Konsumgüter Henkel muss schöner werden

Die Beautysparte des Düsseldorfer Konsumgüterherstellers Henkel schwächelte zuletzt. Konzernchef Hans van Bylen muss umsteuern.
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Das Geschäft mit Waschmitteln läuft, aber bei Schönheitsprodukten läuft Henkel hinterher. Quelle: dpa
Probleme im Massenmarkt

Das Geschäft mit Waschmitteln läuft, aber bei Schönheitsprodukten läuft Henkel hinterher.

(Foto: dpa)

DüsseldorfHenkel-Vorstandschef Hans Van Bylen wirkte ganz entspannt, als er vor einigen Tagen das traditionelle Galopprennen „Henkel-Preis der Diana“ in Düsseldorf eröffnete. Es trafen sich die Reichen und Schönen der Landeshauptstadt. Nicht nur die prachtvollen Sommerhüte der Damen zeigten: Hier ging es darum, gesehen zu werden.

Während sich der Markenhersteller in der Oberklasse wohlfühlt, tut sich Henkel in der Mittelklasse schwer – vor allem, wenn es um die Beauty-Sparte des Konsumgüterriesen geht. Im ersten Halbjahr sank der organische Umsatz mit Marken wie Schauma und Syoss ohne Zukäufe um zwei Prozent.

Das meiste Geld verdient der Konzern nicht mit der Schönheit, sondern mit Klebstoffen für die Auto-, Luftfahrt- und Elektroindustrie sowie mit Waschmitteln wie Persil. Der Waschmittelbereich legte organisch um 1,1 Prozent und die Klebstoff-Sparte sogar um 5,0 Prozent zu.

Van Bylen betonte in einer Telefonkonferenz am Donnerstag dennoch die Fortschritte in der Beautysparte. „Wir haben im zweiten Quartal die bereinigte Umsatzrendite leicht auf 18,1 Prozent gesteigert“, verteidigte er den kleinsten Bereich des Düsseldorfer Konzerns.

Immerhin ist es Henkel aber gelungen, das lukrative Geschäft mit Friseuren auszubauen. Rund ein Viertel der vier Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr fuhr der Konzern mit den margenreichen Schönheitsprodukten in Friseursalons ein.

Schwieriger ist das Geschäft aber im Massenmarkt des Einzelhandels. „In den Konsummärkten herrscht weiter ein hoher Wettbewerbs- und Promotionsdruck“, räumte Van Bylen ein. Er wertete es schon als kleinen Erfolg, dass Henkel trotzdem die Marktanteile „im Einzelhandel stabil halten“ konnte. Er setzt in Zukunft auf weiteres Wachstum bei Haarfärbemitteln.

Hinzu kamen im ersten Quartal dieses Jahres die Probleme in Nordamerika. Die Umstellung des Logistiksystems führte zu Problemen in der Lieferkette. Henkel konnte seine Handelspartner nicht wie gewohnt mit Haarshampoo und Waschmittel beliefern.

Das drückte vor allem den Umsatz der Beautysparte im ersten Quartal. Das Problem hat Van Bylen im zweiten Quartal gelöst. „Wir haben jetzt wieder unser normales Servicelevel in den Konsumgütersparten Nordamerikas erreicht“, versicherte der Vorstandschef.

Die Probleme in der Beauty-Sparte treffen Van Bylen besonders hart. Schließlich liegt ihm der Bereich am Herzen. Er hat ihn elf Jahre lang geleitet, bevor er vor gut zwei Jahren an die Konzernspitze rückte. Darum greift er durch, um die Sparte neu aufzustellen. So musste im vergangenen Jahr bereits Spartenchef Pascal Houdayer abtreten. Nun soll dessen Nachfolger Jens-Martin Schwärzler für neues Wachstum im Geschäft mit der Schönheit sorgen.

Auf dem Kapitalmarkt gibt es Stimmen, die es für sinnvoll halten, dass Henkel sich ganz auf das lukrative Friseurgeschäft konzentriert und das Massengeschäft mit dem Einzelhandel verkauft. Doch Van Bylen ist davon überzeugt, dass er auch das umkämpfte Massengeschäft durch Innovationen wieder auf Wachstumskurs bringen kann.

Das würde auch dem gesamten Konzern helfen, der seine Prognose für dieses Jahr beim bereinigten Ergebnis je Vorzugsaktie nach unten korrigieren musste. Statt eines Anstiegs von fünf bis acht Prozent rechnet Henkel nun mit einem Plus von drei bis sechs Prozent. Die Börse reagierte am Morgen enttäuscht und schickte die Aktie nach unten. Doch im Laufe des Tages erholte sie sich wieder und notierte im Nachmittag mit 107,25 Euro fast wieder auf Vortagesniveau.

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