Karstadt-Käufer „Ein Scheitern kann sich Berggruen nicht leisten“

Das Amtsgericht Essen hat am Freitagmittag die Karstadt-Übernahme durch Nicolas Berggruen bestätigt. Zum 1. Oktober wird die Warenhauskette aus der Insolvenz kommen. Nun versucht der Investor, es bei Karstadt besser zu machen als viele vor ihm. Handelsexperte Thomas Roeb prophezeit, dass Warenhäuser auch künftig zu kämpfen haben werden. Doch Berggruen ist laut ihm zum Erfolg verdammt.
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Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg attestiert dem Karstadt-Management "einen Plan, mit dem man etwas anfangen kann". Quelle: Norbert SchmidtRoeb

Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg attestiert dem Karstadt-Management "einen Plan, mit dem man etwas anfangen kann".

Handelsblatt Online: Mit welchen Chancen wird Karstadt nun nach fast anderthalb Jahren die Insolvenz verlassen?

Thomas Roeb: Ich hielt ein Zusammengehen mit Kaufhof lange Zeit für die einzige Lösung. Aber das Karstadt-Management um Thomas Fox hat tatsächlich einen Plan, mit dem man etwas anfangen kann. Selbst mit den aktuellen Mietzahlungen machen Sie offenbar operativ keinen Verlust. Außerdem hat sich der Konzern von Quelle getrennt. Das war der Mühlstein um den Hals. Mit der geeigneten Führung, die Karstadt jetzt scheinbar hat, halte ich die Kette mittelfristig für überlebensfähig. Sie kann auch in 20 Jahren noch am Markt sein, wenn auch vielleicht mit einigen Häusern weniger als heute.

Ist das Image durch die lange Hängepartie nicht beschädigt?

Es wäre natürlich besser gewesen, das ganze Theater hätte sich nicht abgespielt. Die Kunden hat es aber kaum berührt, wie die positive Umsatzentwicklung zeigt.

Was kann Nicolas Berggruen besser als die für Karstadt-Verantwortlichen, die in den vergangenen zehn Jahren der Reihe nach versagt haben?

Berggruen kann als Manager eines Warenhauses nichts besser. Aber als Eigentümer ist er besser als die überforderte Madeleine Schickedanz. Berggruen ist ein Mann, der weiß, worauf er achten muss. Er kennt seine Kompetenzgrenzen und weiß, wo er Spezialisten braucht und wo er sie findet. Das aktuelle Management macht seine Sache jedenfalls besser als die vorherigen Karstadt-Lenker.

Die Rezepte klingen aber nicht neu: Die Marke Karstadt soll verjüngt werden, die Warenhäuser sollen mehr Kauferlebnis bieten und höherpreisig werden. Überzeugt Sie das?

Die grundsätzlichen Optionen für Warenhäuser sind beschränkt und allgemein bekannt. Entscheidend sind die Details und vor allem die Umsetzung. Hier vor allem ist Karstadt-Chef Thomas Middelhoff gescheitert.

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