenn jetzt 2000 Stellen gestrichen würden, dann sei das auch die Schuld der Gewerkschaft, sagt der damals zu kurz gekommene Italiener. „Verdi hat Blut an den Händen“, behauptet er. Im Umfeld des Insolvenzverwalters Görg, der Berggruen im September 2010 den Zuschlag für Karstadt erteilt hatte, wird Borlettis Version bestätigt. So habe insbesondere der Finanzinvestor Triton - ein dritter Anbieter, der ebenfalls abgebügelt wurde - ein attraktives Angebot für den Konzern vorgelegt.

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15 Kommentare zu "Karstadt: Die gebrochenen Versprechen"

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  • Die Vergriechung Deutschlands schreitet munter voran.
    Machtbesessene und ideologisch blockierte Gewerkschaftsbonzen zerstören Unternehmen oder verhindern deren Sanierung.
    Diese Gewerkschafter arbeiten nicht mehr für die Arbeitnehmer, sondern für sich.

  • Na hoffentlich kauft der VERDI Chef auch ordentlich bei KARSTADT ein; oder geht er etwa doch eher in die Maßanzugsabteilung bei P&C?

    Im übrigen finde ich die Online-Shopbetrachtung speziell bei KARSTADT zu übergewichtig; an der Ihrer Stelle würde ich das Geld lieber in die Buden investieren.

    Vielleicht hat KARSTADT bei den Übernahmegesprächen noch etwas "schicker" ausgesehen als sich im nachhinein herausstellte. Da ist wie ein Businessplan erstellen; alle wollen Pläne...aber eigentlich können auch alle in die Glaskugel schauen; ist dasselbe. Völlig idiotisch.

    Wenn die Gewerkschaften so schlau, clever, geschäftserfahren und sowieso die geilsten Gutmenschen sind: ja warum gab es damals nicht eine GmbH & Co.KG mit VERDI als Kommanditistin?

    Für 1Euro Zahlbetrag sollte das doch dringewesen sein.

  • Klasse, Sie sind der Ursachen wenigstens mal gründlich nachgegangen!
    Wenn ich sehe, wieviele Deutsche in Maasmechelen oder Roermond, dicht hinter der deutschen Grenze an 362 Tagen im Jahr, wegen klangvoller Markennamen hemmundlos shoppen, dann frag ich mich schon, was setzen dem die Manager von Karstadt eigentlich in den Warenhäusern dagegen?

  • Verdi ist so flexibel wie ein Brett!
    Man muß in Schielage geratenen Unternehmen helfen und nicht nur stur etwas fordern!
    Kompromisse sind schließlich für alle Beteiligten schmerzhaft, aber schließlich dient soetwas auch der Sache!

  • Es geht doch nicht nur um Herrn Berggruen.
    Warum schafft es Karstadt nicht sich zu stabilisieren? Keiner der Manager hat wirklich einen Plan. Immer wieder neue Leute wollen ihre tollen Ideen umsetzen, strukturieren, planen, sparen. Wen kümmert das Produkt?
    Unruhe ist vorgrammiert und am Ende hat die kleine Verkäuferin das Nachsehen. Dann kommt wieder ein neuer Chef, das Spiel geht von vorne los. Für die Mitarbeiter eine Farce. Der Betriebsrat scheint keine große Hilfe und kann wohl auch nur mehr oder weniger hilflos zusehen. Die kommen erst ins Spiel, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, vorher scheinen sie von Entscheidungen ziemlich weit entfernt.
    Leider hat Karstadt immer noch das gleiche Sortiment wie alle anderen auch. Wie soll man damit Geld verdienen? Die Eigenmarken verschwinden und es gibt die Marken, mit denen alle Geschäfte machen wollen (Esprit, Gerry Weber, S´Oliver - um mal von der Bekleidung zu sprechen). Also kann man das, was Karstadt anbietet, an jeder Ecke finden. Warum also zu Karstadt - shopping Erlebnis? Naja!
    Neue Marken, ausländische Marken, Alternativen würden neugierig machen und den angestaubten Charakter verändern. Aber nein es birgt ja Risiko - da bleiben sie lieber auf ihrem alten Kram sitzen.
    Der Internetauftritt ist altbacken und lädt nicht zum stöbern ein. Die eigenen Marken werden nicht erwähnt, warum? Ist das Sortiment so schlecht?
    Da kann man ewig weiter schreiben......

  • Richtige Geschäftsmänner haben Ehre, diesem da traue ich alles zu außer Ehre und Verantwortungsbewusstsein vs. Anderen.

  • es soll mehr als ein Unternehmen geben, in denen der Betriebsrat sämtlichen nicht betriebszugehörigen Gewerkschaftsvertretern Hausverbot erteilt hat. War das weise Voraussicht?


  • hallo Spielball.
    bei Ihnen klemmen einige Tasten auf dem Keyboard. Irgendwann mal Zuckerwasser drübergegossen?


  • Zwei der Lichtgestalten der deutschen Volkswirtschaft: Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen; wenigstens hat von deren Köpfen der Friseur noch etwas (soweit sie tatsächlich bezahlen). Zu mehr reicht es offensichtlich nicht.

  • Knallharter Geschäftsmann

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