Karstadt-Teilverkauf Verdi wirft Berggruen Wortbruch vor

Die Gewerkschaft Verdi sieht im Verkauf der Karstadt-Luxushäuser und Sport-Filialen eine Zerschlagung des Unternehmens. Handelsexperten sehen in dem Teilverkauf aber die letzte Chance für Karstadt.
Update: 17.09.2013 - 15:55 Uhr Kommentieren
Der US-Investor Nicolas Berggruen trennt sich von der Mehrheit der Luxus- und Sport-Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Darunter ist auch das Berliner KadeWe. Der Karstadt-Vermieter Signa übernimmt je 75,1 Prozent Häuser. Quelle: dpa

Der US-Investor Nicolas Berggruen trennt sich von der Mehrheit der Luxus- und Sport-Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Darunter ist auch das Berliner KadeWe. Der Karstadt-Vermieter Signa übernimmt je 75,1 Prozent Häuser.

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DüsseldorfDer überraschende Teilverkauf des Warenhauskonzerns Karstadt an die österreichische Signa-Gruppe sorgt für Alarmstimmung bei den Beschäftigten. „Diese Übertragung bedeutet faktisch die Zerschlagung des Unternehmens“, sagte der Karstadt-Aufsichtsrat und Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi, Arno Peukes, am Dienstag. Investor Nicolas Berggruen habe sein Wort gebrochen, Karstadt als Ganzes zu erhalten. Handelsexperten begrüßten dagegen den Schritt.

Peukes kritisierte, bisher fehle noch jede Transparenz, was die neuen Pläne für das Unternehmen und die Mitarbeiter bedeute und ob dadurch Arbeitsplätze in Gefahr seien. Ziel von Verdi sei es deshalb nun, bei den anstehenden Tarifgesprächen einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag durchzusetzen. Die Beschäftigten bei Karstadt lebten jetzt seit zehn Jahren in ständiger Unsicherheit, klagte Peukes. „Das Wesentliche ist jetzt, dass die klare Botschaft kommt: Eure Arbeitsplätze bleiben erhalten“, verlangte er.

Bei Handelsexperten stieß der überraschende Coup Berggruens dagegen auf Zustimmung. Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sagte, er sehe in dem Teilverkauf der Luxuskaufhäuser und der Sporthäuser sogar die „letzte Chance für Karstadt“. Die nun angekündigten Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro halte er für „das Minimum, was man braucht, um die Warenhäuser wieder auf die Spur zu bringen“. Allerdings sei ungewiss, ob der Betrag wirklich ausreiche.

Auch der Handelsexperte Manfred Hunkemöller vom Kölner Institut für Handelsforschung sprach von einer „sinnvollen Maßnahme“, wenn das Geld in die verbleibenden Karstadt-Häuser investiert werde. Jörg Funder von der Fachhochschule Worms sprach im Westdeutschen Rundfunk von einem „schlauen Deal“. Die Warenhäuser bekämen dadurch die Möglichkeit, sich neu auszurichten. Doch gebe es bei dem Geschäft „noch sehr viel mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen“.

Karstadt-Eigentümer Berggruen hatte am Montag überraschend mitgeteilt, dass er die Mehrheit an zwei Filetstücken des Essener Konzerns an die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilieninvestors René Benko verkaufen wolle. Der Österreicher hält damit künftig 75,1 Prozent der Anteile an den drei Karstadt-Edelkaufhäusern - KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg - und an den 28 Sporthäusern des Konzerns. Allerdings müssen die Wettbewerbshüter noch zustimmen. Beim Bundeskartellamt war am Dienstagvormittag noch keine Anmeldung des Verkaufs eingegangen. Signa ist schon heute der mit Abstand größte Vermieter von Karstadt-Immobilien.

Es fließe kein Kaufpreis an Berggruen Holdings, teilte das Unternehmen des Deutsch-Amerikaners gleichzeitig mit. Stattdessen würden im Rahmen der Transaktion 300 Millionen Euro in die Standorte und die Modernisierung von Karstadt investiert.

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