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Konsumgüterkonzern JAB will Jacobs-Kaffee und Dr. Pepper an die Börse bringen

Der Vordenker der Milliardärsfamilie Reimann, Peter Harf, verkündet ein neues strategisches Ziel: Die Mutterkonzerne von Jacobs und Dr. Pepper sollen an den Kapitalmarkt.
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Mit Jacobs’ Rückkehr an die Börse würde der JAB-Chef einen Meilenstein erreichen. Quelle: Agentur Focus
Peter Harf

Mit Jacobs’ Rückkehr an die Börse würde der JAB-Chef einen Meilenstein erreichen.

(Foto: Agentur Focus)

Hamburg Die traditionsreiche Kaffeemarke Jacobs mit Ursprung in Bremen soll an die Börse kommen. Die JAB-Holding, die mit Geld der deutschen Industriellen-Erben Reimann ein Kaffee-Imperium zusammengekauft hat, will Jacobs als Teil eines milliardenschweren Kaffeekonzerns aufs Parkett bringen. Das sagte JAB-Chef Peter Harf in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview.

Konkret geht es um die beiden JAB-Konzerne Acorn und Pret Panera – beides Unternehmen im Wert von mehreren Milliarden Euro. „Beide Gesellschaften wollen wir in den nächsten zwei bis drei Jahren separat an die Börse bringen“, sagte Harf der „Lebensmittel Zeitung“.

Unter dem Dach von Acorn hat JAB den fusionierten europäischen Kaffeeanbieter Jacobs-Douwe Egberts (JDE), den frisch vereinten amerikanischen Kaffeekapsel- und Softdrinkkonzern Keurig-Dr. Pepper und den Kaffeehausbetreiber Peets gebündelt.

Zu Pret Panera gehören Kaffeehausketten wie Espresso House, Balzac und Caribou. An beiden Gruppen hält JAB jeweils etwa 60 Prozent der Anteile. JAB bewertete seine Anteile im Halbjahresbericht 2018 mit 9,7 Milliarden beziehungsweise mit vier Milliarden Euro. Die Holding war in den vergangenen Jahren auf großer Einkaufstour unter Kaffee- und Softdrinkmarken.

Harf, der als enger Vertrauter der Reimanns gilt, gab erstmals auch eine Begründung für den überraschenden Abschied seines langjährigen Partners Bart Becht. Beide zusammen hatten in den vergangenen Jahren aus JAB einen weltweit beachteten Finanzinvestor gemacht. Der ehemalige Reckitt-Benckiser-Chef Becht hatte vor einem Monat angekündigt, sich mit erst 62 Jahren aus der JAB-Holding in den Ruhestand zu verabschieden.

Harf nennt nun einen Grundsatzkonflikt als Auslöser für die Trennung: Becht habe stärker in das Tagesgeschäft der Beteiligungen eingreifen wollen, als es Harf recht war. „Als wir 2012 angefangen haben, ging das noch. Mittlerweile haben wir aber einfach viel zu viele Beteiligungen, um uns um die operative Führung jeder einzelnen Beteiligung im Detail zu kümmern“, erläuterte Harf. Das jedoch könne Spitzenmanager abschrecken. Nach einem Börsengang wäre solch ein direkter Einfluss wohl noch schwerer möglich.

Harf will JAB nun stärker als Investmentgesellschaft nach dem Vorbild des Starinvestors Warren Buffett führen. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Führung unserer Beteiligungsgesellschaften mit den richtigen Managern zu besetzen und diese zu beraten“, sagte Harf der Zeitschrift.

Das wirft auch ein Schlaglicht auf die Ankündigung von JAB in dieser Woche, den Anteil am kriselnden Kosmetikkonzern Coty von 40 auf 60 Prozent ausbauen zu wollen. Offenbar beabsichtigt Harf trotz der geplanten Aufstockung nicht, dem gerade angetretenen Coty-Chef und ehemaligen DJE-Manager Pierre Laubies allzu sehr ins Geschäft zu pfuschen. Harf hatte es als Frage der Reputation bezeichnet, die durch einen teuren Zukauf verursachten Probleme bei Coty in den Griff zu bekommen. Dazu wolle er kurzfristig orientierten Anlegern über sein Kaufangebot den Ausstieg ermöglichen. Der bis zu 1,7 Milliarden Dollar schwere Aktienkauf hat allerdings die beiden großen Ratingagenturen S&P und Moody’s auf den Plan gerufen, die für JAB einen negativen Ausblick geben und fordern, die Schulden müssten im Vergleich zum Anlagevermögen in Rahmen bleiben.

Bislang hatte sich JAB nicht zu Börsenplänen für seine Beteiligungen bekannt. Noch vor einem Jahr hatte Partner Becht dem Handelsblatt gesagt: „Wir sind sehr langfristige Investoren, es geht uns nicht um einen guten schnellen Ausstieg. Wir wollen vor allem Wachstum in unseren drei Kerngeschäften: Kaffee für den Einzelhandel, Caféketten und Kosmetik.“

JAB ist aus der Vermögensverwaltung der Benckiser-Erben Reimann hervorgegangen. Neben rund 15 Milliarden Euro Familiengeld verwaltet JAB auch Anlegergelder, etwa von Family Offices und Pensionskassen. In den vergangenen Jahren hat JAB mit Partnern so Deals im Wert von rund 50 Milliarden Dollar gestemmt. Unter anderem hat der Investor den Amsterdamer Kaffeekonzern Douve Egberts dabei von der Börse genommen und anschließend mit der vormaligen Mondelez-Tochter Jacobs fusioniert.

Jacobs-Kaffee war zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Johann Jacobs gegründet und 1990 von der Familie an den börsennotierten Kraft-Konzern verkauft worden, der heute als Mondelez firmiert.

Mit einer Rückkehr von Jacobs an die Börse als Teil der JAB-Beteiligungen würde der heute 72-jährige Ex-Coty-Chef Harf womöglich auch für den eigenen Ruhestand vorsorgen: Er hätte dann einen Meilenstein erreicht.

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