Kommentar Ryanair-Chef O’Leary gefährdet den Ruf seiner Airline – und die Wachstumsziele

Der Billig-Airline droht ein Streik-Chaos. Das bringt Michael O’Leary in Schwierigkeiten. Denn die Kunden machen längst nicht mehr alles mit.
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Für viele ein rotes Tuch: Ryanair-Chef Michael O'Leary. Quelle: Reuters
Michael O'Leary

Für viele ein rotes Tuch: Ryanair-Chef Michael O'Leary.

(Foto: Reuters)

Für manche seiner Mitarbeiter ist Michael O’Leary ein rotes Tuch. Und das nicht ohne Grund. Schließlich hat der Chef des Billigfliegers Ryanair in den vergangenen Jahren keinen Hehl daraus gemacht, was er von ihren Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitsbedingungen hält: nichts. Dass Ryanair nun so heftig wie nie zuvor bestreikt wird, ist deshalb keine große Überraschung. Aber das bringt den Manager in Schwierigkeiten.

O’Leary hat einmal gesagt, die Deutschen würden für billige Flugtickets „nackt über Scherben kriechen“. Da ist etwas Wahres dran. Die Deutschen finden Geiz geil – aber Urlaub eben auch. Und viele haben noch nicht das Chaos im vergangenen Sommer vergessen, als Ryanair schon einmal Tausende Flüge streichen musste.

Wenn Ryanair den Ruf als zuverlässige Airline verspielt, wird sich so mancher Kunde überlegen, ob er nicht doch lieber mehr für sein Flugticket zahlt und mit einer anderen Gesellschaft fliegt. Falls O’Leary darauf spekuliert, dass auch die Konkurrenten gerade mit heftigen Verspätungen zu kämpfen haben und deswegen keine verärgerten Ryanair-Kunden anlocken können, wäre es keine nachhaltige Strategie.

O’Leary muss bald eine Lösung finden und die Streiks stoppen, sonst geraten seine Wachstumsziele in Gefahr. Allerdings ist es gefährlich für einen Billigflieger, das Low-Cost-Geschäftsmodell mit höheren Arbeitskosten zu verwässern. Das wiederum droht Investoren zu verärgern. Solange die Zahlen in der Vergangenheit stimmten, haben sie O’Leary den Rücken gestärkt. Schließlich hat die Aktie ihnen gute Gewinne eingebracht. Aber die Zeiten haben sich geändert.

Nun steht O’Leary vor der schwierigen Aufgabe, die Streiks zu beenden, trotzdem die Kosten gering zu halten, Kunden mit billigen Tickets anzulocken und die schlechteren Wachstumsraten den Investoren zu erklären. Das ist nicht leicht. Aber O’Leary hat keine andere Wahl – selbst wenn er dafür selbst über Scherben kriechen muss.

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