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Konsumgüterhersteller Unilever gibt Firmensitz in London auf – Brexit-Debatte wird neu entfacht

Der Konsumgüterriese vereinfacht seine Unternehmensstruktur und gibt seinen Firmensitz in London auf. Für Brexit-Verfechter ein schwerer Schlag.
15.03.2018 Update: 15.03.2018 - 15:01 Uhr 10 Kommentare
Unilever droht nach Firmensitz-Aufgabe aus Leitindex zu fliegen Quelle: Reuters
Unilever-Gebäude in London

Das Unternehmen verlässt Großbritannien.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf „Einfacher, agiler und fokussierter“ soll die neue Unternehmensstruktur sein, die der Konsumgüterriese Unilever beschlossen hat – aber für die britische Regierung, die den Austritt ihres Landes aus der EU vorbereitet, ist die Entscheidung ein Schlag ins Gesicht. Denn Unilever will seine jahrzehntelange Doppelstruktur mit zwei rechtlich eigenständigen Unternehmen, einem in den Niederlanden und einem in Großbritannien, auflösen.

Zwar sollen einzelne Bereiche noch in Großbritannien bleiben, aber der Hauptsitz ist künftig in Rotterdam, teilte Unilever am Donnerstagmorgen mit. Das Unternehmen wird künftig in drei Sparten aufgeteilt: Beauty & Personal Care, Home Care und Foods & Refreshment. Die ersten beiden Sparten werden von London aus geführt, Foods & Refreshments von Rotterdam aus.

Unilever ist mit einer Marktkapitalisierung von über 100 Milliarden Pfund das drittgrößte Unternehmen der Insel. Die Aktien des Konzerns werden nach wie vor in London, Amsterdam und New York gelistet.

Langnese, Knorr, Dove – das sind die Marken von Unilever
Ben & Jerry's
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Im Jahr 1978 beschlossen die Freunde Ben Cohen und Jerry Greenfield den US-amerikanischen Speiseeishersteller Ben & Jerry's zu gründen. Durch das humoristische Marketing und soziales Engagement erreichte die Marke schnell Kultstatus. Während in den 80er-Jahren der Versuch von Konkurrent Häagen-Dazs, den Vertrieb zu beschränken, noch erfolgreich abgewehrt werden konnte, waren die Gründer im August 2000 bei der feindlichen Übernahme durch Unilever machtlos. Seither gehört der Hersteller zum Konzern, soziale Projekte bestehen aber weiter fort. Trotzdem ist das Ansehen angeknackst. So musste 2010 etwa der Slogan „All natural“ gestrichen werden, da in fast allen der 53 Eissorten auch künstliche Zusatzstoffe enthalten seien.

(Foto: AP)
Langnese
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Eis am Stiel erfreut sich weltweit größter Beliebtheit. Seit 1935 gehört die Marke mit Produkten wie Magnum, Solero oder dem später integrierten Cornetto zum Konzern – und ist global eine feste Größe. Auch wenn das Speiseeis in anderen Ländern unterschiedliche Namen trägt. So heißt Langnese in Griechenland Algida, in Spanien Frigo und in der Schweiz Lusso.

(Foto: dpa)
Knorr
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Die Geschichte des Lebensmittelherstellers Knorr reicht bis ins Jahr 1838 zurück. Damals eröffnete Carl Heinrich Theodor Knorr einen Gemischtwarenladen in Heilbronn. In der Folge überstand das Unternehmen zwei Weltkriege, im Jahr 1959 stieg aber die CPC-Tochter Maizena zum Mehrheitsaktionär von Knorr auf und setzte die Umwandlung in eine GmbH durch. Maizena selbst ging 1998 in den neugegründeten Bestfoods-Konzern auf, der wiederum zwei Jahre später mit weiteren Marken wie Mondamin von Unilever übernommen wurde.

(Foto: picture alliance)
Lipton
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Der Konsumgüter-Konzern erwarb die Marke zwischen den Jahren 1938 und 1972 und entwickelte seitdem neue Marken und Produktmodelle.

(Foto: Imago)
Bertolli
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Mit dem Hersteller von unter anderem Teigwaren und Olivenöl wird es bei Unilever echt italienisch. Im Jahr 1865 in der Toskana gegründet, blieb das Unternehmen fast einhundert Jahre lang in familiärer Hand. Ab 1963 ging es dann aber hin und her. Erst Montecatini, dann Montedison (1966), anschließend die Società Meridionale di Elettricità (1972) und 1994 letztlich Van den Bergh, eine italienische Unilever-Tochter. Aber damit nicht genug, seit rund einem Jahrzehnt wird Bertolli selbst stark aufgesplittet. So liegt das Olivenöl- und Essiggeschäft heute beim spanischen Konzern deOleo, die Tiefkühlkost-Sparte bei der US-Firma ConAgra Foods und die nordamerikanischen Saucen- und Pastaaktivitäten gingen nach Japan an Mizkan.

(Foto: ad publica)
Pfanni
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Der bekannte Hersteller von küchenfertigen Kartoffelprodukten wurde 1949 von Werner Eckart gegründet und hat einen ähnlichen Werdegang wie Knorr hinter sich. 1998 wurde das Unternehmen an CPC Deutschland verkauft, das später in Bestfoods umbenannt und zwei Jahre später von Unilever übernommen wurde. Die Pfanni GmbH & Co. OHG firmiert heute im mecklenburg-vorpommerischen Stavenhagen.

