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Konsumgüterkonzern Familiär, aber behäbig: Das sind die Baustellen von Henkel

Der Düsseldorfer Hersteller von Persil und Pattex kämpft mit sinkenden Umsätzen und steht kurz vor einem Chefwechsel. Gelingt der Turnaround?
14.11.2019 - 12:45 Uhr Kommentieren
Die Wasch- und Reinigungsmittelsparte erweist sich als Lichtblick für den Konzern, der mit vielen Baustellen zu kämpfen hat. Quelle: dpa
Persil-Waschmittel

Die Wasch- und Reinigungsmittelsparte erweist sich als Lichtblick für den Konzern, der mit vielen Baustellen zu kämpfen hat.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Vorstellung der Zahlen für das dritte Quartal 2019 beim Dax-Konzern Henkel läuft am Donnerstagmorgen schon eine knappe halbe Stunde, als die Frage eines Journalisten aufpoppt: Ob es bei dem Hersteller von Persil und Pattex, der nach Jahren der Erfolgsmeldungen nun mit Gewinnwarnungen, Umsatzrückgängen und überraschendem Chefwechsel aufwartet, lediglich um einen Turnaround gehe? Oder ob der Traditionskonzern gar ein echter Sanierungsfall sei?

Der noch amtierende Chef Hans Van Bylen holt kurz Luft, bevor er zur Widerrede ansetzt. Dann verweist der 58-jährige Belgier auf die Milliardenumsätze, den Cashflow, die sinkende Nettoverschuldung. „Henkel ist kerngesund!“, sagt er mit einer für ihn bemerkenswerten Nachdrücklichkeit in der Stimme.

Und sein Finanzvorstand Carsten Knobel, der neben ihm sitzt, pflichtet ihm bei. Das Wort Sanierungsfall „ist vollkommen fehl am Platz“, meint er. „Das drückt sich auch in unserer Bilanz aus, die seit Jahren hervorragend dasteht. Die Zahlen sprechen für sich selbst!“

Dass Knobel, der zum Jahreswechsel auf den Chefposten wechselt und schon seit April 2013 die Finanzen im Vorstand verantwortet, sich damit selbst lobt – geschenkt. Die Zahlen aber sprechen erst mal von einem Abwärtstrend: Nachdem der Konsumgüterkonzern jahrelang nur Wachstum kannte, stehen unter dem dritten Quartal des Jahres 2019 dicke Minuszeichen.

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    Der um Sonder- und Einmaleffekte bereinigte Gewinn sank in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 von knapp 2,7 Milliarden auf knapp 2,5 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg zwar leicht um 0,8 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro – aber aufgrund positiver Währungseffekte und Zukäufe. Aus eigener Kraft kam der Konzern nicht auf ein Plus, sondern auf ein Minus von 0,3 Prozent.

    Van Bylen führt „ein schwieriges Marktumfeld“ sowie Investitionen in Marken und Digitalisierung als Gründe an. Klar ist: Der Manager, der 35 Jahre im Konzern verbracht und im Oktober überraschend seinen vorzeitigen Abtritt als Konzernchef verkündet hat, hinterlässt seinem Finanzvorstand und designiertem Nachfolger Carsten Knobel einen ganzen Berg an Aufgaben.

    Als eine Großbaustelle erweist sich weiterhin das konjunkturanfällige Geschäft mit Klebstoffen. Gute Geschäfte mit Verbrauchern, Handwerk und Bau konnten die Einbrüche beim darbenden Automobilsektor nicht ausgleichen. Die dortige Unsicherheit bremst das Geschäft – und Besserung ist hier nicht in Sicht.

    Auch die Sparte Beauty Care entwickelt sich schwächer als erhofft. Das Haut- und Haarpflegegeschäft kämpft vor allem mit dem hohen Wettbewerbsdruck, insbesondere in Westeuropa. Auch der anhaltende Abbau von Lagerbeständen in China belastet das Ergebnis.

    Vier Kernziele

    Einziger Lichtblick ist die Wasch- und Reinigungsmittelsparte „Laundry & Homecare“, die im dritten Quartal organisch um vier Prozent zulegte. Vor allem in den Schwellenländern profitierte Henkel, in Nordamerika bleibt das Waschmittelgeschäft jedoch weiter unter Druck.

    Die Jahresprognose bestätigte der Konzern, der seine Erwartungen aber erst im August korrigiert hatte. So gehen die Düsseldorfer, die 2018 einen Jahresumsatz von knapp 20 Milliarden Euro machten, weiter von einem organischen Umsatzwachstum in Höhe von null bis zwei Prozent aus.

    Van Bylen und Knobel präsentieren an diesem Donnerstag nicht nur ihre aktuellsten Zahlen, sondern auch sich zusammen ein letztes Mal. Sie duzen und ergänzen sich. Dabei ist klar: Es sind keine leichten Aufgaben, die der Belgier seinem Nachfolger überlässt. Knobel wiederum muss sich fragen lassen, ob er der richtige Mann für die zukunftsträchtige Ausrichtung des Konzerns ist. Der 50-Jährige gilt als mitarbeiternah, beliebt.

    Aber zur Wahrheit gehört auch, dass sein Lebenslauf dem Van Bylens stark ähnelt. Auch Knobel verbrachte seine gesamte berufliche Laufbahn seit 1995 bei Henkel, auch er bewährte sich in der heute so schwächelnden Beauty-Sparte, bevor er 2012 in den Vorstand aufstieg. Und an der Konzernspitze? Dort arbeitet Knobel eng zusammen mit Van Bylen.

    Nach dem Abgang von Kasper Rorsted, der Henkel auf Profitabilität getrimmt und vielleicht zu viel gespart hatte, stellten sie 2016 dann auch gemeinsam die neue „Strategie 2020+“ vor. Ob Knobel das Konzept im Januar umstellen wird, ist ungewiss, aber bis auf Weiteres lauten die vier Kernziele: „Wachstum vorantreiben“, „Digitalisierung beschleunigen“, „Agilität steigern“ und „in Wachstum investieren“.

    Positiv ließe sich also zusammenfassen: Bei dem Dax-Konzern, bei dem noch immer die Nachfolger des Firmengründers Fritz Henkel mit dessen Ur-Ur-Enkelin Simone Bagel-Trah als Aufsichtsratschefin das Sagen haben, sind die Probleme erkannt und sinnvolle Ziele definiert.

    Ein gemütlicher Gigant

    Nur: Die drei Jahre sind bald um. Und wenn Henkel auf der einen Seite fast liebevoll als familiär geprägter Traditionskonzern umschrieben wird, gilt doch gleichzeitig: Der Markengigant gilt als behäbig und zuweilen träge, die Steigerung der so oft zitierten Agilität ist in Düsseldorf kein Schlagwort für die Imagebroschüre, sondern eine Notwendigkeit.

    „Die Umsetzungsgeschwindigkeit ist für den Konzern offenbar eine große Herausforderung“, urteilt Martina Becker, Konsumgüter- und Handelsexpertin bei der Managementberatung Atreus. Ein Beispiel: Henkel wollte seine „digital erzielten“ Umsätze in diesem Zeitraum mehr als verdoppeln auf über vier Milliarden Euro. Becker sagt: „Dieses Ziel ist nicht in greifbarer Nähe – das Jahr 2020 allerdings schon.“

    Hier seien neue Strategien für Online- und Omnichannel-Handel gefragt. Der Handel macht es vor, Wettbewerber ziehen nach – und bei Henkel? „Beim E-Commerce fehlt noch immer ein klares Konzept“, meint Becker. Dabei ist es ja nicht so, dass Henkel nichts zu bieten hat: Der Konzern sei in einigen Bereichen „stark bei Innovationen“, meint Becker, aber mit Blick auf Konkurrenten wie L‘Oréal oder Procter & Gamble sagt sie: „Die Wettbewerber sind, wenn es darauf ankommt, schneller bei der Umsetzung von Innovationen.“

    Mehr: Carsten Knobel hat bei dem Konsumgüterkonzern rasant Karriere gemacht. Jetzt wird er Vorstandschef und muss Henkel wieder in die Erfolgsspur bringen.

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