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Knorr, Pfanni, Dove und andere Kaufland wirft fast alle Unilever-Marken aus den Regalen

Der Preisstreit zwischen Kaufland und Unilever ist eskaliert: Die Kette verbannt fast alle Marken des Konsumgüterherstellers – für unbefristete Zeit.
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Knorr zählt ebenso zu Marken des Konzerns wie Bertolli oder Mondamin.
Unilever-Produkte

Knorr zählt ebenso zu Marken des Konzerns wie Bertolli oder Mondamin.

Hamburg Edeka keilt gegen Nestlé und Red Bull, Rewe nimmt Storck-Bonbons aus dem Regal: Heftige Scharmützel zwischen Handel und Herstellern sind im Streit um Preise derzeit keine Seltenheit. Doch was Kaufland drei Tage vor Heiligabend ankündigt, ist eine ganz neue Eskalationsstufe: Die Kette nimmt alle Produkte von Unilever aus den Regalen – und zwar für unbefristete Zeit. Damit traut sich Kaufland, seinen Kunden eine lange Liste wichtiger Marken vorzuenthalten.

„Zum 31. Dezember beendet Kaufland die Jahrzehnte lange Geschäftsbeziehung zu Unilever in Deutschland. Gründe hierfür sind drastische Preiserhöhungen sowie einseitige Änderungen der Geschäftsbedingungen von Unilever“, wettert Kaufland in einer Stellungnahme zu dem beispiellosen Schritt.

Nur Eissorten, bei denen der Langnese-Hersteller Unilever eine überragend starke Position hat, bleiben in den Kaufland Tiefkühlern. Es verschwinden aber: Knorr, Mondamin, Pfanni, Bertolli, Unox, Lipton, Ben & Jerry’s, Coral, Viss, Domestos, Dove, Rexona, Duschdas, Signal und Axe.

Eine solche Machtprobe hat der deutsche Vollsortiments-Handel lange nicht gesehen. Die Discounter wie Aldi und Lidl erlauben sich traditionell, auf Marken zu verzichten. Bislang galten aber in den klassischen Super- und Verbrauchermärkten Marken wie Knorr und Pfanni als unverzichtbar. Kaufland, das wie Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, macht nun die Probe aufs Exempel.

Der Grund: Kaufland behauptet, Unilever habe den Händler schlechter stellen wollen als Konkurrenten. Die Unilever-Produkte wären, so argumentiert der Händler, bei Kaufland teurer gewesen als bei anderen. Sein Preisimage will sich Kaufland aber nicht kaputt machen lassen.

Langnese, Knorr, Dove – das sind die Marken von Unilever
Ben & Jerry's
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Im Jahr 1978 beschlossen die Freunde Ben Cohen und Jerry Greenfield den US-amerikanischen Speiseeishersteller Ben & Jerry's zu gründen. Durch das humoristische Marketing und soziales Engagement erreichte die Marke schnell Kultstatus. Während in den 80er-Jahren der Versuch von Konkurrent Häagen-Dazs, den Vertrieb zu beschränken, noch erfolgreich abgewehrt werden konnte, waren die Gründer im August 2000 bei der feindlichen Übernahme durch Unilever machtlos. Seither gehört der Hersteller zum Konzern, soziale Projekte bestehen aber weiter fort. Trotzdem ist das Ansehen angeknackst. So musste 2010 etwa der Slogan „All natural“ gestrichen werden, da in fast allen der 53 Eissorten auch künstliche Zusatzstoffe enthalten seien.

(Foto: AP)
Langnese
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Eis am Stiel erfreut sich weltweit größter Beliebtheit. Seit 1935 gehört die Marke mit Produkten wie Magnum, Solero oder dem später integrierten Cornetto zum Konzern – und ist global eine feste Größe. Auch wenn das Speiseeis in anderen Ländern unterschiedliche Namen trägt. So heißt Langnese in Griechenland Algida, in Spanien Frigo und in der Schweiz Lusso.

(Foto: dpa)
Knorr
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Die Geschichte des Lebensmittelherstellers Knorr reicht bis ins Jahr 1838 zurück. Damals eröffnete Carl Heinrich Theodor Knorr einen Gemischtwarenladen in Heilbronn. In der Folge überstand das Unternehmen zwei Weltkriege, im Jahr 1959 stieg aber die CPC-Tochter Maizena zum Mehrheitsaktionär von Knorr auf und setzte die Umwandlung in eine GmbH durch. Maizena selbst ging 1998 in den neugegründeten Bestfoods-Konzern auf, der wiederum zwei Jahre später mit weiteren Marken wie Mondamin von Unilever übernommen wurde.

(Foto: picture alliance)
Lipton
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Lipton macht heute zehn Prozent des weltweiten Teeverkaufs aus. Der Konsumgüter-Konzern erwarb die Marke zwischen den Jahren 1938 und 1972 und entwickelte seitdem neue Marken und Produktmodelle. So stießen zum traditionellen Eistee dann auch die klassischen Teebeutel, die mittlerweile in Pyramidenform daherkommen. Seit 1991 arbeitet Unilever zudem beim Verkauf einiger Sorten mit PepsiCo zusammen.

