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Unboxing Hello Fresh

Ist der Aufpreis zu Aldi und Rewe gerechtfertigt? Nein, findet unser Autor.

Quelle: Michael Verfürden

Kochbox online bestellen Hello Fresh im Test: Lohnt sich das teure Kochen aus der Box?

Hello Fresh verkauft Kartons mit Lebensmitteln und Rezepten zum Nachkochen. Die Zutaten reichen exakt für eine feste Zahl an Mahlzeiten. Und lohnt sich das? Der Test.
07.05.2019 - 11:26 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 07. Mai 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatt - erschienen. 

Ich habe meine erste Bestellung bei Hello Fresh gerade abgeschickt, da fühle ich mich abgezockt. Für 44,99 Euro lasse ich mir eine Kochbox nach Hause schicken. Und jetzt soll sie plötzlich nur noch 42,99 Euro kosten. Den Grund dafür wird mir Hello Fresh später erklären – wenn ich das Unternehmen mit meinem Selbstversuch konfrontiere.

Die Kochbox ist ein Karton mit Lebensmitteln und Rezepten zum Nachkochen. Die Idee von Hello Fresh: Menschen sind heutzutage nicht nur zu faul, um selbst im Supermarkt einzukaufen – sondern auch, um sich zu überlegen, was sie überhaupt kochen wollen. Daraus macht die junge Firma ein Geschäft.

Ich will wissen, wie teuer das ist und ob die Qualität stimmt. Ich mache den Test, bestelle bei Hello Fresh und vergleiche anschließend Preis und Geschmack mit einem normalen Einkauf bei Aldi und Rewe. Aber bevor ich dir verrate, wie das Start-Up im Vergleich mit den Supermärkten abschneidet, zeige ich dir kurz, warum ich diesen Test mache und wer Hello Fresh eigentlich ist.

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    Hello Fresh im Test: Meine Erfahrung mit den Rezepten aus der Box

    Ich bin ein Einkaufsmuffel. Ich fahre jeden Abend an sechs Supermärkten vorbei. Zwei Aldi-Filialen und jeweils einen Edeka, Real, Rewe und Netto zähle ich, wenn ich mit dem Fahrrad von der Arbeit in Düsseldorf nach Hause fahre. Es wäre also eigentlich leicht für mich, jeden Tag frisch einzukaufen und abwechslungsreich zu kochen. Eigentlich. Doch oft finde ich den Gang in den Supermarkt einfach nur nervig.

    Das liegt an der passiv-aggressiven Stimmung, die dort abends herrscht. Überall Feierabend-Einkäufer wie ich, die nur schnell nach Hause wollen. Das sorgt für lange Schlangen an den Kassen. Mit Kunden, die unbedingt passend zahlen wollen. Und Kassierern, denen immer dann die Kassenrolle ausgeht, wenn ich gerade an der Reihe wäre. Manchmal muss ich sogar noch in einen anderen Supermarkt, weil ich nicht alle Zutaten für mein Gericht bekommen habe.

    Mit diesem – zugegeben recht harmlosen – Problem will Hello Fresh Geld verdienen. „Damit du mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben hast“, wie das Unternehmen auf seiner Homepage verspricht, bietet Hello Fresh regelmäßig wechselnde Rezepte an. Du kannst dir deine Lieblingsgerichte daraus zusammenstellen. Und das Unternehmen schickt dir jede Woche ein Paket mit genau der Menge an Zutaten, die du dafür brauchst.

    Hello Fresh steigert Umsatz im ersten Quartal 2019 um 42 Prozent

    Hello Fresh ist seit November 2017 an der Börse notiert und beschäftigt 4000 Mitarbeiter in zehn Ländern, davon 600 in Deutschland. Von Januar bis März 2019 hat das Unternehmen nach eigenen Angeben fast 66 Millionen Mahlzeiten im Wert von 420 Millionen Euro verkauft. Das sind 42 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei machte Hello Fresh allerdings Verlust. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen blieb ein Minus von mehr als 26 Millionen Euro.

    Wie läuft also eine Bestellung ab?

    HelloFresh bietet drei unterschiedliche Boxen an: Die Veggie-Box für Vegetarier, die Classic-Box mit Fisch- und Fleisch-Rezepten und eine Box für Familien, bei der auch Kinder mitkochen können. Für richtig faule Kunden gibt es sogar Rezepte für den Thermomix. Hast du dich für eine Variante entschieden, kannst du auch noch einstellen, für wie viele Personen du bestellen und wie viele Gerichte du kochen willst.

    Hello Fresh verspricht, dass die Kochboxen das „Küchenerlebnis ein großes Stück einfacher machen“. Ich will natürlich wissen, ob das stimmt. Deshalb entscheide ich mich für eine Classic-Box. Kosten für drei Gerichte à zwei Personen inklusive Versand: 44,99 Euro. Pro Portion zahle ich also 7,50 Euro. Dafür bekomme ich auch ein günstiges Gericht im Restaurant um die Ecke. Nur dass ich dort nicht selber kochen muss.

    Ich bestelle mit dem Chrome Browser. Kurz darauf entdecke ich, dass es mit dem Internet Explorer zwei Euro günstiger gewesen wäre! Preis pro Portion dort: 7,17 Euro. Manche Unternehmen versuchen auf diese Art, ihren Gewinn zu steigern. Sie testen verschiedene Preise für unterschiedliche Nutzer-Gruppen, denen sie unterschiedliche Zahlungsbereitschaften unterstellen. Fachleute nennen dieses Vorgehen Preisdiskriminierung.

    Hello Fresh erklärt dazu auf Anfrage, dass das Unternehmen derzeit „verschiedene Preismodelle für deutsche Kunden“ testet:

    „In Folge des Preistests, der noch diese Woche beendet wird, kann es dazu kommen, dass auf unterschiedlichen Geräten und Browsern unterschiedliche Preise angezeigt werden. Schon sehr bald werden für alle Neukunden wieder die gleichen Preise gelten.“

    Wer sich für eine Box entschieden hat, muss als nächstes den Lieferzeitpunkt auswählen. Hello Fresh liefert von Dienstag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr sowie zwischen 19 und 22 Uhr. Wer das Paket nicht persönlich annehmen kann, kann dem Fahrer erlauben, dass der die Box auch vor der Haustür oder im Treppenhaus abstellen kann. Das Liefern an eine Packstation ist nicht möglich. Wer seinen Nachbarn nicht traut, muss bei der Lieferung also wirklich zuhause sein.

    Hello Fresh: Wie sehen Verpackung und Zutaten aus? Was können die Rezepte?

    Ich bestelle an einem Montag und muss nun bis zum Dienstag der nächsten Woche auf meine Box warten. Sobald ich die Bestellung bestätigt habe, kann ich aus zwölf Rezepten meine Favoriten aussuchen. Die relativ überschaubare Auswahl mag den Vorteil haben, dass man nicht lange über ein Gericht nachdenken muss.

    Andererseits fällt es mir schwer zu sagen, worauf ich nächste Woche Lust haben werde. Aber wenn die Gerichte erst einmal da sind, muss ich sie natürlich auch kochen. Spontan Pommes in den Ofen schieben oder ein Spiegelei mit Spinat machen geht dann nicht.

    Mein Speiseplan steht fest: Pikant mariniertes Schweinefilet mit Gemüse und Reis, Putenbrustfilet in Honig-Zitronen-Marinade mit gebackenen Kartoffelspalten und vegetarische Fajitas mit Paprika und Pilzen. Dann heißt es warten.

    HelloFresh präsentiert sich als umweltfreundliches Unternehmen – und verpackt nur die Lebensmittel, die auch eingepackt werden müssen. Also Gewürze, Soßen und das Fleisch beispielsweise.

    Der Cheddar kommt in einer 50-Gramm-Packung, Soja- und Chili-Soße jeweils in einer 20-Milliliter-Tüte. HelloFresh beteuert, immer so wenig Plastik wie möglich einzusetzen. Zudem sind die Papierverpackungen eigenen Angaben zufolge 100 Prozent ökologisch abbaubar. Auch die Kühltaschen und das Plastik seien recycelbar. Aber der Karton mit dem ganzen Müll steht jetzt natürlich erstmal bei mir rum.

    Zudem hat der Lieferant das Paket mit dem Auto gebracht. Wie viele Pakete er an diesem Tag noch ausgeliefert hat, weiß ich nicht. Klar ist: Er hat dabei Schadstoffe ausgestoßen. Die hätte ich vermeiden können, wenn ich mit dem Rad zum Supermarkt gefahren wäre. Wer über die Umwelt reden will, muss auch an Abgase denken.

    Hello Fresh, Aldi und Rewe im Vergleich: Wie groß ist der Unterschied beim Preis?

    Die Zutaten haben auf den ersten Blick eine ordentliche Qualität. Die Tomate könnte etwas röter sein, aber ansonsten sieht alles lecker aus. Auf der Homepage verspricht Hello Fresh, dass in meiner Box nur frische Zutaten direkt vom Erzeuger landen. „Dafür sorgen ausgewählte, regionale Lieferanten und strenge Qualitätskontrollen“, heißt es.

    Noch am gleichen Abend prüfe ich, ob man das auch schmeckt. Doch vorher will ich wissen, wie viel mich die Bequemlichkeit kostet.

    Dafür gehe ich zum nächsten Supermarkt und kaufe alle Zutaten aus der Hello Fresh-Box nach. Die meisten Sachen bekomme ich bei Aldi, für speziellere Zutaten wie die Soja- und die Chilisoße gehe ich zu Rewe. Die Portobello-Pilze und das Gewürz Piri-Piri verwirren mich kurz. Denn beides kann ich weder im Aldi noch bei Rewe finden.

    Kurz fürchte ich, dass das Experiment scheitert. Doch eine kurze Google-Recherche zeigt: Portobello-Pilze sind auch nur große Champignons und Piri-Piri besteht aus Chiliflocken. Also wieder zurück zum Supermarkt. Fast eine Stunde bin ich unterwegs. Eine Stunde, in der ich dank Hello Fresh auch in der Sonne hätte sitzen können.

    Für alle Produkte zusammen zahle ich bei Aldi und Rewe 38,68 Euro, aber dafür habe ich viel größere Mengen zuhause. Um die Preise wirklich miteinander vergleichen zu können, muss ich die Zutaten aus den Supermärkten den Hello Fresh-Größen entsprechend gewichten. Das heißt, dass ich nicht die ganze Flasche Sojasoße berechne, sondern nur 20 Milliliter. Und den Preis für 350 Gramm Cheddar rechne ich auf 50 Gramm herunter.

    Wenn ich alle Mengen gewichtet habe, komme ich auf Einkaufspreis von 15,84 Euro. Zur Erinnerung: Bei Hello Fresh habe ich 44,99 Euro bezahlt. Anders gesagt: Für den Preis des Berliner Start-ups könnte ich fast dreimal die entsprechenden Mengen im Supermarkt kaufen – sofern sie denn in solchen Größen angeboten würden.

    Lohnt sich Hello Fresh? Das Fazit meiner Erfahrungen aus dem Test

    Bei Hello Fresh bezahle ich natürlich auch für den Service. Also dafür, dass das Unternehmen mir die Lebensmittel schickt und vorher die Mengen abpackt. Zudem entwickelt Hello Fresh die Rezepte. Und die Zutaten sollen ja auch nur die besten der besten sein. Merkt man das auch im Geschmack?

    Um das zu testen, laden meine Freundin und ich zwei Bekannte ein. Wir entscheiden uns für das Schweinefilet mit Reis und Gemüse und kochen zwei Varianten – eine mit der Hello Fresh-Box und eine mit den Zutaten von Aldi und Rewe.

    Das Rezept ist einfach nachzukochen und wie von Hello Fresh angegeben, stehen schon nach 30 Minuten die vollen Teller auf dem Tisch. Die Portionen sind ordentlich, ein kleiner Rest bleibt sogar übrig.

    Das Fleisch aus der Hello Fresh-Box schmeckt drei von vier Personen am Tisch besser als das vom Aldi. Die vierte Person schmeckt keinen Unterschied. Gemüse, Reis und Soße hingegen finden alle vier bei beiden Gerichten gleich lecker. Die Bohnen von Rewe wirken sogar etwas frischer als die aus der Box.

    Am Ende des Abends sind wir uns alle einig: Hello Fresh kann Vorteile haben – wenn man sie denn als solche empfindet. Dass Hello Fresh es einem abnimmt, kreativ zu sein, kann man gut finden. Muss man aber nicht. Ich für meinen Teil will lieber das kochen, auf das ich gerade Hunger habe.

    Den Gang in den Supermarkt hingegen würde sich wohl jeder von uns manchmal gerne sparen. Doch die Bequemlichkeit hat ihren Preis. Ob sie den Aufpreis wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir ist es jedenfalls zu teuer. Immerhin kann ich mein Abo genauso einfach stoppen, wie ich es abgeschlossen habe. Nur ein paar Klicks und ich bin abgemeldet.

    Eine Minute später habe ich die Bestätigung im Postfach. Das Unternehmen findet es „schade“, dass ich nicht mehr mit ihnen kochen will. „Wir arbeiten ständig daran, die Zubereitung ausgewogener Gerichte noch einfacher zu machen“, versichert man mir. Doch wenn es nach mir ginge, müsste das gar nicht sein. Ein günstigerer Preis würde schon reichen. Vielleicht probiere ich als nächstes mal den Rewe Lieferservice aus.

    Mehr: Hellofresh hebt Prognosen an – Aktie auf Rekordhoch

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