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Bier in einem Londoner Pub

Sogar im Parlament stand das Thema bereits auf der Tagesordnung.

(Foto: Reuters)

Kohlensäure-Engpass Die Bierkrise auf der Insel verschärft sich

Seit Tagen gibt es in Großbritannien einen Engpass bei der Versorgung mit Kohlensäure. Die Folgen machen nicht nur Fußballfreunden große Sorgen.
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London, HamburgDie Briten könnten am heutigen Donnerstag voller Vorfreude auf die letzte Vorrundenpartie der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Belgien blicken – schließlich sind sie als Gruppenerster schon eine Runde weiter. Doch ein anderes Problem droht die Freude zu trüben: Die Versorgung mit Bier und Grillgut ist in Gefahr.

Seit Tagen kursieren Nachrichten, dass das Kohlendioxid ausgeht - und damit die prickelnde Kohlensäure. Je länger der Nachschub ausbleibt, desto deutlicher werden die Folgen sichtbar. Die britische Großhandelskette Booker, die Restaurants, Cafés und Bars beliefert, hat nun den Verkauf von Getränken rationiert: Jeder Kunde darf nicht mehr als zehn Kisten Bier oder fünf Kisten Cidre kaufen, teilte der Konzern mit.

Der britische Bier- und Pub-Verband warnte, dass der Kohlendioxidmangel „weiterhin die Bierbrauer in Großbritannien beeinträchtigt“. Die Pub-Kette JD Wetherspoon erklärte, dass einige Biersorten nicht mehr ausgeschenkt würden. Keine Nachricht, die die Briten auf die leichte Schulter nehmen, denn Wetherspoons ist eine der größten Gastronomieketten des Landes, zu der fast 1000 Lokale gehören.

Auch Skandinavien ist betroffen

Sogar im Londoner Parlament stand das Thema bereits auf der Tagesordnung. Seit über 75 Jahren produziere die Brauerei Holden’s ihr Bier, „ohne Unterbrechung, sogar im Zweiten Weltkrieg“, meldete sich der Labour-Abgeordnete Ian Austin zu Wort, „aber diese Woche musste die Brauerei den Betrieb einstellen, wie viele andere auch“, sagte er. „Was macht die Premierministerin gegen den CO2-Engpass, damit wir alle mit einem Bier die Fußballweltmeisterschaft genießen können?“

Theresa May zeigte sich verständnisvoll: Man arbeite hart, dass sein Wunsch in Erfüllung gehe, entgegnete sie, die Regierung stehe im engen Kontakt mit Vertretern der Branche.

Aber Experten befürchten, dass es noch einige Tage oder gar Wochen dauern könnte, bis die Probleme behoben seien. Kohlendioxid ist ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Ammoniak für Dünger. Da Düngemittel vor allem zwischen August und März produziert werden, laufen viele Anlagen im Sommer nicht. In diesem Jahr haben einige Hersteller laut Fachblatt „Gasworld“ wegen niedriger Preise länger zu als gewohnt. Außerdem stehen drei große britische Betriebe wegen Wartungsarbeiten still. Und der Nachschub aus Nordeuropa ist ins Stocken geraten.

Die Nachrichten betreffen nicht nur Biertrinker: So habe Coca-Cola seine Fertigung in Großbritannien kurzzeitig unterbrochen, teilte das Unternehmen mit. Bisher könne aber noch alles geliefert werden. Das Gas wird nicht nur zur Herstellung von Bier und anderen sprudelnden Getränken verwendet, sondern auch bei der Schlachtung von Tieren und bei der Haltbarmachung von leicht verderblichen Lebensmitteln wie Fleisch oder Salat.

In Schottland musste ein Schlachtbetrieb pausieren. Der Verband der fleischverarbeitenden Industrie warnte, dass man die Haltbarkeitsdaten auf Frischfleisch anpassen müsse, weil die Betriebe weniger CO2 verwenden könnten. Und bei Lieferungen der Supermarktkette Morrisons fehlen Tiefkühlprodukte – denn zur Kühlung setzen die Unternehmen normalerweise aus CO2 hergestelltes Trockeneis ein. In Krankenhäusern wird das Gas ebenfalls benötigt.

Aber Experten befürchten, dass es noch einige Tage oder gar Wochen dauern könnte, bis die Probleme beim Nachschub behoben sein könnten. Quelle: Reuters
CO2-Kanister in einer Bar in London

Aber Experten befürchten, dass es noch einige Tage oder gar Wochen dauern könnte, bis die Probleme beim Nachschub behoben sein könnten.

(Foto: Reuters)

Neben Großbritannien sind auch andere Länder in Nordeuropa betroffen: Die nach eigenen Aussagen älteste norwegische Brauerei Aass produziert derzeit weder Bier noch die beliebte gelbe Limo. „Es ist eine kritische Situation“, sagte Direktor Christian Aass. „Glücklicherweise haben wir noch Waren auf Lager. Wir müssen jetzt sehr gut planen.“

„Kein Mangel oder Notstand“ in Deutschland

Einige Firmen haben die Produktion heruntergefahren, andere entscheiden von Tag zu Tag. Auch Norwegens größter Bierproduzent Ringnes musste Prioritäten setzen. „Bislang haben wir es aber geschafft, sowohl Softdrinks als auch Bier herzustellen“, sagt ein Sprecher. An einen landesweiten Mangel glaube er deshalb nicht.

Immerhin müssen die Deutschen nicht um ihr Bier fürchten – wenngleich sie wohl gern auf ein Glas Bier verzichtet hätten, wenn sie dafür gegen Südkorea gewonnen hätten. Für die deutschen Brauereien sei zwar „teilweise die Beschaffung von CO2 derzeit etwas aufwendiger, jedoch kann man nicht von einem Mangel oder gar einem Notstand sprechen“, teilte ein Sprecher des deutschen Brauer-Bunds in Berlin auf Anfrage mit.

Die größten Bierbrauer der Welt
Platz 15: San Miguel Corporation
1 von 15

Der größte Getränke- und Lebensmittelhersteller der Philippinen schafft es gerade so auf die Top 15. Seinen Ursprung hat das Unternehmen in der 1890 in Manila durch einen Spanier gegründeten Bierbrauerei. Die gleichnamige Biersorte wird in die ganze Welt exportiert. Für den europäischen Markt ist die Tochter Mahou-San Miguel verantwortlich.

Ausstoß: 16,3 Millionen Hektoliter

Quelle: Barth-Haas Group, alle Zahlen für 2016

Platz 14: Tempo Beer Industries
2 von 15

Verwechslungsgefahr: Die größte israelische Brauerei ist auf keine Weise mit dem gleichnamigen Papiertaschentuch-Hersteller verwandt. Im Jahr 1985 erwarb man mittels einer Fusion die alleinigen Produktionsrechte an der Marke Goldstar – die meistverkaufte Biersorte in Israel. Die Geschichte des als koscher zertifizierten Bieres reicht bis in die 1950er-Jahre zurück. Die britische Musikgruppe Duran Duran honorierte die Marke im Jahr 1981 mit einer Nennung zu Beginn des Lieds „Tel Aviv“: „The afternoon, it's one maybe two - Sipping away my last gold star, not so much to do.“

Ausstoß: 18 Millionen Hektoliter

Platz 13: Efes
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Der seit 1969 tätige Marktführer der Türkei nennt sich Anadolu Efes Biracılık ve Malt Sanayii A.Ş. Neben türkischen Brauereien betreibt der Getränkekonzern zahlreiche Standorte in Russland, Kasachstan und weiteren osteuropäischen Staaten. Das Efes Pilsen ist die meistverkaufte Marke des Herstellers.

Ausstoß: 19,5 Millionen Hektoliter

Platz 12: Constellation Brands
4 von 15

Der Ursprung des US-amerikanischen Produzenten und Vermarkters von alkoholischen Getränken liegt ausnahmsweise nicht im Biergeschäft. Im Jahr 1945 wurde Constellation als Weinerzeuger gegründet und ist gemessen an der Menge noch heute der weltgrößte Produzent in der Branche. Aber auch mit dem Bier konnte ein festes Standbein etabliert werden. Im Rahmen einer Übernahme der mexikanischen Grupo Modelo durch AB Inbev musste die Brauereigruppe die Markenrechte verkaufen. Constellation erwarb diese für fast 5 Milliarden Dollar – zu den Marken gehört unter anderem Corona.

Ausstoß: 21 Millionen Hektoliter

Platz 11: Petrópolis
5 von 15

Was hat das urbayerische Kloster Weltenburg mit der zweitgrößten Brauereigruppe Brasiliens zu tun? Die Benediktinerabtei bezeichnet sich selbst als „älteste Klosterbrauerei der Welt“ – Aufzeichnungen belegen, dass in Weltenburg bereits im Jahr 1050 Bier hergestellt wurde. Nur 960 Jahre später erwarb Petrópolis die Lizenz zur Produktion des Weltenburgers. Die brasilianische Privatbrauerei ist weiterhin für Marken wie Itaipava, Crystal und Black Princess verantwortlich.

Ausstoß: 21,4 Millionen Hektoliter

Platz 10: Groupe Castel
6 von 15

Im Jahr 1949 gründete der Franzose Pierre Castel die nach ihm benannte Brauerei – und gibt die Leitung des Unternehmens bis heute nicht aus Familienhand. Castel ist nicht nur führender Weinproduzent in Europa, sondern setzt vor allem auf ein starkes Getränkegeschäft in Afrika.

Ausstoß: 32,9 Millionen Hektoliter

Platz 9: Kirin
7 von 15

Der japanische Brauereikonzern pflegt eine lange Tradition. Seit 1885 ist Kirin im Geschäft, agiert heutzutage allerdings als Teil der Mitsubishi-Gruppe. Die gleichnamige Biermarke lässt sich auch hierzulande bei so gut wie jedem Japaner bestellen. Neben der Produktion von Ichiban Shibori, der zweiten in Japan sehr beliebten Marke, übernimmt der Konzern auch den Vertrieb einiger ausländischer Biere wie Budweiser und Heineken.

Ausstoß: 42,5 Millionen Hektoliter

Die deutsche Radeberger-Gruppe spürt die Knappheit an Quell-Kohlensäure ebenfalls. „Es ist richtig, dass es Versorgungsengpässe im Markt gibt, die dank Wetter- und Weltmeisterschaftseffekten durch eine positive Absatzentwicklung im Bier- und Getränkemarkt weiter forciert werden“, sagte eine Sprecherin. Radeberger könne das in den Brauereien und Mineralbrunnen aber bislang noch erfolgreich ausgleichen.

Mit Material von dpa.

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Mehr zu: Kohlensäure-Engpass - Die Bierkrise auf der Insel verschärft sich

1 Kommentar zu "Kohlensäure-Engpass: Die Bierkrise auf der Insel verschärft sich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hallo,

    ich hatte eigentlich bei meinen Aufenthalten im Vereinigten Königreich die Kohlensäure im Bier gar nicht bemerkt! Die geht wahrscheinlich auch beim Wärmen verloren.

    Übrigens ensteht Kohlensäure auf natürliche Weise bei der Gärung. Das sollte eigentlich dann diejenige sein, die man im Bier wiederfindet..., aber da ist wohl heutzutage passé, wo man jedes Getränk konzentriert, konserviert und beim zapfen unter Kohlensäure setzt.

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