Kommentar zur Lufthansa Zu viele Baustellen für Carsten Spohr

Lufthansa-Chef Carsten Spohr will die Germanwings-Katastrophe für einen Neustart bei dem Konzern nutzen. Doch sein Konzept verfängt bei den Aktionären nicht so richtig. Ein Kommentar.
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Der Lufthansa-Chef will bei dem Konzern einen Neustart wagen. Quelle: ap
Carsten Spohr

Der Lufthansa-Chef will bei dem Konzern einen Neustart wagen.

(Foto: ap)

HamburgSie sollen Lufthansa in die Zukunft führen, den Konzern wettbewerbsfähig machen: die Billigangebote auf der Kurz- und Langstrecke. Doch der Plan von Konzernchef Carsten Spohr will bei den Aktionären nicht so richtig verfangen. Viele sind skeptisch, vor allem was die Billigpläne zu touristischen Zielen angeht. Der oberste Lufthanseat musste sich im Congress Center Hamburg kritischen Fragen stellen.

Nun müssen die Billigangebote nicht bei den Aktionären ankommen, sie müssen in erster Linie die Kunden überzeugen. Und vielleicht hat Spohr ja den richtigen Riecher. Vielleicht warten da draußen viele Fluggäste darauf, von einer neuen Airline, auf deren Leitwerk Eurowings steht, in den Urlaub geflogen zu werden.

Der Autor ist Redakteur im Ressort Unternehmen und Märkte. Quelle: Pablo Castagnola
Jens Koenen

Der Autor ist Redakteur im Ressort Unternehmen und Märkte.

(Foto: Pablo Castagnola)

Doch Fragen bleiben. Etwa die, warum eine zusätzliche Wettbewerbsfront mit Tourismus-Airlines wie Condor oder Air Berlin öffnet? Hat der Kranich etwa nicht genug Rivalen, die Golf-Carrier, Turkish Airlines und Billig-Fluggesellschaften wie Ryanair und Easyjet? Er hat. Die Rivalen haben ihre Angriffe in der schwersten Krise der „Hansa“ nicht zurückgestellt.

Klar, Spohr kann den deutschen und europäischen Markt nicht einfach weitgehend dem Wettbewerb überlassen. Anders als etwa British Airways hat Lufthansa kein zentrales Drehkreuz wie London, das alleine genug Passagiere für die eigene Flotte bereitstellt. Der deutsche Branchenprimus braucht dazu mindestens zwei Drehkreuze, Frankfurt und München. Damit braucht er aber auch zumindest ein europäisches Netz mit einer gewissen Größe.

Doch die Idee, auch mit dem Billigkonzept auf die Langstrecke zu gehen, lässt sich damit nicht begründen. Spohr bestreitet, dass dieser Plan nur ein Experiment ist. Man sei mit vollem Ernst bei der Sache. Doch die Geduld der Aktionäre ist begrenzt. Das hat die Hauptversammlung in Hamburg gezeigt. Der Druck auf den Lufthansa-Chef ist gewachsen.

Es sieht so aus, als will Spohr die Katastrophe zu einer Art Neuanfang nutzen. Das Angebot an die Pilotengewerkschaft, ab sofort über alle offenen Fragen in einer Verhandlung sprechen zu wollen, ist hierbei ein wichtiger Schritt. Doch wichtiger ist noch, dass alle Gruppen im Konzern künftig ihre Partikularinteressen etwas stärker in den Hintergrund stellen und gemeinsam an der strategischen Neuausrichtung des Konzerns arbeiten. Und dabei sollte auch die Strategie noch einmal intensiv geprüft werden. Nur so kann die Lufthansa ihr Ziel erreichen: die Nummer eins zu werden – bei den Passagieren aber auch bei den Aktionären.

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