Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Klimaschutz Adidas und H&M setzen Kohleländer in Asien unter Druck

Große Modehersteller haben sich zur Senkung ihrer Emissionen verpflichtet. Dass wichtige Produktionsländer auf Kohlekraft setzen, bereitet ihnen Probleme.
11.08.2020 - 13:35 Uhr 1 Kommentar
Indien zählt zu den größten Lieferantenländern von Adidas. Das Land investiert massiv in neue Kohlekraftwerke. Quelle: AP
Kohleförderung in Indien

Indien zählt zu den größten Lieferantenländern von Adidas. Das Land investiert massiv in neue Kohlekraftwerke.

(Foto: AP)

Bangkok Neue Kohlekraftwerke in Asien werden für westliche Modehersteller zum Problem: Sie gefährden die Ziele der Branche, ihre CO2-Emissionen kräftig zu senken. Die Textilkette H&M geht nun gemeinsam mit den deutschen Sportartikelherstellern Adidas und Puma in die Offensive, um die Energiepolitik in einem ihrer wichtigsten Zuliefererländer zu beeinflussen.

Die Unternehmen haben am Dienstag an die Regierung von Kambodscha einen Protestbrief geschickt – mit dem Ziel, einen geplanten Ausbau fossiler Energieträger auszubremsen. Die Konzerne drohen in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, indirekt damit, Produktionsaufträge aus dem Land abzuziehen, sollte die Regierung in Phnom Penh an dem geplanten Ausbau der Kohlekraft festhalten.

Die Entscheidungen, die Kambodscha heute zur Stromversorgung treffe, mache das Land in Zukunft für die Industrie weniger attraktiv, heißt es in dem Brief an Kambodschas Wirtschaftsminister, den auch die US-Konzerne Nike und Gap unterzeichneten. „Wenn der hohe Anteil an erneuerbaren Energien in den Stromnetzen nicht beibehalten wird, wirkt sich das aufgrund von Nachhaltigkeitsanforderungen auf zukünftige Beschaffungsvorhaben aus“, warnen die Unternehmen.

Die beteiligten Textil- und Modehersteller haben im vergangenen Jahr im Rahmen des G7-Gipfels in Biarritz den sogenannten „Fashion Pact“ unterzeichnet, in dem sie versprechen, bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität anzustreben. Bis zum Jahr 2030 soll in eigenen Niederlassungen zu 100 Prozent erneuerbare Energie eingesetzt werden – das soll später auch in der gesamten Lieferkette gelten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Konzerne wie Adidas und Nike haben zudem die Selbstverpflichtung „UN Fashion Industry Charter for Climate Action“ unterzeichnet, in der sie eine 30-prozentige Senkung des CO2-Ausstoßes im Vergleich zu 2017 entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusagen.

    Auch Bangladesch setzt auf Kohlekraft

    Sollten die Unternehmen ihre Lieferketten tatsächlich künftig stärker an der ökologischen Nachhaltigkeit der Energieversorgung ausrichten, könnte das zu deutlichen Verschiebungen im Standortwettbewerb führen. Neben Kambodscha will auch Bangladesch, einer der größten Textilexporteure der Welt, den Anteil der Kohlekraft innerhalb der kommenden zwei Jahrzehnte kräftig ausbauen – von derzeit drei auf künftig 35 Prozent.

    Indien, das etwa bei Adidas zu den größten Lieferantenländern gehört, setzt ebenfalls primär auf Kohleenergie und investiert weiter massiv in neue Kohlekraftwerke.

    In Kambodscha, wo Adidas zuletzt rund ein Viertel seiner Bekleidungsartikel produzieren ließ, konnten sich die Hersteller zuletzt auf einen vergleichsweise CO2-armen Energiemix verlassen: Das Land bezieht seinen Strom bisher aus erneuerbaren Energien – fast ausschließlich Wasserkraft.

    Doch schon in wenigen Jahren könnte sich das Verhältnis grundlegend ändern: Bis 2030 soll der Anteil des Stroms aus fossilen Energieträgern im Netz auf 80 Prozent steigen, wenn alle Kraftwerkspläne wie geplant umgesetzt werden. Das geht aus einer Analyse der in Phnom Penh ansässigen Organisation Energy Lab hervor, die unter anderem von der Heinrich-Böll-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt wird.

    Sollten die Unternehmen ihre Lieferketten künftig stärker an der ökologischen Nachhaltigkeit der Energieversorgung ausrichten, könnte das zu massiven Verschiebungen im Standortwettbewerb führen. Quelle: Reuters
    Zulieferer von H&M in Kambodscha

    Sollten die Unternehmen ihre Lieferketten künftig stärker an der ökologischen Nachhaltigkeit der Energieversorgung ausrichten, könnte das zu massiven Verschiebungen im Standortwettbewerb führen.