(Foto: Imago)
Bertolli
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Mit dem Hersteller von unter anderem Teigwaren und Olivenöl wird es bei Unilever echt italienisch. Im Jahr 1865 in der Toskana gegründet, blieb das Unternehmen fast einhundert Jahre lang in familiärer Hand. Ab 1963 ging es dann aber hin und her. Erst Montecatini, dann Montedison (1966), anschließend die Società Meridionale di Elettricità (1972) und 1994 letztlich Van den Bergh, eine italienische Unilever-Tochter. Aber damit nicht genug, seit rund einem Jahrzehnt wird Bertolli selbst stark aufgesplittet. So liegt das Olivenöl- und Essiggeschäft heute beim spanischen Konzern deOleo, die Tiefkühlkost-Sparte bei der US-Firma ConAgra Foods und die nordamerikanischen Saucen- und Pastaaktivitäten gingen nach Japan an Mizkan.

(Foto: ad publica)
Pfanni
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Der bekannte Hersteller von küchenfertigen Kartoffelprodukten wurde 1949 von Werner Eckart gegründet und hat einen ähnlichen Werdegang wie Knorr hinter sich. 1998 wurde das Unternehmen an CPC Deutschland verkauft, das später in Bestfoods umbenannt und zwei Jahre später von Unilever übernommen wurde. Die Pfanni GmbH & Co. OHG firmiert heute im mecklenburg-vorpommerischen Stavenhagen.

(Foto: picture alliance)
Du darfst
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Als „erste Lightmarke“ wurde Du darfst in den 70er-Jahren mit einer Halbfettmargarine eingeführt und richtet sich bis heute vornehmlich an Frauen. Es folgten verschiedene Käsevarianten sowie Konfitüre und Wurst. Heute erstreckt sich die Marke auf über 40 Produkte.

(Foto: picture alliance)

Argumentativ treffen die Neckarsulmer den niederländisch-britischen Großkonzern an seiner empfindlichsten Stelle. Sie behaupten, die Unilever-Marken seien viel weniger wichtig, als der Konzern glaubt. Ihre Botschaft: Die Kunden werden nichts vermissen.

„Eine Analyse der Marktdaten hat zudem ergeben, dass Unilever-Produkte eine hohe Austauschbarkeit aufweisen und die Kunden sich bereits darauf eingestellt haben“, ätzt Kaufland. Regallücken würden mit Eigenmarken und der Konkurrenz gefüllt. Statt Knorr könnten die Kunden also Maggi kaufen, statt Lipton den Konkurrenten Teekanne und Nivea statt Duschdas.

In bisherigen Streitfällen, etwa der schlagzeilenträchtigen Auseinandersetzung zwischen Nestlé und Edeka vor einem Jahr, hatten die Händler stets nur einige Produkte ausgelistet. Vielen Kunden fiel kaum auf, wenn bei Edeka beispielsweise einige Varianten der Nestlé-Marke Wagner-Pizza fehlten. Oft schlossen die Händler Lücken auch einfach mit vor dem Orderstopp gehamsterter Ware.

Konflikt seit dem Frühjahr

Insofern ist der offen eskalierte Konflikt zwischen Kaufland und Unilever neu. Beide streiten bereits seit dem Frühjahr. Vor allem Kaufland hatte dabei die Öffentlichkeit gesucht.

Unilever reagierte am Freitag zunächst nicht auf die Provokation. Vor wenigen Wochen hatte Deutschlandchef Ulrich Gritzuhn im Gespräch mit dem Handelsblatt dem Händler allerdings vorgeworfen, überzogen zu reagieren. Kaufland kämpfe mit besonders harten Bandagen, klagte Gritzuhn damals.

Unilever habe nur für einen Teil der Produkte Preiserhöhungen gefordert, als Reaktion habe der Händler aber zehnmal so viel ausgelistet. „Das sind Verhaltensweisen, die die ganze Marktmacht ausspielen, kein partnerschaftliches Verhalten“, sagte Gritzuhn.

Besonders hart trifft Unilever, dass Kaufland die Produkte aus allen europäischen Märkten verbannt. Auf dem deutschen Markt sind Edeka und Rewe deutlich größer, europaweit kommt Kaufland jedoch auf gut 22 Milliarden Euro Umsatz. Unilever macht weltweit knapp 54 Milliarden Euro.

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1 Kommentar zu "Knorr, Pfanni, Dove und andere: Kaufland wirft fast alle Unilever-Marken aus den Regalen"

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  • Kaufland verfügt also, dass es doch genug andere Produkte gibt, die das Subjekt kaufen darf - ist das noch Markt, oder nutzt hier ein Megakonzern seine Marktstellung aus?

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