Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Koalitionsbeschluss in Bayern Flughafenausbau in München wird verschoben – Luftfahrtbranche übt Kritik

Die Freien Wähler haben sich durchgesetzt. Der Ausbau des Flughafens München wird weiter auf Eis gelegt. Das sorgt für Ärger.
Kommentieren
Eine dritte Startbahn wird es bis mindestens 2023 nicht geben. Quelle: dpa
Flughafen München

Eine dritte Startbahn wird es bis mindestens 2023 nicht geben.

(Foto: dpa)

FrankfurtMichael Kerkloh ist Warten gewohnt. Seit 2007 arbeitet der Chef des Flughafens München an dem Plan, das zweitgrößte deutsche Drehkreuz in der Luftfahrt mit einer dritten Bahn auszustatten. Zu sehen, dass die ersten Bagger anrollen, wäre für den 65-jährigen Luftfahrt-Manager, dessen Vertrag bis Ende 2019 läuft, noch einmal ein echter Höhepunkt in seiner langen Karriere.

Doch seit dem Wochenende steht fest: Er wird diesen zumindest in seiner aktiven Zeit nicht mehr erleben. Die neue Regierungskoalition in Bayern aus CSU und Freien Wählern wird in der nun beginnenden Legislaturperiode, die bis 2023 dauert, nicht mehr über den Ausbau entscheiden.

Die dritte Bahn wird sozusagen ein „Opfer“ der Koalitionsraison. Hubert Aiwanger, der Chef der Freien Wähler, hatte als Bedingung für Koalitionsverhandlungen gefordert, den Ausbau zu den Akten zu legen. Die Freien Wähler sorgen sich, dass die Boomregion München dadurch noch mehr Zulauf bekommt und die Mieten weiter steigen werden.

Auch ökologische Gründe werden ins Feld geführt. Die Freien Wähler wollen stattdessen die Flughäfen Nürnberg und Memmingen stärken und durch eine enge Verzahnung mit der Bahn einen integrierten Verkehr aufbauen.

In der Luftfahrtbranche zeigt man sich enttäuscht. „Die anhaltend starke Nachfrage im Luftverkehr erfordert, dass wir am Wirtschaftsstandort Deutschland auch weiterhin bedarfsgerechte Kapazitäten luft- und bodenseitig schaffen. Das ist auch Kern des Luftverkehrskonzepts der Bundesregierung“, heißt es in einer Erklärung des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). „Ein Moratorium für die dritte Start- und Landebahn in München, für die alle juristischen Voraussetzungen seit 2015 geschaffen wurden, steht dazu im Widerspruch und stellt die falschen Weichen.“

Auch der Flughafenverband ADV kritisiert die Entscheidung. „Die dritte Bahn ist eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben in Deutschland. Sie ist Garant für Wachstum und Arbeitsplätze“, heißt es in einem Statement. „Wir fordern, dass die Politik sich zu dem Zukunftsprojekt dritte Bahn bekennt“, sagte Ralph Beisel, der Hauptgeschäftsführer des ADV.

Beim Flughafen München selbst gibt man sich bedeckt, will die Koalitionsentscheidung nicht kommentieren. Man verweist allerdings auf frühere Erklärungen, nach denen das Management die dritte Bahn für erforderlich hält. Der Flughafen gehört dem Freistaat Bayern, der Stadt München sowie dem Bund.

Tatsächlich wächst der Flughafen im Süden Deutschlands seit Jahren. Seit 1992, dem Jahr der Inbetriebnahme des neuen Airports, hat sich die Zahl der Passagiere auf 44 Millionen (2017) mehr als verdreifacht. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres hat das Drehkreuz mit über 35 Millionen Fluggästen erneut einen Rekord verzeichnet. Weiteres Wachstum ist zu erwarten.

So gibt Lufthansa-Chef Carsten Spohr München bei den Expansionsplänen von Europas größter Airline München vor Frankfurt den Vorrang. In der aktuellen Verfassung hat der Airport eine Kapazität von rund 53 Millionen Passagieren.

Doch die dritte Bahn sorgt seit Jahren für politischen Streit. Zwar ist die CSU für den Ausbau, doch die Münchener hatten 2012 in einem Volksentscheid gegen die dritte Bahn gestimmt. Seitdem traut sich keiner, das Thema aktiv voranzutreiben.

Flughafenchef Kerkloh hat sich bei dem Thema deshalb seit längerem einen gewissen Pragmatismus zugelegt. Es sei für ihn verkraftbar, wenn er eine Entscheidung nicht mehr in seiner aktiven Zeit erleben werde, sagte er im Sommer dem Münchener Merkur. Er könne guten Gewissens sagen, dass er alles getan habe. „Ich glaube übrigens heute mehr denn je daran, dass die dritte Bahn kommt. Vielleicht erlebe ich es nicht mehr in meiner aktiven Zeit, aber es liegt doch auf der Hand, dass sie kommen muss.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Koalitionsbeschluss in Bayern - Flughafenausbau in München wird verschoben – Luftfahrtbranche übt Kritik

0 Kommentare zu "Koalitionsbeschluss in Bayern: Flughafenausbau in München wird verschoben – Luftfahrtbranche übt Kritik"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.