    (Foto: Reuters)

    Die Änderung im Energiemix liegen vor allem am Ausbau der Kohlekraft, den Kambodscha mit kräftiger Unterstützung Chinas vorantreibt. Im vergangenen Dezember startete der Bau eines 700-Megawatt-Kraftwerks in der Nähe der Küstenstadt Sihanoukville. Es soll als Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Staatskonzern Huadian betrieben werden, der in der Volksrepublik zu den größten Stromerzeugern zählt.

    Im März genehmigte Kambodschas Parlament ein weiteres 700-Megawatt-Kohleprojekt, das gemeinsam mit dem chinesischen Staatsunternehmen Sinosteel errichtet werden soll. Mindestens zwei weitere Kohlekraftwerke sind ebenfalls in Planung. Der Anteil von Kohlestrom in Kambodschas Netzen würde sich damit mehr als verdreifachen.

    Kambodschas Regierungschef Hun Sen, der in Südostasien als einer der engsten Verbündeten der chinesischen Regierung zählt, beschrieb die Kohlekraft Anfang des Jahres als unerlässlich, um den wachsenden Energiehunger des Landes zu stillen. Besonders in der Trockenzeit, wenn die Wasserkraft nicht genug Elektrizität produzieren könne, sei der Energieträger alternativlos.

    Vietnam als Vorbild

    Das Schreiben der Modekonzerne übt an dieser Sichtweise deutliche Kritik: Die Industrie sei zwar auf zuverlässige Energiequellen angewiesen, heißt es darin. „Eine Verschiebung von der Wasserkraft zur Kohle ist aber nicht das, was die Industrie benötigt.“ Stattdessen machen sich die Unternehmen für einen Ausbau der Solarenergie und Windkraft stark.

    Sie verweisen auf das Beispiel des Nachbarlandes Vietnam, das die Solarenergie in den vergangenen Jahren stark ausgebaut hat und den Anteil von Kohlekraft zugunsten von erneuerbaren Energien bis 2030 zurückfahren will.

    Adidas wollte die Gründe, warum man als Co-Verfasser des Schreibens gegenüber der kambodschanischen Regierung klar Stellung bezieht, nicht näher erläutern. Man bitte um Verständnis, „dass wir uns dazu nicht im Detail äußern“, teilte eine Sprecherin mit. Puma antwortete, dass es dem Unternehmen darum gehe, einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel zu leisten.

    H&M teilte dem japanischen Wirtschaftsmagazin „Nikkei Asian Review“ mit, das Unternehmen bewerte unter anderem wegen Umweltfragen seine Einkaufsstrategie in Kambodscha neu.

    Die Marktmacht der europäischen Modekonzerne ist in Kambodscha groß: Das Land exportierte zuletzt Waren im Wert von rund fünf Milliarden Euro nach Europa – damit war die EU für das Land der wichtigste Handelspartner. Rund drei Viertel der Exporte nach Europa entfielen auf die Textilindustrie.

    Doch die Geschäftsbeziehung steht unter Druck. An diesem Mittwoch treten EU-Sanktionen gegen Kambodscha in Kraft, nach denen das Land wegen Menschenrechtsverstößen Handelsvergünstigungen verliert.

    Kambodschas autoritärer Machthaber Hun Sen warf der EU deshalb Einmischung in innere Angelegenheiten vor. Er gibt sich regelmäßig unbeeindruckt von Forderungen aus dem Westen – und verweist selbstbewusst auf neue Allianzen: Wenn sich die europäischen Märkte für sein Land schließen würden, sei China sicherlich bereit zu helfen.

    Mehr: Handelsdeal für Vietnam, Strafen für Kambodscha

    Startseite
    Mehr zu: Klimaschutz - Adidas und H&M setzen Kohleländer in Asien unter Druck
    1 Kommentar zu "Klimaschutz: Adidas und H&M setzen Kohleländer in Asien unter Druck"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Klimaschutz betrifft weltweit alle Menschen. Jeder Unternehmer sollte jetzt achtsam werden und für den Klimaschutz neue Massnahmen oder Standorte wählen. Es ist gut, wenn die grossen voran gehen. Wir müssen die CO2 Verursacher zwingen, auszusteigen. Und das ist für den Klimaschutz und die Weltweite Energiepolitik gut, denn es gibt neueste Forschungsergebnisse für die kostengünstigere und innovative Neutrino-Technologie. Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlicht aktuell sein Buch "Das ewige Licht" dazu - es ist das Buch mit der größten ökologischen, ökonomischen und sozialen Sprengkraft, das ich je verlegt habe." Dirk Kohl, Chef des Weltbuch-Verlages. Die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos ist jetzt machbar. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Sie sind in der Lage, sowohl Geräte als auch einzelne Haushalte und Elektroautos ohne Anschluss an eine zentrale Stromversorgung vollständig mit Strom zu versorgen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie sowie unendliche Reichweiten für die Elektromobilität werden unser Leben weltweit positiv wandeln. Deutsche Ingenieure, Russische Investoren, bald an der amerikanischen Börse zum Ende des Jahres, NeutrinoInside wird mit dieser sensationelle emissionsfreien Energienutzung weltweit begeistern.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%