Keine Geldgeber Ratingagentur droht zu scheitern

Es sollte der große Wurf werden: Mit einer europäischen Ratingagentur wollte ein Mitarbeiter von Roland Berger die Branche revolutionieren. Doch es finden sich einfach zu wenige Investoren. Die Idee steht vor dem Aus.
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Die Hoffnungen auf eine europäische Ratingagentur schwinden. Quelle: dpa

Die Hoffnungen auf eine europäische Ratingagentur schwinden.

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BerlinMarkus Krall hatte sich aufgemacht, die Welt der Ratingagenturen zu verändern. Deutlich zu verändern. Der Mann von der Beraterfirma Roland Berger zog aus, um für eine europäische Variante von Standard & Poors’s Ratings Services (S&P) und Moody’s zu werben. Für diese neue Ratingagentur musste Krall Geld sammeln, 300 Millionen Euro Startkapital wären notwendig. Schon Mitte März zeigte sich, wie schwierig dieses Vorhaben ist. Krall musste den Start der Agentur verschieben, er bekam das Geld bis Ende März nicht zusammen. Als neuen Termin setzte er das dritte Quartal 2012.

Jetzt scheint klar: Dei Idee der europäischen Agentur ist gescheitert. Roland Berger gehe nicht mehr davon aus, 300 Millionen Euro Startkapital für den Aufbau des Prestigeobjektes zusammenzukriegen, berichtet die „Financial Times Deutschland“. Berger hatte vor allem auf die Unterstützung deutscher und französischer Großbanken gehofft, stieß demnach jedoch auf wenig Interesse. Auch aus der deutschen Industrie sei Gegenwind gekommen.

Bislang braucht jedes Unternehmen, jede Bank, jeder Staat, der sich von Investoren am Kapitalmarkt Geld besorgen will, ein Urteil über seine Kreditwürdigkeit. Je besser es ausfällt, desto günstiger lässt sich Geld besorgen. Ein gutes Urteil signalisiert Investoren: Hier ist dein Geld sicher. Und für solch ein Urteil wenden sich fast alle an die großen drei. Ihre Macht ist tief in Vorschriften verankert, ihre Beliebtheit bei Investoren ungebrochen.

Ratingagenturen Marktanteile

Drei Ratingagenturen teilen sich den weltweiten Markt zu 95 Prozent auf, wobei Fitch von diesen drei mit Abstand der kleinste Spieler ist.

Das von Berger-Partner Markus Krall erdachte Ratingkonzept hätte das Geschäftsmodell der Branche umgekrempelt. Anstelle der Emittenten, die Wertpapiere begeben, sollten die Investoren für Ratings bezahlen. So hätten die Agenturen keinen Anreiz mehr, sich mit übertrieben guten Noten Aufträge zu sichern. Die Berger-Pläne sahen ein Stiftungsmodell vor. Insgesamt 30 Investoren aus der Finanzbranche sollten jeweils zehn Millionen Euro beisteuern. Nach fünf bis sieben Jahren sollte sich die neue Agentur soweit etabliert haben, dass die Geldgeber aus dem Cashflow heraus ausbezahlt werden können.

Der Rating-Markt wird derzeit von den drei in den USA ansässigen Agenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch geprägt. Die Agenturen sehen sich in Europa seit längerem heftiger Kritik ausgesetzt. Ihnen wird nicht nur wegen Fehlbewertungen eine Mitschuld an der Finanzkrise gegeben. Auch ihre Rolle bei der Beurteilung der dramatischen Rettungsbemühungen und -konzepte für hoch verschuldete Euro-Länder wie Griechenland, Portugal und Irland ist umstritten. Das Urteil der Ratingagenturen prägt letztlich vielfach die Marktreaktionen auf solche Bemühungen.

