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René Benko

Wieder einmal hat es der 41-jährige Innsbrucker geschafft, mit seiner Lautlos-Methode die Branche zu überraschen.

(Foto: picture alliance / HANS KLAUS TE)

Karstadt und Kaufhof Wie René Benko zu Europas Kaufhaus-König wurde

Der Tiroler Immobilien-Tycoon hat Kaufhof im dritten Anlauf geschluckt. Mit dem Deal steigt Benko zum größten Warenhausbetreiber Europas auf.
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WienRené Benko ist fast am Ziel seiner Träume. Bereits in der kommenden Woche soll die Fusion von Karstadt und Kaufhof besiegelt werden. Damit steigt der Tiroler Immobilien-Tycoon zum größten Warenhausbetreiber in Europa auf. Die Banken haben mit der Umschuldung der Verbindlichkeiten der Kaufhof-Warenhäuser die Voraussetzungen dafür geschaffen.

Benkos Holding Signa, Eigentümer von Karstadt, hat sich mit Hudson Bay’s Company, dem glücklosen kanadischen Eigentümer von Kaufhof, geeinigt. Nach der Fusion hat der von Wien aus agierende Milliardär das Sagen.

Denn Signa soll 50,1 Prozent der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen halten. Benko hatte seit dem Einstieg bei Karstadt ein klares Ziel: einen deutschen Warenhauskonzern zu schaffen. Schon vor drei Jahren wollte er sich Kaufhof einverleiben.

Wieder einmal hat es der 41-jährige Innsbrucker geschafft, mit seiner Lautlos-Methode die Branche zu überraschen. Erst als die Banken involviert waren, drangen die ersten Informationen nach außen. Benkos Signa hingegen ist eine kommunikative Festung.

Seine Mitarbeiter, inklusive des smarten und gut vernetzten CEOs Christoph Stadlhuber, sind auf ihn in absoluter Loyalität eingeschworen. Die überschaubare Signa Holding, die in einem luxuriösen Stadtpalast im Herzen Wiens residiert, ist eine verschworene Gemeinschaft, die sich abschottet. Kein Wort zu viel dringt nach außen.

Bewährungsstrafe ist dunkler Fleck auf Benkos Weste

Nur selten tritt der neue Warenhauskönig von Deutschland öffentlich auf. Dabei versucht er, sich als seriöser Unternehmer zu inszenieren. Das ist nicht leicht. Denn der Tiroler ist kein großer Redner. Wie auch? Bereits mit 17 Jahren hatte er die Schule abgebrochen, um staubige Dachböden zu Luxuswohnungen auszubauen und mit Gewinn zu verkaufen.

Eine Bewährungsstrafe aus dem Jahr 2013 ist der dunkle Fleck auf seiner bislang weißen Weste. Benko soll über seinen Steuerberater, Michael Passer, versucht haben, ein Steuerverfahren gegen Signa in Italien zu seinen Gunsten beeinflusst zu haben. Doch in Österreich ist man nicht nachtragend.

Für viele in der Branche ist es nicht mehr als ein Kavaliersdelikt und damit vergessen. Geschadet hat es seinen Geschäften ohnehin nicht. Im Gegenteil, auf der Liste der reichsten Österreicher schraubt sich der Sohn eines Gemeindebediensteten und einer Erzieherin immer weiter nach oben. Mittlerweile belegt er nach Angaben des österreichischen Wirtschaftsmagazins „Trend“ mit einem Vermögen von 3,18 Milliarden Euro bereits Platz acht.

Benko pflegt seinen Nimbus als Selfmademan und Krösus zugleich. Alles, was der Immobilienunternehmer anfasst, scheint zu Gold zu werden. Daher fließt ihm das Geld von Investoren quasi automatisch zu. „Sein Problem ist nicht die Liquidität, sondern der Mangel an Grundstücken, um die Projekte zu bauen“, sagt ein Insider in Wien.

Zu seinem Erfolgsimage gehört auch, den eigenen Luxus zur Schau zu stellen. Der in zweiter Ehe verheiratete Unternehmer verfügt im österreichischen Nobelskiort Lech über das luxuriöseste Chalet im Land und eine extravagante Villa am Gardasee. Im Privatjet und Helikopter ist er unterwegs. Hauptsache schnell. Auf Jachten im Mittelmeer entspannt er sich.

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Politisch ist Benko bestens verdrahtet. Auf die Unterstützung von Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kann sich Benko verlassen, etwa bei der Übernahme der österreichischen Möbelkette Kika Leiner im Juni mit 6500 Mitarbeitern und 100 Immobilien.

Zu seinen Freunden und Investoren gehören der österreichische Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ), der Unternehmensberater Roland Berger, der Strabag-Gründer Hans Peter Haselsteiner, der Airline-Betreiber Niki Lauda oder die rechtspopulistische Ex-Vizekanzlerin und Chefin der Bausparkasse Wüstenrot in Österreich, Susanne Riess.

Innerhalb weniger Jahre hat er ein Immobilienimperium der Luxusklasse geschaffen. Über seine Signa Holding, an dem seine in Innsbruck ansässige Familie-Benko-Privatstiftung maßgeblich beteiligt ist, hat er ein Portfolio an Einkaufszentren und Bürogebäuden gesammelt, das in Mitteleuropa seinesgleichen sucht.

Pompöse Selbstdarstellung sorgt für Neid

Berühmte Architekten wie David Chipperfield loben den Österreicher über den grünen Klee. „René ist ein außergewöhnlicher Investor. Er ist sehr leidenschaftlich und engagiert“, sagte der Brite zuletzt dem Handelsblatt. „Wir arbeiten gern mit Investoren, die bereit sind, sich mit einem Projekt zu identifizieren. René ist so jemand.“ Der Stararchitekt baut für Benko in Hamburg den 233 Meter hohen Elbtower.

Signa teilt sich heute in zwei Teile: Signa Real Estate mit Immobilien im Wert von zwölf Milliarden Euro und Signa Retail für die Handelsgeschäfte mit einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro.

Benkos pompöse Selbstdarstellung und sein außergewöhnlicher Erfolg rufen in der Alpenrepublik viele Neider hervor. Das ist dem Unternehmer, der im Winter mit Pelz-besetztem Kaschmirmantel durch die von ihm geschaffene Wiener Luxusmeile Goldenes Quartier flaniert, durchaus bewusst.

„In Österreich ist Neid und Missgunst etwas ausgeprägter als in anderen europäischen Ländern“, sagte Benko bei einem Business-Lunch mit Johann Strobl, dem mächtigen Chef der auf Osteuropa spezialisierten Raiffeisen Bank International.

Auf die Sanierung von Karstadt kann Benko stolz sein. Denn die Skepsis in der Handelsbranche war gewaltig, als der Österreicher die Warenhauskette und ihre drei Edelkaufhäuser in Berlin, Hamburg und München 2014 übernahm. Sein Vertrauter, der 54-jährige Karstadt-Chef und promovierte Betriebswirt Stephan Fanderl, schloss unprofitable Warenhäuser. Mehr als 2000 Mitarbeiter mussten das Unternehmen verlassen.

Mittlerweile ist Karstadt saniert. Der Warenhauskonzern verzeichnete erstmals seit der spektakulären Insolvenz vor zwölf Jahren einen Gewinn – wenn auch einen winzigen. 1,4 Millionen Euro standen zuletzt unter dem Strich. Benko hat das Wunder vollbracht, das Thomas Middelhoff, einst Chef des Karstadt-Konzerns Arcandor, nie gelang.

Ein Geheimnis des Erfolgs: Benko vermietet Flächen an anderen Händler wie Edeka, Aldi und Apollo. Sie betreiben in den Karstadt-Häusern ihre Läden auf eigene Rechnung und zahlen eine gute Miete für Lage und Kundenfrequenz.

Benkos Spitzenmann für Karstadt, Fanderl, digitalisiert nun das Geschäft, um es mit Amazon, Zalando und Co. aufnehmen zu können. „Wir sind entschlossen, Karstadt zu einem der stärksten, über alle Vertriebskanäle vernetzten Händler in Deutschland zu entwickeln“, sagte er zuletzt. Nach Unternehmensangaben soll bereits im Geschäftsjahr 2019/20 der Anteil der Geschäfte im Internet zehn Prozent betragen.

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