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Kartellentscheid Kaufland darf 92 Real-Märkte übernehmen

Die Kartellhüter genehmigen den Verkauf der Warenhaus-Standorte an den Discounter der Schwarz-Gruppe. Auch Konkurrent Globus kommt zum Zug.
22.12.2020 Update: 22.12.2020 - 13:56 Uhr Kommentieren
Die Standorte gehen überwiegend an Kaufland, aber auch die Kette Globus und mittelständische Händler bekommen Märkte. Quelle: dpa
Markt der Kette Real

Die Standorte gehen überwiegend an Kaufland, aber auch die Kette Globus und mittelständische Händler bekommen Märkte.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Kurz vor Jahresschluss hat das Bundeskartellamt den Weg für den Verkauf der kriselnden Warenhauskette Real frei gemacht. Der Plan ist, das Unternehmen zu zerschlagen. Einer der Käufer, der Großflächen-Discounter Kaufland, hat am Dienstag die Zusage für die Übernahme von bis zu 92 Real-Märkten erhalten. Ein anderer Käufer, die Supermarktkette Globus, hat die Freigabe für den Erwerb von bis zu 24 Real-Standorten bekommen, wie die Wettbewerbsbehörde mitteilte.

Damit beginnt ein neues Kapitel in der glücklosen Geschichte der Warenhauskette. Der russische Real-Eigentümer SCP hatte das angeschlagene Unternehmen mit seinen rund 270 Märkten von der Metro im Frühjahr erworben, um sie zu zerschlagen und weiterzuverkaufen. Rund 50 Warenhäuser will SCP unter dem Namen Real zwei Jahre weiterbetreiben, etwa 30 sollen geschlossen werden.

Neben Kaufland und Globus hat auch Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka beim Bundeskartellamt die Übernahme von bis zu 72 Real-Filialen angemeldet. Doch steht hier die Entscheidung der Behörde noch aus. Die Frist für eine Entscheidung wurde erst kürzlich bis zum 22. Februar verlängert.

In Deutschland entfallen mehr als 85 Prozent der Umsätze im Lebensmittelhandel auf die vier führenden Handelsketten Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe. Das Bundeskartellamt ist bei Übernahmen in diesem Bereich daher besonders wachsam. Denn mit dem Verkauf und der Zerschlagung der Real-Warenhäuser nimmt die Konsolidierung im deutschen Lebensmitteleinzelhandel Fahrt auf – und die Marktführer bauen ihren Abstand zu kleineren Unternehmen, zu denen auch der Käufer Globus gehört, weiter aus.

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Standort erkennen

    Wettbewerber Rewe geht dagegen leer aus. Das Unternehmen hatte sich nicht öffentlich geäußert, ob und in welchem Umfang es Real-Standorte übernehmen möchte. Die „Lebensmittelzeitung“ hatte im Herbst berichtet, dass Rewe an 18 Märkten Interesse angemeldet habe. Nun sieht es so aus, als ob die Schwarz-Gruppe mit den zusätzlichen Real-Standorten Rewe als die bisher unangefochtene Nummer zwei überholen könnte.

    Größte Übernahme der Firmengeschichte

    Für Kaufland ist es die bisher größte Übernahme der Firmengeschichte. Das Unternehmen betreibt bisher bundesweit 670 SB-Warenhäuser und gehört wie Lidl zur Schwarz-Gruppe, dem größten Lebensmitteleinzelhändler Europas. Ursprünglich hatte Kaufland bis zu 101 Real-Filialen übernehmen wollen. Doch die Kartellwächter haben die Übernahme von neun Märkten nicht genehmigt.

    „Wir wollen für die Verbraucherinnen und Verbraucher dort, wo sie einkaufen, genügend Auswahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Lebensmittelhändlern erhalten. Deswegen erlauben wir Kaufland anstatt der 101 angemeldeten nur die Übernahme von bis zu 92 Real-Standorte“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

    „In den betroffenen regionalen Märkten wären sonst die Ausweichmöglichkeiten und der Wettbewerb zu stark beeinträchtigt worden.“ Das Amt hatte anhand von Payback-Daten ermittelt, aus welchem Gebiet 90 Prozent aller Kunden des jeweiligen Real-Standorts kommen.

    Die Übernahme von bis zu 24 Real-Standorten durch die saarländische Supermarktkette Globus ist dagegen nach Einschätzung der Wettbewerbshüter unproblematisch. Das Unternehmen war im vergangenen September in den Verkaufspoker eingestiegen.

    Das Unternehmen kommt mit 47 SB-Warenhäusern in ihrem Heimatbundesland sowie in Rheinland-Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und in Ostdeutschland auf einen Umsatz von zuletzt 4,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Edeka kam auf 55,7 Milliarden Euro und Rewe mit seinen deutschen Supermärkten auf 24,5 Milliarden Euro.

    Im Vorfeld der Entscheidung hatte Globus ein zunehmendes Ungleichgewicht in der Branche moniert. Der Verkauf und das Verschwinden der Real-Warenhäuser habe enorme Bedeutung für den Lebensmitteleinzelhandel, hieß es bei Globus. „Die Märkte fast ausschließlich Edeka und Kaufland zuzuschlagen würde die Marktmacht dieser Ketten auf dem Angebots- und Beschaffungsmarkt weiter stärken und damit die Handelsvielfalt in Deutschland bedrohen“, kritisierte eine Firmensprecherin.

    Beschaffungsanteil von Real liegt bei fünf Prozent

    Das Bundeskartellamt hat nicht nur die Auswirkungen der Übernahmen auf die Verbraucher geprüft, sondern auch die Effekte auf der Beschaffungsseite, wo sich die Händler und ihre Lieferanten gegenüberstehen. Der gesamte Beschaffungsanteil von Real lag allerdings bei unter fünf Prozent.

    Real war bislang Teil der mittelständischen Einkaufskooperation RTG, die durch das Ausscheiden von Real aus dem Markt geschwächt wurde. Globus ist seit vergangenem August Mitglied der RTG und bringt so sein Beschaffungsvolumen auch in die Einkaufskooperation ein.

    Die Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl baue durch die Übernahmen zwar ihre starke Marktposition beim Einkauf weiter aus, räumte Mundt ein. Die Freigabe sei aber dennoch möglich gewesen, weil sich Real-Eigentümer SCP im Gegenzug verpflichtet habe, eine nennenswerte Zahl von Real-Standorten an mittelständische Lebensmittelhändler zu veräußern.

    Damit gebe es weiterhin eine wichtige Absatzalternative für die Hersteller und Lieferanten von Lebensmitteln in Deutschland. „Nach dem Verlauf des Veräußerungsprozesses war nicht davon auszugehen, dass mittelständische Händler ohne die Einflussnahme des Bundeskartellamtes überhaupt Standorte hätten erwerben können“, betonte Mundt.

    Nun geht es in die nächste Phase. Kaufland will die Real-Märkte ab dem ersten Quartal kommenden Jahres Schritt für Schritt übernehmen. „In den kommenden Monaten werden wir die Märkte integrieren und als regionale Nahversorger für die Kunden erhalten“, sagte der Chef von Kaufland Deutschland, Ralf Imhof. Bis zu 12.000 Beschäftigte erhielten damit eine neue berufliche Perspektive.

    Mehr: Die Coronakrise legt offen, wie der Handel Innovationen verschlafen hat.

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