Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Konsumgüterkonzern Der neue Unilever-Boss legt enttäuschende Zahlen vor

Erst seit wenigen Wochen ist Alan Jope bei dem Konsumgüterriesen im Amt. Die Ergebnisse des vergangenen Jahres zeigen: Er hat viel zu tun.
Update: 31.01.2019 - 11:43 Uhr Kommentieren
Unilever: Konzernchef Alan Jope legt enttäuschende Zahlen vor Quelle: Bloomberg
Alan Jope

Der Unilever-Chef hält an der Strategie seines Vorgängers fest.

(Foto: Bloomberg)

LondonDie vergangenen Wochen waren hektisch für Alan Jope, den neuen Vorstandsvorsitzenden des Milliardenkonzerns Unilever. Zahlreiche Investoren suchte der gebürtige Schotte auf, um sich vorzustellen und die Investoren zu überzeugen, dass sie Unilever die Treue halten sollen.

Zum Jahreswechsel hatte der langjährige Firmenchef Paul Polman die Verantwortung für das Unternehmen mit 161.000 Mitarbeitern und mehr als 400 Marken – darunter Dove, Knorr, Axe oder Magnum-Eis – an Jope übergeben.

Nicht nur für die Mitarbeiter war das eine große Veränderung. Polman war von den Investoren sehr geschätzt worden – auch wenn er zuletzt viel Kritik kassierte. So hatten viele Investoren Polman seine schroffe Absage einer Übernahme durch Kraft Heinz übelgenommen.

Und auch das letztlich gescheiterte Vorhaben, die Firmenstruktur mit zwei Firmensitzen zugunsten der Niederlande zu vereinfachen, hatte so großen Widerspruch bei britischen Fondsmanagern hervorgerufen, dass Unilever den Plan ad acta legen musste.

Mit Jope wird bei Unilever nun also ein neues Kapitel aufgeschlagen. Allerdings, betonte der 54-Jährige bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das vergangene Jahr, werde er vieles ähnlich machen wie sein Vorgänger. Ganz oben auf seiner Prioritätenliste stehe so „quality growth“, erklärte Jope: Die Steigerung des Gewinns durch „Konsistenz, Wettbewerbsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Profitabilität“.

Wie Polman lege er viel Wert auf Nachhaltigkeit, allerdings nicht um jeden Preis. Auch an dessen Geschäftszielen rüttelt Jope nicht: Bis 2020 soll der Umsatz jedes Jahr um drei bis fünf Prozent und die Marge auf 20 Prozent steigen. Doch die Zahlen des vergangenen Jahres zeigen, dass Jope noch viel Arbeit vor sich hat.

2018 gingen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 51 Milliarden Euro zurück, wenngleich sich hier auch der Verkauf der Brotaufstrichsparte bemerkbar machte. Die Umsatzzahl, die Unilever als Maßstab nimmt – das so genannte „underlying sales growth“ – wies ein Plus von 2,9 Prozent aus, lag damit aber unter den Erwartungen der Analysten.

Drogerieprodukte laufen besonders gut

Die Marge belief sich auf 18,4 Prozent – immerhin ein deutliches Plus von 90 Basispunkten im Vergleich zum Vorjahr. Die höheren Margen und die Erlöse durch den Verkauf der Brotaufstrichsparte führten dazu, dass der Gewinn mit 9,8 Milliarden Euro mehr als 51 Prozent höher lag als ein Jahr zuvor. Aber dennoch zeigten sich Analysten nicht beeindruckt.

2018 war für Unilever „ein solides Jahr“, verkniff sich Jope so auch allzu euphorische Kommentierungen. „2919 dürfte das Umfeld herausfordernd bleiben.“ Deswegen erwarte er, dass der Umsatz am unteren Ende der Spanne von drei bis fünf Prozent liegen werde.

Von den drei Sparten – Beauty-Produkte, Lebensmittel und Erfrischungen sowie Haushalts-Produkte – liefen die Drogerieprodukte besonders gut, etwa Hautreinigungsmittel von Dove. Aber steigende Rohstoffpreise und Währungsschwankungen machten Unilever Schwierigkeiten.

Auch die sozialen Entwicklungen in einigen Schwellenländern bekam der Konzern im vergangenen Jahr zu spüren. 59 Prozent seiner Umsätze erzielt Unilever mittlerweile in den Emerging Markets, drei Viertel davon in Asien. Dort liefen die Geschäfte auch gut, nicht zuletzt dank der Einführung neuer, lokal entwickelter Produkte wie Hijab Fresh.

Probleme auch in Europa

Weniger erfolgreich war Unilever dagegen im vergangenen Jahr in Lateinamerika, wo vor allem die Hyperinflation in Argentinien und ein Streik in Brasilien auf die Unilever-Zahlen durchschlug.

Und auch in Europa steht Unilever vor Problemen. Das Wachstum betrug weniger als ein Prozent. Nicht zuletzt, weil die deutsche Supermarktkette Kaufland zum Jahreswechsel die Waren von Unilever aus den Regalen nahm.

Nur Eissorten, bei denen der Langnese-Hersteller Unilever eine überragend starke Position hat, bleiben in den Kaufland-Tiefkühlern. Produkte der Marken Knorr, Mondamin, Pfanni, Bertolli, Unox, Lipton, Ben & Jerry's, Coral, Viss, Domestos, Dove, Rexona, Duschdas, Signal und Axe wurden hingegen aussortiert.

Kaufland behauptet, Unilever habe den Händler schlechter stellen wollen als Konkurrenten. Die Unilever-Produkte wären, so argumentiert der Händler, bei Kaufland teurer gewesen als bei anderen. Sein Preisimage will sich Kaufland aber nicht kaputt machen lassen.

Zu diesem heiklen Thema äußerte sich der neue Unilever-Chef Jope am Donnerstag nicht. Vielmehr versprach er, das Unternehmen wieder stärker auf Wachstum zu trimmen, nicht zuletzt dank der Sparmaßnahmen, die bereits sein Vorgänger eingeführt hatte. „Wie ein Adler“ behalte er die Ausgaben im Blick, beteuerte Jope. Doch das reichte nicht, um die Investoren zu überzeugen: Die Aktie sackte im Londoner Handel um drei Prozent ab.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Konsumgüterkonzern - Der neue Unilever-Boss legt enttäuschende Zahlen vor

0 Kommentare zu "Konsumgüterkonzern: Der neue Unilever-Boss legt enttäuschende Zahlen vor"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.