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16 Kommentare zu "Keine Geldgeber: Europäische Ratingagentur vor dem Aus"

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  • Sie kennen auch die Agentur Roland Berger zu wenig, weshalb ich Ihnen zu Beginn einfach mal zwei Bücher vorschlage: "Versager im Dreiteiler | Wie Unternehmensberater die Wirtschaft ruinieren" (Rainer Steppan) und "Beraten und Verkauft | McKinsey & Co - der große Bluff der Unternehmensberater" (Thomas Leiff).

    Viel Spaß beim Klügerwerden!

  • Unehrlichkeit (auch der Ratingagenturen!) vernichtet Geld, das die Arbeitenden ehrlich erworben haben. Wenn durch falsches Rating Geld vernichtet wird, verursacht dies räuberische Kosten, die durch nochmaligen Raub dem Steuerzahler abgepresst werden - eventuell Erspartes weg! -, was den Staat noch lange nicht entlastet. Weil der Staat, der ja die (arme) Masse sein sollte (der Staat besteht nicht aus den wenigen Reichen oder gar den Politikern, wie die falscher Weise immer wieder meinen!), kein Geld mehr hat, muss der Arme zum Ausgleich gegenüber den Reichen länger arbeiten, so einfach ist das, was auch dadurch zustande kommt:

    Was ich habe, kannst du nicht haben!

    Deshalb muss auf das leistungslose Einkommen Zins ... mehr Steuer erhoben werden. Hat also doch das eine mit dem anderen zu tun! Und das hier ist nur ein kurzer Furz-Schrieb, weil man das in einem Blog nicht erklären kann, was in tausenden Büchern erlesen werden sollte.

  • Das ist einfach nur peinlich.
    Anscheinend geht es nicht ohne gesetzlichen Zwang .....

  • Die Banken in Deutschland haben doch schon eine Rating-Agentur - nämlich die Schufa. Die ratet bis jetzt nur Privatpersonen, aber man könnte die Schufa ja leicht ausbauen, daß sie auch Unternehmen und Staaten raten kann. - Wenn man wollte. Wollte man aber offensichtlich nicht.

  • Oder es soll kein "Fremder" in den (Mist)Haufen rumstochern. Besteht er doch höchst wahrscheinlich aus korrupten Verstrickungen und Vetternwirtschaft, unter einen dünnen Schicht Öffentlichkeitstäuschung.

  • Ist der Einfluß aus Übersee schon so groß, daß in Europa so wenig Interesse an einem Gegengewicht besteht? Oder verdienen einige so gut wie es jetzt ist, daß keine Änderung erwünscht ist!

  • Im Handelsblatt wurde bereits vor einiger Zeit ein weiteres, besseres Modell für den Ratingmarkt vorgestellt!
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fdp-vorschlag-mehr-wettbewerb-bei-ratings-durch-banken/4629152.html

  • Schade - ich denke schon dass die Großen Drei RatingA. ein wenig Konkurrenz aus Europa benötigen. Wenn man bedenkt, wieviel Geld an der Bewertung / Rating hängt ist das fehlende Interesse doch bemerkenswert.
    Eine Gründung / Investition durch die Politik bzw. EU Mitgliedstaaten würde ich jedoch ohne private Investoren bevorzugen, zumal die Politik sich dies ausdrücklich gewünscht hat.

  • Eine sozialististische Rating-Agentur mit Scheuklappen nach politischem Wunsch wird nicht gebraucht, Herr Berger. Sie wollen Ehrlichkeit abschaffen und mit Planwirtschaft und Gutachten auf Knopfdruck ersetzen, daraus wird nichts. Zum Glück !!

  • "Keine Geldgeber:
    Europäische Ratingagentur vor dem Aus"

    Endlich mal ne gute Nachricht. Warum denn auch Geld für teure "Ringelreihen-Rate-Spielclubs" à la Kindergarten zum Fenster rauswerfen. Lieber ein Beispiel nehmen an Prag im Jahre 1618, da war auch ein Fenster im Spiel ...

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