1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel + Konsumgüter
  4. Adidas: Investoren fordern schnelle Nachfolge für CEO Kasper Rorsted

Kasper Rorsted„Die Luft wurde zuletzt immer dünner“ – Adidas-Investoren drängen auf schnelle Nachfolge

Kritik an Performance und Strategie hatte zur Entfremdung zwischen Kasper Rorsted und Aufsichtsrat geführt. Investoren pochen nun auf einen raschen Wechsel.Axel Höpner 23.08.2022 - 14:20 Uhr Artikel anhören

Zuletzt hatte es vermehrt Kritik an dem Adidas-Chef gegeben.

Foto: AP

München. Nach der Ankündigung des vorzeitigen Abgangs von Adidas-Chef Kasper Rorsted fordern Investoren eine rasche Nachfolgeregelung. „Wenn so eine Entscheidung getroffen wurde, muss man sie möglichst schnell umsetzen“, sagte Ingo Speich von Deka Investment dem Handelsblatt. Sonst vergrößere sich nur die Unsicherheit im Unternehmen.

Adidas hatte am Montag verkündet, dass Rorsted 2023 vorzeitig geht. Es sei „der richtige Zeitpunkt, einen Wechsel auf der Position des Vorstandsvorsitzenden einzuleiten, um dem Unternehmen einen Neustart zu ermöglichen“, sagte Aufsichtsratschef Thomas Rabe. Rorsteds Vertrag war erst vor zwei Jahren bis 2026 verlängert worden.

Ein Vorstandsvorsitzender, von dem jeder wisse, dass er im kommenden Jahr gehe, habe nicht mehr die volle Rückendeckung der Eigentümer und damit nicht mehr die nötige Autorität, kritisierte Speich, der bei der Deka die Themen Corporate Governance und Nachhaltigkeit leitet. „Das ist dann das Klischee von der Lame Duck.“

Auch Daniela Bergdolt, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sagte: „Es sollte möglichst schnell eine Nachfolgelösung gefunden werden.“ Es könne dann einen gleitenden Übergang mit Rorsted geben, doch müsse bald ein Name präsentiert werden. Die Trennung sei der richtige Schritt. „Die Kritik war zu groß geworden. Auch ich habe Defizite gesehen.“

Die Nachfolgesuche hat bereits begonnen. Laut Insidern sieht sich der Aufsichtsrat sowohl intern als auch extern um. Es habe eine zunehmende Entfremdung gegeben.

„Die Luft für Rorsted wurde zuletzt immer dünner“, sagte Speich. Vor allem die Tatsache, dass westliche Konkurrenten wie Nike und Puma sich in China besser geschlagen hätten, habe die Position geschwächt. Dennoch komme die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt überraschend, noch bei Vorlage der Quartalszahlen Anfang August habe man vor den Investoren Optimismus demonstriert.

Adidas habe ein Innovationsproblem, kritisierte Speich. „Der Anteil neuer Produkte am Umsatz ist in den letzten Jahren sukzessive gesunken.“ Rorsted sei ein zahlengetriebener Vorstandschef, aber keiner, der die Mitarbeiter für die Marke emotional mitreiße. Die entscheidende Frage sei, ob die kreativen Köpfe noch im Konzern seien und nur wieder animiert werden müssten oder ob zu viele Adidas verlassen hätten und nun wieder eingekauft werden müssten.

Auch Klaus Jost, Branchenkenner und ehemaliger Präsident des Sporthändlerverbunds Intersport International, sagt: „Die interne Stimmung der Adidas-Mannschaft war zuletzt sehr negativ angespannt.“ Ein Nachfolger müsse nun rasch dafür sorgen, dass alle Führungskräfte wieder an einem Strang ziehen und an den Erfolg glauben könnten. „Für Adidas ist das ein Befreiungsschlag.“

Überraschend sei, so Jost, dass der Aufsichtsrat nicht gleich einen Nachfolger präsentiere, sondern es zu einer Hängepartie komme. „So etwas kann man besser vorbereiten.“

Nike und Puma präsentierten sich besser als Adidas

Ein ehemaliger Adidas-Manager sagt, der Konzern sei noch immer sehr maskulin geprägt und habe bei weiblichen Kunden Schwächen. Die Ausrichtung der Kollektion sei in den vergangenen Jahren bei Nike und Puma durchdachter gewesen, dieser Eindruck sei wohl auch im Aufsichtsrat entstanden.

Rorsted hatte vor wenigen Wochen die Jahresprognosen kassiert. Verantwortlich dafür machte er vor allem die neuen Corona-Lockdowns. Doch im Gespräch mit dem Handelsblatt räumte er auch ein: „Natürlich haben wir Fehler in China gemacht.“ Der Konzern habe die Bedürfnisse der Kunden in dem Land nicht gut genug verstanden und so den Raum für lokale Konkurrenten geöffnet.

Investoren hatten zudem die schwache Performance kritisiert. Seit Rorsteds Amtsantritt 2016 liege die jährliche Rendite für die Investoren inklusive Dividende bei etwa fünf Prozent, sagte Thomas Jökel, Fondsmanager von Union Investment. „Diese Zahl ist enttäuschend.“

Bei Nike sei die Perfomance – Kursgewinne plus Dividende – auf Euro-Basis etwa dreimal so gut. „Das ist das, was man von starken Marken in dieser Branche auch erwarten kann.“

Im Umfeld von Adidas und bei früheren Mitarbeitern wurde zudem immer wieder ein ruppiger Führungsstil Rorsteds beklagt. Kreative Köpfe wie der langjährige Markenvorstand Eric Liedtke hätten auch deshalb den Konzern verlassen.

Rorsted entgegnete im Gespräch mit dem Handelsblatt, bei Adidas sei die Fluktuation nicht höher als im Branchenschnitt. Zudem gebe es eine klare Arbeitsteilung: „Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Freiraum und genug Geld vorhanden ist. Ich habe mich nie in den kreativen Prozess eingemischt oder die Entwicklung eines Schuhs beeinflusst.“

In Unternehmenskreisen wurde darauf verwiesen, dass die vergangenen Jahre im permanenten Krisenmodus auch Rorsted persönlich Kraft gekostet hätten. Womöglich habe sich der Vorstandschef das angesichts der wachsenden Kritik nicht mehr antun wollen.

Verwandte Themen
Adidas
Kasper Rorsted
Nike
Puma SE
China
Aufsichtsräte

Der Nachfolger müsse ein Markenspezialist sein, der nah an den kreativen Prozessen sei, forderte Speich von der Deka. „Rorsted wurde geholt, um die Profitabilität zu steigern. Seine Kerndisziplin ist nicht, eine Marke zu pflegen.“

Leicht wird die Suche nach einem neuen Vorstandschef nicht. Doch werde man sicher einen neuen, starken Topmanager finden, ist Branchenexperte Jost überzeugt. „Das ist ja ein Traumjob.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt