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Nivea-Creme

Nivea ist die Vorzeigemarke von Beiersdorf.

(Foto: dpa)

Konsumgüterkonzern Beiersdorf im Bilanzcheck: Der Nivea-Konzern ist ein Hort der Liquidität

Beiersdorf ist oftmals scharf kritisiert worden, weil der Konzern die Hälfte des Vermögens in Finanzpapiere steckte. Jetzt profitiert das Unternehmen davon.
28.04.2020 - 15:25 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Der Nivea- und Tesa-Produzent Beiersdorf hat über die Jahre hinweg Milliarden Euro regelrecht gehortet und wirkte zuweilen eher wie eine Bank mit angeschlossenem Kosmetik- und Klebstoffgeschäft. Doch in der aktuellen Krise macht den Dax-Konzern seine bemerkenswert starke Cash-Position zu einem der robustesten Werte im Konsumgüterbereich.

So zählten zu den Finanzanlagen Ende 2019 langfristige Wertpapiere (mit einer Restlaufzeit von mehr als zwölf Monaten) im Wert von knapp 2,8 Milliarden Euro sowie kurzfristige Wertpapiere im Wert von 770 Millionen Euro. Hinzu summieren sich 1,14 Milliarden Euro Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente, darunter Bankguthaben. Dies ergibt die Summe von 4,71 Milliarden Euro.

Damit sind die Finanzanlagen fast ebenso hoch wie das Vermögen, das Beiersdorf in sein operatives Geschäft gesteckt hat. Hinzu kommt: In dieser Summe sind jene 9,99 Prozent an eigenen Aktien, die Beiersdorf seit einem Rückkaufprogramm 2004 hält, noch nicht einmal enthalten. Und die wären derzeit an der Börse weitere 2,4 Milliarden Euro wert.

Auch diese Anteile könnte der Konzern relativ kurzfristig in Bares umwandeln. Rechnet man alle kurz- und langfristigen Positionen zusammen, hat Beiersdorf sein Cash-Polster innerhalb eines Jahrzehnts auf über sieben Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

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    Konkret ergibt sich für das Geschäftsjahr 2019 nach Abzug der kurzfristigen Bankverbindlichkeiten sowie der erstmals (wegen der neuen Bilanzierungsregel IFRS 16) bilanzierten operativen Leasingverbindlichkeiten eine Nettoliquidität von 4,25 Milliarden Euro.

    Die ist im Vergleich zum Vorjahr (4,4 Milliarden Euro) leicht gesunken, was unter anderem auf die Akquisition der US-Sonnencrememarke Coppertone sowie auf die Steigerung der kurzfristigen Verbindlichkeiten um 263 Millionen Euro zurückzuführen ist. Beiersdorf hat in der Niedrigzinsphase verstärkt kurzfristige Kredite zum Management von Finanzanlagen und Bankguthaben genutzt.

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    Während die bilanzierten Finanzanlagen im Wert von insgesamt knapp 4,79 Milliarden Euro ein komfortables Polster für die Krise bieten, zeigt sich abermals, dass die Anteilseigner davon erst mal nicht viel haben: Das Finanzergebnis, das 2018 mit minus 49 Millionen Euro sogar negativ war, belief sich 2019 auf gerade einmal fünf Millionen Euro.

    Das liegt auch daran, dass die Anlagen laut Konzernangaben defensiv ausgerichtet sind. Explizit handelt es sich laut Geschäftsbericht um börsennotierte Staats- und Industrieanleihen, sogenannte Commercial Papers, geldmarktnahe Publikumsfonds, Aktien und Aktienfonds. Eine detaillierte Auflistung fehlt, sodass nicht einzuschätzen ist, wie betroffen die Finanztitel von der Coronakrise sind.

    Klar aber ist: Die bislang risikoarmen Anlagen warfen nicht viel Rendite ab. Rechnet man das Pensionsergebnis in Höhe von 13 Millionen Euro und die Zinsaufwendungen fürs laufende Geschäft von ebenfalls 13 Millionen Euro heraus, verdiente Beiersdorf 2019 mit seinen Finanzanlagen 31 Millionen Euro. Das entspricht einer Rendite auf das eingesetzte Kapital von gerade mal 0,65 Prozent.

    Wohin will man mit dem ganzen Geld?

    Das restliche Anlagevermögen von Beiersdorf betrug 5,28 Milliarden Euro, womit der Konzern ein betriebliches Ergebnis von 1,03 Milliarden Euro erzielte. Das wiederum entspricht einer Kapitalrendite von 19,6 Prozent. Die Beiersdorf-Milliarden wären also im operativen Geschäft deutlich besser angelegt worden als in fremden Finanztiteln.

    Diese Rechnung tangiert eine Frage, die Beiersdorf lange nicht beantwortet hat: Wohin will man mit dem ganzen Geld, wie und wohin soll der Konzern wachsen? Die Spaltung in zwei Branchen ohne Bezug zueinander – einerseits das Konsumgütergeschäft mit Cremes, Seifen und Duschgel und andererseits die Klebstoffsparte Tesa – ist ohnehin ungewöhnlich.

    In den meisten börsennotierten Gesellschaften hätten Investoren wohl schon längst die Abspaltung oder den Börsengang der Klebstoffsparte durchgesetzt, die mit gut einer Milliarde Euro nicht mal ein Fünftel des Konzernergebnisses beisteuert.

    Das aber ist aufgrund der besonderen Aktionärsstruktur des Hamburger Konzerns nicht in Sicht. Die Hamburger Tchibo-Dynastie Herz hält über ihre Beteiligungsgesellschaft Maxinvest seit Jahren 51 Prozent an Beiersdorf, Michael Herz gehört dem Aufsichtsrat an.

    Zwar meidet die Familie die Öffentlichkeit, so gut sie kann, aber bekannt ist, dass sie Tesa mit im Konzern halten will – und dass sie die langfristige, konservative und sparsame Unternehmenspolitik vorgibt.

    So hat der Konzern seit Jahren aus der eigenen Schatulle zuvorderst in die eigenen Standorte, Forschung und Entwicklung, digitale Plattformen sowie das Marketing investiert. Die Dividende beträgt seit Jahren magere 70 Cent je Anteilschein und dürfte auch auf der virtuellen Hauptversammlung am Mittwoch wieder so festgelegt werden.

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    Geld floss nicht nur in die blaue Vorzeigemarke Nivea, die niedrige einstellige, aber kontinuierliche Umsatz-Prozentzuwächse erzielt. Es wurde zum Beispiel die Luxuspflegemarke La Prairie gepusht, was sich in den vergangenen Jahren in zweistelligen Wachstumsraten niederschlug. Auch in Erscheinungsbild und Ausrichtung der Apothekenmarke Eucerin hat Beiersdorf viel investiert.

    2019 konnte Beiersdorf hier nach zehn Jahren Forschung den erfolgreichsten Produktstart in der Eucerin-Geschichte ausweisen: einen Wirkstoff gegen das weitverbreitete Problem Hyperpigmentierung.

    Akquiriert hat der Konzern – abgesehen von kleineren Zukäufen im Klebstoffgeschäft – nichts, um das Geschäft zu vergrößern. Erst nachdem im Februar 2019 der frisch berufene Konzernchef Stefan De Loecker das auf Wachstum ausgelegte Strategieprogramm „Care“ ausrief, wurde klar, dass er für Zukäufe in die Schatulle greifen würde.

    Im August 2019 kaufte Beiersdorf der Bayer AG deren US-Sonnenschutzmarke Coppertone für knapp 500 Millionen Euro ab – der teuerste Zukauf in der Konzernhistorie. Die Marke, die Beiersdorf den Zugang zum weltgrößten Sonnenschutzmarkt verschaffte, gilt in den USA als legendär.

    Diese Akquisition ist zuvorderst verantwortlich für die im Vergleich zum Vorjahr deutlich von 463 auf 765 Millionen Euro gestiegenen Investitionskosten in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte, außerdem floss Geld in Werke und den Bau der neuen Unternehmenszentrale in Hamburg.

    Entsprechend zeigt sich in der Kapitalflussrechnung: Der Mittelabfluss aus investiver Tätigkeit stieg um 115 auf 750 Millionen Euro, was der operative Cashflow nahezu exakt ausglich. Dieser stieg von 868 auf 982 Millionen Euro. So blieb der freie Cashflow 2019 mit 232 Millionen Euro nahezu gleichauf mit dem Vorjahreswert.

    Aus heutiger Sicht kam der Zukauf ein Jahr zu früh, da der Bedarf an Sonnencreme im Coronajahr aufgrund der Reisebeschränkungen weltweit erheblich geringer ausfallen dürfte. Mitte 2019 aber war es die ersehnte Gelegenheit zu einem passenden Zukauf, die De Loecker nutzte – und im Übrigen aus eigenen Mitteln finanzieren konnte. Der Kaufpreis entsprach etwa zehn Prozent der vorhandenen Nettoliquidität.

    Beiersdorf profitiert von Massenmarken

    Was die Corona-Pandemie insgesamt für den Konzern bedeutet, ist unklar. Ad hoc teilte Beiersdorf Anfang April die vorläufigen Zahlen für das erste Quartal 2020 mit und zog die Prognosen für das Geschäftsjahr 2020 zurück, nachdem der Umsatz in den ersten drei Monaten des Jahres im Bereich Consumer um 3,3 Prozent und bei der Tesa-Tochter sogar um 5,1 Prozent zurückgegangen war.

    Im Hautpflegebereich spürt Beiersdorf die Corona-Pandemie besonders bei der Marke La Prairie, die etwa zehn Prozent der Consumer-Umsätze beisteuert und deren Produkte in normalen Zeiten vor allem in Asien und auf Flughäfen Absatz finden.

    Mit seinem Übergewicht bei Massenmarken hat Beiersdorf aber noch Glück: Konsumgüterkonkurrenten wie L’Oréal oder Henkel sind stark in den Segmenten Luxus, Parfum oder auch Friseurbedarf vertreten, die jetzt extrem leiden, weil in vielen Ländern Parfümerien oder Friseure geschlossen sind.

    Nivea, 8X4 oder Labello sowie die Medizinpflegemarke Eucerin stehen für Produkte des täglichen Bedarfs, die gerade im Hauptmarkt Deutschland dank der Sonderöffnungsregeln für Drogerien weiterhin rege verkauft werden konnten.

    Anders sieht es bei Tesa aus. Hier lief zuletzt zwar das Industriegeschäft stabil und das Endverbrauchergeschäft wuchs sogar noch rege. Aber der Bereich Automotive, wo Klebstoffe für den stark konjunkturabhängigen Autobau gefertigt werden, schrumpfte.

    Mehr: Livestream aus Leverkusen – Bayer mit erster Internet-HV in Deutschland.

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