(Foto: picture alliance)
Du darfst
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Als „erste Lightmarke“ wurde Du darfst in den 70er-Jahren mit einer Halbfettmargarine eingeführt und richtet sich bis heute vornehmlich an Frauen. Es folgten verschiedene Käsevarianten sowie Konfitüre und Wurst. Heute erstreckt sich die Marke auf über 40 Produkte.

(Foto: picture alliance)

In der knappen Pressemitteilung vermeidet der Konzern die Darstellung, dass die Entscheidung auf den Brexit zurückzuführen ist. Der Konzern weist einen Zusammenhang betont von sich. Die Verlegung des Firmensitzes nach Rotterdam sei eine strategische Entscheidung mit Blick auf die nächsten 50 Jahre gewesen, die „auf keinen Fall mit dem Brexit zusammenhängt“, sagte Finanzchef Graham Pitkethly. „Wir haben uns für die Niederlande entschieden, weil die niederländische Gesellschaft größer ist als die britische.“

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    Auch CEO Paul Polman betont: „Das hat nichts mit dem Brexit zu tun.“ Unilever sei in 190 Ländern aktiv, die meisten dieser Länder seien nicht in der EU. „Unsere Entscheidung, die Sparten von London und Rotterdam aus zu leiten, unterstreicht unser langfristiges Engagement in beiden Ländern“, teilte Marijn Dekkers, Aufsichtsratsvorsitzender bei Unilever und Ex-Bayer-Chef, mit.

    Doch der Brexit sorgt in der britischen Wirtschaft für Sorgen. Noch immer ist nicht klar, welche Konsequenzen der Abschied aus der EU genau hat, aber als sicher gilt, dass mit dem Brexit für Import- und Exportwaren Zölle anfallen, und es an den Grenzen Kontrollen geben dürfte. Auch wenn der britische Schatzkanzler Philip Hammond vor kurzem noch beteuert hatte, dass Großbritannien ein attraktiver Standort für Investments sei: All das verursacht Kosten.

    Viele Unternehmer müssen sich daher überlegen, welche Konsequenzen sie ziehen: ob und was sie auf der Insel produzieren, dort noch weiter investieren – oder ob sie lieber auf den europäischen Kontinent ziehen, um dort ihre Geschäfte voranzutreiben.

    „Die von Unilever avisierte Holding-Struktur mit Sitz in den Niederlanden könnte auch für andere internationale Konzerne eine attraktive Alternative sein“, erklärt der Steuerrechtsexperte Tino Duttiné von Norton Rose Fulbright in Frankfurt. „Der Binnenmarkt bietet viele Vorteile, nicht nur steuerlich.

    Die Niederlande sind auch nicht der einzige Mitgliedsstaat, der vom Brexit durch Sitzverlegungen profitiert. In Luxemburg wollen sich einige Versicherungsunternehmen ansiedeln. Gerade ein zu erwartender harter Brexit bringt eine Reihe von Nachteilen mit sich, welche Unternehmen nicht gerne eingehen.“

    Einen so deutlichen Schritt wie Unilever hat bisher aber noch kein Unternehmen unternommen. Unilever beteuert zwar, dass man an die Zukunft Großbritanniens glaube und auch noch zwei von drei Bereichen von der Insel gesteuert werden – aber der rechtliche Hauptsitz des Konzerns ist eben doch auf dem europäischen Kontinent.

    Vergebliches Werben der britischen Regierung
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    10 Kommentare zu "Konsumgüterhersteller: Unilever gibt Firmensitz in London auf – Brexit-Debatte wird neu entfacht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Entscheidung ist richtig. Alleine der täglich Weg zur Arbeit ist teuer und kostet Zeit. Der Firmensitz in Rotterdam liegt unweit des Bahnhofs. Vielleicht sind auch die Steuern etwas günstiger

    • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

    • Natürlich geht es um den BREXIT: Wie man ja lesen kann, haben die Niederlande Unilever mit einem fürstlichen Steuergeschenk angestiftet, von London nach Rotterdam umzuziehen. Die EU-Staaten lassen es sich, bzw. ihre Steuerzahler, etwas kosten, wenn es wie hier wieder einmal darum geht, die Briten für den BREXIT kräftig abzustrafen.

    • Hallo Herr Faust...mit den Weltkriegen hat man auch die Patente und Markenrechte des Verlierers enteignet. Das betrifft auch Persil, dessen Markenrechte in den einstig britischen Kolonien an Unilever ging.

    • In mehreren Märkten, etwa ja UK, nutzt Unilever die Marke "Persil".

    • Herr Grutte Pier - 15.03.2018, 10:50 Uhr

      Nur mal so zur Kenntnis: Unilever wird künftig nur in den Niederlanden einen rechtlichen Hauptsitz haben. was ist Großbritannien verbleibt nennt man rechtlich eine Betriebstätte - ein völlig anderes Paar Schuhe als ein Hauptsitz.

    • Die Brexit-Bashing Überschrift passt nicht zu dem, was im Text als Fakt angegeben ist.
      Somit nur eine "Annahme" ohne weitere Belege des Autors - selbstverständlich ohne das Bemühen, die Meldung in eine bestimmte Richtung zu lenken...

    • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

    • PERSIL??
      Gehört zu Helkel

    • Persil ist bestimmt nicht Marke von Unilever sondern Henkel. Bitte korrigieren.

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