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Kochboxversender Hellofresh ist erstmals profitabel

Der Kochboxenversender hat sich vom Gründungsinvestor Rocket Internet emanzipiert. Erstmals weist er einen bereinigten Vorsteuergewinn aus.
Update: 13.08.2019 - 15:06 Uhr Kommentieren
Der Essenslieferant ist im zweiten Quartal erstmals profitabel gewesen. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Hellofresh-Box

Der Essenslieferant ist im zweiten Quartal erstmals profitabel gewesen.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Düsseldorf Der Kochboxenversender Hellofresh hat erstmals seit seiner Gründung im Jahr 2011 ein Quartal mit einem operativen Gewinn abgeschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, hat es im zweiten Quartal einen bereinigten Vorsteuergewinn (Ebitda) von 18,3 Millionen Euro erzielt. Im vergleichbaren Vorjahresquartal war noch ein Verlust von 3,9 Millionen Euro angefallen.
Das Unternehmen hat damit nicht nur die Erwartungen der Analysten, sondern auch seine eigenen Prognosen übertroffen. „Wegen des starken ersten Halbjahrs verengen wir unsere bisherige Prognose auf den oberen Bereich“, sagte Hellofresh-Chef Dominik Richter am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

Er erwartet nun für das Gesamtjahr ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 28 bis 30 Prozent. Vorher hatten die Erwartung bei 25 bis 30 Prozent gelegen. Die Ebitda-Marge sieht er jetzt im Korridor von minus ein bis plus ein Prozent.

Durch das profitable zweite Quartal ist Hellofresh mit dem wichtigsten Konkurrenten Blue Apron gleichgezogen, der schon vor einer Woche ein positives bereinigtes Ebitda für das zweite Quartal vorgelegt hatte. Der Gewinn lag beim US-Unternehmen bei 4,5 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 4 Millionen Euro. Das war eine Steigerung um 22 Millionen Dollar zum vergleichbaren Vorjahresquartal.

Der große Unterschied zwischen beiden Unternehmen zeigt sich aber beim Umsatz. So hat Hellofresh im zweiten Quartal den Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 37 Prozent auf 437 Millionen Euro gesteigert. Bei Blue Apron sank der Umsatz im zweiten Quartal um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf nur noch 119 Millionen Dollar.

Wegen des Umsatzrückgangs musste Blue Apron schon im vergangenen Jahr die Marktführerschaft auch in seiner Heimat USA an Hellofresh abgeben. Blue-Apron-Chefin Linda Findley Kozlowski erwartet erst im kommenden Jahr eine Rückkehr zum Wachstumskurs.

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Hellofresh, das im Jahr 2017 an die Börse gegangen ist, hat damit sein Ziel, komplett auf eigenen Beinen zu stehen, erreicht. Es war vom Berliner Investor Rocket Internet gegründet worden. Hellofresh-Chef Richter hatte jedoch großen Wert darauf gelegt, sich von Rocket zu emanzipieren.

Der Investor hatte bereits im Zuge des Börsengangs seinen Anteil reduziert. Im Mai hat Rocket dann seinen restlichen Anteil in Höhe von 350 Millionen Euro verkauft.

Dieser Ausstieg tat dem Aktienkurs von Hellofresh jedoch nicht gut. So hatte Rocket seinen Anteil zu einem Preis von rund acht Euro abgestoßen. Das lag deutlich unter dem Ausgabepreis von 10,25 Euro. Seitdem hatte sich der Kurs weitgehend in einem Korridor zwischen acht und neun Euro bewegt. Der erstmalige operative Gewinn und der verbesserte Ausblick ließen den Kurs am Dienstag deutlich ausbrechen. Er sprang nach Börseneröffnung auf bis zu 10,88 Euro, bröckelte in der Folge aber wieder etwas ab.

Teure Kundengewinnung

Auch Analysten waren von der Entwicklung im zweiten Quartal sehr angetan. Die US-Bank JP Morgan hat die Einstufung auf „overweight“ mit einem Kursziel von 14 Euro belassen. Der Kochboxen-Versender habe stark und erneut besser als gedacht abgeschnitten, schrieb Analyst Marcus Diebel in einer Studie. Hellofresh befinde sich auf einem guten Weg zu einem tragfähigen Geschäftsmodell.

Auch Deutsche-Bank-Analystin Nizla Naizer zeigte sich positiv überrascht. Dem Unternehmen sei es gelungen, beim operativen Gewinn die Schätzungen klar zu übertreffen, erklärte sie. Auch die Deutsche Bank empfiehlt die Aktie zum Kauf mit einem Kursziel von 15 Euro.

Sowohl Hellofresh als auch Blue Apron liefern an ihre Kunden Kochboxen aus, die genau abgewogene Zutaten und ein Rezept für ein bestimmtes Gericht enthalten. Ihr Problem ist jedoch, dass etliche Interessenten nach kurzer Zeit wieder abspringen. Deshalb muss immer wieder viel Geld aufgewendet werden, um neue Kunden zu gewinnen.

Bei Hellofresh liegen die Marketingkosten für die Gewinnung eines Neukunden nach eigenen Angaben bei 70 bis 80 Euro, ein Betrag, mit dem er „sehr glücklich“ sei, wie Hellofresh-Chef Richter sagte. Tendenziell nimmt diese Belastung jedoch ab. „Je weiter entwickelt unsere Märkte sind, desto stärker werden die Vorteile des Größenwachstums und desto stärker sinken die Marketingausgaben, weil der Anteil der Stammkunden steigt“, sagte Finanzchef Christian Gärtner.

Das spiegelt sich auch in den aktuellen Zahlen. Im zweiten Quartal stiegen die Marketingausgaben zwar um 24,5 Prozent auf 92,6 Millionen Euro. Aber da der Umsatz stärker gewachsen ist, sank der Anteil der Marketingkosten von 23,3 auf 21,2 Prozent.

Die hohe Abhängigkeit von der Neukundengewinnung zeigte sich beim Konkurrenten Blue Apron ganz deutlich. So war der massive Einbruch des Umsatzes um gut ein Drittel eine direkte Folge von Einsparungen im Marketing. Denn im zweiten Quartal hatte Blue Apron die Kosten dafür auf 8,2 Prozent des Umsatzes gesenkt. Im Vorjahresquartal lagen sie noch bei 19,3 Prozent.

Mehr: Der Essenslieferdienst Deliveroo zieht sich aus dem deutschen Markt zurück und möchte sich aufs globale Wachstum konzentrieren. Lieferando profitiert.

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