Kaufhaus-König Borletti Printemps als Vorzeigemodell

Maurizio Borletti glaubt an die Zukunft des Kaufhauses. Nicht umsonst ist der 43-jährige Unternehmer Präsident des erfolgreichen Pariser Nobelwarenhauses Printemps. Sollte Karstadt Häuser verkaufen, wäre er interessiert.
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Printemps am Pariser Boulevard Haussmann: Gern hätte Maurizio Borletti, Präsident und Co-Aktionär des Kaufhauses, sein Konzept in Deutschland getestet. Quelle: Bertrand Gardel/hemis.fr/laif

Printemps am Pariser Boulevard Haussmann: Gern hätte Maurizio Borletti, Präsident und Co-Aktionär des Kaufhauses, sein Konzept in Deutschland getestet.

PARIS. Morgens um neun, kurz vor dem Kundenansturm, herrscht im Kaufhaus Printemps am Pariser Boulevard Haussmann Hektik. Verkäuferinnen wienern Glasvitrinen, ein Putzmann wuselt auf seinem motorisierten Wischautomat um die Stände mit Ledertaschen.

Maurizio Borletti eilt durch das Erdgeschoss seines Kaufhauses. „Hier, stellen Sie sich vor, in der Mitte waren Fahrstuhlschächte, sie versperrten die ganze Sicht“, sagt der Präsident und Co-Aktionär von Printemps. „Also haben wir die Fahrstühle in die Ecke verlegt, die Kunden müssen sehen können, was es alles gibt.“ Nun dominieren Luxus-Shops von Dior und Louis Vuitton das Erdgeschoss; im Souterrain gibt es weniger bekannte Mode-Marken. „Wir wollen eine breite Produkt- und Preis-Spanne bieten und nicht elitär werden“, erklärt Borletti.

Gerne hätte der 43-jährige Unternehmer und Kaufhaus-König, der in Paris wohnt, sein Konzept in Deutschland ausprobiert. Aber der Insolvenzverwalter von Karstadt, Klaus Hubert Görg, hatte Borlettis Last-Minute-Offerte nicht berücksichtigt. Der Investor Nicolas Berggruen machte das Rennen.

Das wurmt Borletti, denn der Italiener glaubt an den deutschen Markt: „Ich bin davon überzeugt, dass Kaufhäuser in Deutschland ihren Platz haben.“ Daher verfolgt er mit großer Aufmerksamkeit, was der neue Karstadt-Eigner Berggruen nun so vorhat. „Sollte er Kaufhäuser verkaufen wollen, so könnten wir daran interessiert sein.“

Denn: Borletti glaubt zu wissen, wie man in Zeiten des Internets und der Spezialketten mit Kaufhäusern Geld macht. Das zeige sein Erfolg bei Printemps.

Nachdem er 2005 die italienische Kette La Rinascente mit Finanzpartnern übernommen hatte, kaufte er ein Jahr darauf mit der Deutschen Bank für 1,1 Mrd. Euro die 17 Häuser der berühmten Kette „Printemps“. 200 Mio. Euro steckten die neuen Eigner in die Renovierung, 100 Mio. Euro kostete allein die Umgestaltung des Printemps Haussmann.

Zum Vergleich: Nach den bisher bekannten Plänen will der neue Karstadt-Eigner Berggruen 65 Mio. Euro in die Kaufhaus-Kette stecken. Der ehemalige Karstadt-Geschäftsführer Peter Wolf dagegen meint, dass es mindestens 400 Mio. Euro sein müssten.

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