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Klaus-Dieter Scheurle Chef der Flugsicherung zu Verspätungen: „Mehr Lotsen lösen das Problem nicht“

Der Bundesrechnungshof macht der Flugsicherung schwere Vorwürfe. Deren Chef wehrt sich gegen die Kritik und warnt vor einer grundsätzlichen Überlastung des Luftraums.
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Der 64-Jährige warnt vor einer Banalisierung der Debatte und spricht von einer natürlichen Grenze des Luftraums. Quelle: dpa
DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle

Der 64-Jährige warnt vor einer Banalisierung der Debatte und spricht von einer natürlichen Grenze des Luftraums.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Vorwürfe sind heftig: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) habe ihre Betriebskosten nicht im Griff, moniert ein vorläufiger Bericht des Bundesrechnungshofs, aus dem das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet. Kurz vor dem zweiten Luftfahrtgipfel Ende März in Hamburg ist das eine unangenehme Kritik – für die DFS, aber auch für das Bundesverkehrsministerium als übergeordnete Behörde und Gastgeber des Gipfels.

Entsprechend zurückhaltend reagiert man im Verkehrsministerium. Es handele sich um einen Beratungsbericht, zu dem man noch Stellung beziehen werde, heißt es. Auch Klaus-Dieter Scheurle, der Chef der DFS, will sich zu den Details nicht äußern.

Dass die Situation für die DFS nicht einfach ist, daraus macht der Manager und frühere Staatssekretär allerdings keinen Hehl. „Wir haben auch 2018 mit Verlust abgeschlossen“, sagte Scheurle dem Handelsblatt. Dennoch gebe es Airlines, die bei gerade laufenden Verhandlungen der EU über die künftigen Budgets der europäischen Flugsicherungen deutliche Gebührennachlässe forderten. „Eine moderne und effiziente Infrastruktur kostet aber nun einmal Geld“, konterte Scheurle.

Seit dem von Verspätungen und Flugausfällen gezeichneten Luftfahrtjahr 2018 steht die DFS unter verschärfter Beobachtung. Viele in der Branche, allen voran Airlinemanager, machen vor allem die Flugsicherungsbehörden in Europa und nicht zuletzt die DFS und deren Lotsenmangel zu einem großen Teil für die Probleme verantwortlich. Zwar entfielen laut der Statistik der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol 48 Prozent der Verspätungen im vergangenen Jahr auf die Airlines selbst, auf die Flugsicherungen nur 20 Prozent. Doch die Fluggesellschaften verweisen darauf, dass die Gründe nicht klar abzugrenzen seien. Verspätungen bei den Airlines seien in vielen Fällen auf Probleme bei der Luftraumüberwachung zurückzuführen.

Für DFS-Chef Scheurle ist das eine müßige Debatte. Zwar bildet die eigene DFS-Akademie mit Hochdruck Nachwuchs aus, was bis zu vier Jahre dauert. „Wir haben zurzeit 221 Lotsen in der Ausbildung und 114 im Nachlauf“, sagte der DFS-Chef. Auch werde man die Ausbildungskapazität ab dem kommenden Jahr noch mal ausbauen. „Insgesamt investieren wir in den Personalaufbau 60 Millionen Euro.“

Doch Scheurle sieht ein viel grundlegenderes Problem: „Wenn das Wachstum so weitergeht, werden wir im Jahr 2025 rund 3,9 Millionen Flüge haben“, sagte er. „Ab einer Grenze von vier Millionen Flügen weiß ich nicht mehr, wie man diese im Luftraum unterbringen soll, sofern bis dahin keine strukturellen Veränderungen im Luftraum vorgenommen werden.“

Natürlich könne man immer mehr Lotsen ausbilden, aber das löse das Kernproblem nicht. „Die Kapazität des deutschen Luftraums ist irgendwann erschöpft.“ Die DFS verzeichnete im vergangenen Jahr ein Plus bei den Flügen von 4,4 Prozent, deutlich mehr, als in den Fünfjahresplanungen der EU vorgesehen war. In Brüssel werden in Fünfjahreszeiträumen Rahmendaten für die nationalen Luftüberwachungen festgelegt.

Umstrukturierung des Luftraums

Auch für 2019 gehen Scheurle und sein Team von einem Plus in Höhe von 3,4 bis vier Prozent aus. Das sei eine gewaltige Herausforderung. „Deutschland hat 3,5 Prozent des europäischen Luftraums, hier finden aber 30 Prozent der Flüge in Europa statt. Es ist zusammen mit Belgien der Luftraum mit der größten Verkehrsdichte“, so Scheurle.

Der DFS-Chef plädiert deshalb für eine Umstrukturierung des deutschen Luftraums. „Man könnte etwa die Sektoren so zuschneiden, dass sie sich an den Problemzonen orientieren. Aber dazu brauchen wir eine EU-Koordinierung und die Einbeziehung von Eurocontrol.“

Das ist wiederum ein langwieriger Prozess. Um kurzfristig eine Besserung zu erreichen, will die DFS ausgebildete Lotsen aus dem Ausland anheuern. 36 sind es bisher – bei einer Gesamtlotsenzahl der DFS von rund 2 000 ist das allerdings nur ein kleiner Hebel. Schwierig gestalten sich dagegen die Gespräche mit der Gewerkschaft über freiwillige Extraschichten im verkehrsstarken Sommer. Es seien noch keine Ergebnisse erzielt worden, so Scheurle.

Ebenfalls Diskussionsbedarf gibt es noch bei einer Idee, die im Bundesverband BDL entwickelt wurde. Danach könnten die Abflüge von den sechs größten deutschen Flughäfen gegenüber den Überflügen priorisiert werden. Zum Verständnis: Im vergangenen Jahr konnten Flugzeuge teilweise an deutschen Flughäfen nicht wie geplant starten, da zu der Zeit der Luftraum voll war – nicht zuletzt durch die vielen Überflüge. „Wir werden dieses Thema weiterverfolgen und dafür werben“, sagte Scheurle.

Fest steht, dass die DFS wie schon im vergangenen Jahr viele Flüge aus dem oberen Luftraum in tiefer gelegene Bereiche verlagern wird, um oben Entlastung zu schaffen. Das bedeutet allerdings für die Airlines mehr Spritverbrauch, höhere Kosten und auch mehr Emissionen.

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