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Kaufhof und Karstadt Diese Hürden liegen auf dem Weg zur Warenhaus AG

Eine mögliche Zusammenführung von Karstadt und Kaufhof steht vor großen Herausforderungen. Auch die Wettbewerbsbehörden melden Einwände.
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Lange war eine Zusammenarbeit undenkbar, jetzt wollen die beiden Kaufhäuser verhandeln. Quelle: dpa
Karstadt und Kaufhof

Lange war eine Zusammenarbeit undenkbar, jetzt wollen die beiden Kaufhäuser verhandeln.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSchritt für Schritt nähern sich die beiden letzten deutschen Warenhauskonzerne einer möglichen Fusion: Kaufhof-Eigentümer Hudson‘s Bay Company (HBC) hat am Freitag erstmals konkrete Verhandlungen mit Karstadt-Eigentümer Signa bestätigt und zugleich vor übertriebenen Erwartungen gewarnt: „Es gibt keine Garantie, dass solche Verhandlungen letztendlich zu einer Transaktion führen werden“, teilte der Handelskonzern mit.

Ein möglicher Deal unterliege einer weiteren Prüfung und Analyse durch HBC, der Genehmigung durch den Verwaltungsrat sowie weiteren Bedingungen, „einschließlich sorgfältiger betriebswirtschaftlicher Prüfungen und der Zustimmung Dritter, die außerhalb der Kontrolle von HBC liegen“.

Der Traum der „Deutschen Warenhaus AG“ geistert schon seit Jahren durch die Branche, schon viele Anläufe hat es gegeben. Diesmal scheint er zum Greifen nah – doch immer noch gibt es zahlreiche Hürden.

Nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung wird es nun wirklich ernst. Die Unternehmen prüfen gegenseitig die Bilanzen, diese sogenannte „Due Diligence“ findet derzeit statt. Erst dann zeigt sich, ob die Bewertungen, von denen ausgegangen wurde, wirklich zutreffend sind. Auch die Prognose hinsichtlich der künftigen Geschäftsperspektiven wird davon abhängen.

Fusionspläne scheiterten schon einmal

Dass aus einer Absichtserklärung nicht automatisch ein Abschluss folgt, hatte sich schon 2009 gezeigt. Auch damals sprachen die frühere Kaufhof-Mutter Metro und Karstadt-Eigner Arcandor über einen Zusammenschluss und erklärten gemeinsam, dass die Bildung einer Deutschen Warenhaus AG „grundsätzlich ein vernünftiger Weg für die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland sein kann“. Doch der Plan scheiterte.

Hinzu kommt: Nicht alles liegt in der Hand der Unternehmen. Einer dieser „Dritten“, von deren Zustimmung HBC und Signa abhängig sind, ist das Bundeskartellamt. Noch ist dort keine Voranfrage für den Zusammenschluss eingegangen. Schließlich haben die Unternehmen bisher nur eine unverbindliche Absichtserklärung unterzeichnet. Doch die Wettbewerbshüter werden ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Die Durchführung eines Fusionskontrollverfahrens sei selbstverständlich, heißt es bei der Behörde.

Die Marktmacht der Unternehmen wäre beachtlich: Zusammen hätten Kaufhof und Karstadt rund 180 Häuser, mehr als 37.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro. Sieht man von regionalen Modehäusern wie Breuninger und Ludwig Beck oder Billiganbietern wie Woolworth ab, hätten die beiden großen Warenhäuser in Deutschland keine echte Konkurrenz mehr. Gerade in kleineren Städten sind sie trotz stark gesunkener Umsätze oft dominant.

Kaufhof und Karstadt – „Läuten endlich die Hochzeitsglocken?“

Formal ist zunächst die EU-Kommission für die Prüfung zuständig. Zwar kommt das Deutschland-Geschäft von Karstadt und Kaufhof mittlerweile nicht mehr über die kritische Umsatzgröße von fünf Milliarden Euro. Doch die Signa-Holding hat noch einige Onlinehändler, die zusammen auf einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro kommen. Damit dürfte die Schwelle überschritten sein. Experten gehen jedoch davon aus, dass die EU das Verfahren an die Bonner Behörde abgibt.

Entscheidend bei der Prüfung ist dann die Marktabgrenzung. Als Konkurrenz in die Beurteilung einfließen dürften nicht nur Warenhäuser, sondern auch Shoppingcenter, Fachmärkte und auch der E-Commerce. Gerade Onlinehändler wie Amazon und Zalando haben den Kaufhäusern in den vergangenen Jahren massiv Marktanteile abgenommen.

Der Teufel steckt im Detail

Andere Verfahren haben jedoch gezeigt, dass der Teufel manchmal im Detail liegt. „Das Bundeskartellamt wird auf der Absatzseite nicht den bundesweiten Marktanteil beurteilen, sondern in regionalen Märkten prüfen“, sagt Maxim Kleine, Kartellrechtler von der Kanzlei Norton Rose Fulbright in Hamburg. Dabei dürfte der Radius deutlich größer gezogen werden als bei einer Prüfung im Lebensmittelhandel, weil die Kunden der Warenhäuser auch von weiter weg anreisen.

Noch weniger Marktkonzentration lasse sich im Beschaffungsmarkt, also im Verhältnis zu den Lieferanten, feststellen, so Kleine. Sein Fazit: „Unter dem Strich sehe ich keine ernsthaften Gründe, die gegen eine Genehmigung einer Fusion sprechen.“

Die entscheidenden Hürden auf dem Weg zu einem gemeinsamen Unternehmen kämen ohnehin erst nach einer formellen Fusion. Es müssten nicht nur zwei Unternehmen mit sehr unterschiedlichen Kulturen, technischen Systemen und Geschäftskonzepten zusammengeführt werden. Es müssten Lösungen für die Zukunft gefunden werden, jedoch ist bisher noch nicht mal der Ballast der Vergangenheit abgeworfen worden. 

„Eine Fusion schafft zwar unter Umständen etwas Zeit durch vorübergehend reduzierten Wettbewerb für ein konsolidiertes Unternehmen, löst aber nicht das Grundproblem“, mahnt Olaf Rotax, Geschäftsführer der dgroup aus dem Netzwerk des Beratungsunternehmens Accenture. Das sei die geringe Flächen- und Personalproduktivität. Er hält deshalb die aktuellen Planungen für falsch, nach denen weder Fläche noch Personal deutlich reduziert werden sollen.

Das klassische Warenhaus aus der analogen Zeit habe sich überlebt. „Die treibenden Kundenbedürfnisse Auswahl und Service werden mittlerweile analog durch Shoppingcenter und digital durch Plattformen wie Amazon und Alibaba besser abgedeckt“, sagt der Experte für digitale Transformation. Stattdessen müsse ein digital neu gedachtes „Warenhauskonzept 2.0“ entwickelt werden. Dafür gebe es durchaus eine Chance – aber wohl nur noch in der Nische.

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