1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel + Konsumgüter
  4. Nestlé: Prognosen über Wachstum 2022 übersteigen Erwartungen

KonsumgüterNestlé erhöhte Preise 2022 um mehr als acht Prozent – Marge gerät unter Druck

Der Nahrungsmittelkonzern wuchs im vergangenen Jahr hauptsächlich durch Preiserhöhungen. Bei Umsatz und Gewinn verfehlte Nestlé die Erwartungen der Analysten.Jakob Blume 16.02.2023 - 11:19 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Umsatz des Herstellers von Nespresso, Maggi, KitKat oder Perrier kletterte 2022 auf 94,4 Milliarden Franken.

Foto: imago/IP3press

Zürich. Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist im abgelaufenen Jahr hauptsächlich durch Preiserhöhungen gewachsen. Der Umsatz legte um 8,3 Prozent auf 94,4 Milliarden Franken (rund 95 Milliarden Euro) zu, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Mit 8,2 Prozent machten höhere Preise für Produkte wie Nespresso, Maggi, Kitkat oder San Pellegrino den allergrößten Teil der Umsatzsteigerungen aus.

Der Gewinn brach dagegen um 45,2 Prozent auf 9,3 Milliarden Franken ein. Allerdings hatte 2021 der Verkauf eines Aktienpakets am Kosmetikkonzern L’Oreal den Gewinn damals aufgebläht. Analysten hatten einer von Nestlé selbst durchgeführten Umfrage zufolge für 2022 durchschnittlich mit einem Gewinn von 11,6 Milliarden Franken und einem Umsatz von 95 Milliarden Franken gerechnet.

Jean-Phillippe Bertschy, Analyst von Vontobel, sieht in der verpassten Umsatzprognose kein Problem: „Das beunruhigt uns nicht.“ Die meisten Marktregionen und Sparten hätten sich erwartungsgemäß entwickelt.

Die Margen des Nahrungsmittelriesen gerieten im abgelaufenen Jahr durch höhere Rohstoffpreise, Transportkosten und Löhne unter Druck. Die Bruttomarge fiel um 2,6 Prozentpunkte auf 45,2 Prozent. Dieser Rückgang ist ein Zeichen dafür, dass Nestlé die höheren Produktionskosten nicht eins zu eins an die Kunden weitergeben konnte. Durch Sparmaßnahmen konnte Nestlé-CEO Mark Schneider die operative Marge bei 17,1 Prozent stabilisieren. Das entspricht einem Rückgang von lediglich 0,4 Prozentpunkten – deutlich weniger als bei der Bruttomarge.

Nestlé-Chef Schneider sagte mit Blick auf 2022: „Die Inflation erreichte ein noch nie da gewesenes Niveau, die Lebenshaltungskosten machten vielen Menschen zu schaffen, und die Folgen geopolitischer Spannungen bewegten die ganze Welt.“ In diesem Umfeld sei es dem Konzern gelungen, ein gutes Ergebnis zu erzielen: „Unser organisches Wachstum war solide und unsere Margen blieben robust. Gleichzeitig haben wir weltweit den Zugang zu nahrhaften und erschwinglichen Produkten sichergestellt.“

Nestlé will Profitabilitätsziele halten

Schneider sieht den Konzern auf einem guten Weg, die mittelfristigen Ziele für die Profitabilität zu erreichen. Für das laufende Jahr stellte der Konzernchef ein organisches Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent und eine operative Ergebnismarge von 17,0 bis 17,5 Prozent in Aussicht. Bis 2025 hat er einen Zielkorridor für die Marge von 17,5 bis 18,5 Prozent ausgegeben. Nestlé stellt zudem ein Dividendenwachstum von rund fünf Prozent auf 2,95 Franken pro Anteilschein in Aussicht. Das entspricht beim aktuellen Kurs einer Rendite von 2,6 Prozent. Das sei ein „starkes Zeichen für die Zuversicht des Managements“, so Vontobel-Analyst Bertschy.

In Nordamerika, dem umsatzstärksten Markt, musste Nestlé nach Abzug der Preiserhöhungen einen Umsatzrückgang verkraften. Im zweitwichtigsten Markt, Europa, fiel es Nestlé zunehmend schwer, die gestiegenen Preise an die Endkunden weiterzureichen. Das Umsatzwachstum fiel auch nach Abzug der Preiserhöhungen zwar positiv aus. Doch die Marge sank um 1,9 Prozentpunkte auf 16,4 Prozent. Damit liegt Europa unterhalb des angepeilten Margenziels.

Marc-Aurel Boersch, Chef von Nestlé Deutschland, sagte: „Wir hinken bei den Preiserhöhungen hinterher.“ In harten Verhandlungen mit dem Handel habe man bislang 60 Prozent der gestiegenen Mehrkosten im Einkauf weitergeben können. Diese beliefen sich Boersch zufolge allein in Deutschland auf 200 Millionen Euro. Für das laufende Jahr rechnet er mit weiteren Mehrkosten im Umfang von 100 Millionen Euro. „Wir kämpfen, um den Umsatz stabil zu halten“, so Boersch.

Er beobachtet jedoch, dass Konsumenten im aktuellen Umfeld zunehmend zu Discounter-Eigenmarken statt zu Premiummarken greifen. Um die Marge zu stabilisieren, spart Nestlé unter anderem im Marketing sowie in der Forschung und Entwicklung. „Wir drehen jeden Cent dreimal um“, so Boersch.

Verwandte Themen
Nestlé
Europa
Unilever

Der Nahrungsmittelriese will vor allem mit Gesundheitsprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln wachsen. Mit drei Zukäufen im Gesamtwert von über einer Milliarde Franken stärkte Nestlé daher die Gesundheitssparte Health Science.

Der Konzern beruft zudem zwei neue Verwaltungsräte: Rainer Blair vom US-Mischkonzern Danaher sowie Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, eine auf Handel spezialisierte Anwältin und langjährige Leiterin des schweizerischen Staatssekretariats für Wirtschaft.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt