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Nivea-Creme

Nivea ist die Vorzeigemarke von Beiersdorf.

(Foto: dpa)

Konsumgüterkonzern Nivea-Hersteller Beiersdorf beschließt Sparpaket

Auf der virtuellen Hauptversammlung gibt Konzernchef de Loecker keine neue Prognose für 2020 ab. Aber trotz Krise zeigt er sich optimistisch.
29.04.2020 Update: 29.04.2020 - 13:41 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Bei der virtuellen Hauptversammlung von Beiersdorf stand an diesem Mittwoch von Beginn an die Frage im Mittelpunkt: Welche Auswirkungen hat Corona auf das Geschäft des Konsumgüterherstellers mit Cremes, Deodorant und Klebstoffen? Dass diese erheblich sein werden, stellte Aufsichtsratschef Reinhard Pöllath sofort klar: „Die Krise ist und wird eine schwere Last für Beiersdorf, für Händler und Geschäftspartner, für Anteilseigner und Aktionäre, für Sie alle“, sagte er.

Auch Vorstandschef Stefan de Loecker, der kurz darauf ans – natürlich frisch desinfizierte – Rednerpult trat, stellte fest: „Unsere Welt befindet sich in einem Ausnahmezustand. Die Krise ist längst nicht vorbei.“

Eine gute Viertelstunde später in seiner Rede wurde der gebürtige Belgier, der bereits Anfang April die Prognosen für 2020 zurückgenommen hatte, noch deutlicher: Das Ausmaß der ökonomischen Folgen der Coronakrise könne man „zurzeit noch nicht beziffern“, aber sie „werden auch bei Beiersdorf deutlich spürbar sein“.

So kündigte der seit Januar 2019 amtierende Beiersdorf-Chef an, zu sparen: Auf Grund der zu erwartenden Umsatzrückgänge habe der Konzern „Entscheidungen zu Kosteneinsparungen treffen müssen“ und eine Vereinbarung mit dem Namen „Solidarpakt“ verabschiedet. Je nach Eingruppierung werden alle im Konzern, vom Aufsichtsrat über Vorstand und Führungskräfte bis zu jedem Mitarbeiter einen Beitrag leisten.

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    Konkret verzichten alle Mitglieder des Executive Committees auf 20 Prozent ihrer Festvergütung im Zeitraum April bis Dezember, die nächste Managementebene auf fünf Prozent ihrer Festvergütung. Auch die Gruppen der leitenden Angestellten sowie Tarif- und außertarifliche Mitarbeiter würden einen – nicht näher bezifferten – Beitrag zur Einsparung leisten.

    Trotz dieser Bekenntnisse zur Krise mühte sich der seit gut einem Jahr amtierende Konzernchef um Optimismus: „Beiersdorfs Fundamente sind stark genug, um diese beispiellose Krise gemeinsam zu meistern und zu überwinden – und langfristig gestärkt aus ihr hervorgehen zu können.“

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    Rückblickend stellte de Loecker mit festem Blick in die Kamera nochmals klar: „2019 war ein starkes Jahr für Beiersdorf.“ Zum Konzern gehören Marken wie Nivea, Hansaplast und Labello. Man habe mit 4,1 Prozent Wachstum den Markt übertroffen, erfolgreiche Produktinnovationen lanciert, den Einstieg in die Naturkosmetik angestoßen und den digitalen Wandel mit um 40 Prozent im Vorjahresvergleich erhöhten Innovationen erheblich vorangetrieben.

    Gerade die aktuelle Krise zeige, wie elementar digitale Kompetenzen seien. Zum digitalen Ruck bei Beiersdorf, der elementarer Baustein von de Loeckers Konzernstrategie „Care+“ ist, passe es, dass der Konsumgüterhersteller nun nach Bayer und gemeinsam mit der Münchener Rück zu den ersten Dax-Konzernen gehört, die die Möglichkeiten einer rein virtuellen Hauptversammlung nutzen.

    Ganz problemfrei startete das erste Online-Aktionärstreffen allerdings nicht: Beim ein oder anderen Teilnehmen ruckelte die Einwahl, mancher musste Fehlermeldungen ignorieren oder es sogar ein zweites, drittes oder viertes Mal versuchen. Gleichzeitig ist bei Beiersdorf wie auch bei manch anderem Konzern klar: Der rein virtuelle Modus dürfte dem Konzern, der mehrheitlich im Besitz der Tchibo-Gründerfamilie Herz und deren Beteiligungsgesellschaften ist, zupasskommen.

    Auch, wenn de Loecker zu Anfang seiner Rede an die Aktionäre gewandt meinte, „mir ist der jährliche Austausch mit Ihnen wichtig“, und er „finde es schade, dass wir uns nicht persönlich vor Ort treffen können“, ist klar: Die Herz-Familie müht sich stets um Verschwiegenheit, und der Konzern ist dafür bekannt, möglichst nur das zu veröffentlichen, was eine börsennotierte Aktiengesellschaft veröffentlichen muss.

    Fragen zur Akquisepolitik und zur Dividende

    Auf einer echten Präsenzveranstaltung hätte ein Versprecher des Aufsichtsratsvorsitzenden Pöllath wohl noch vor Eröffnung der Fragerunde für Lacher gesorgt: Er las bereits den Satz vor, „wir haben alle Fragen beantwortet“, noch bevor die erste kam. Insgesamt hatten acht Anteilseigner und Aktionärsvertreter vorab 42 Fragen eingereicht.

    Zum Vergleich: Im Vorjahr waren knapp 60 Fragen eingereicht worden. Das ist deutlich weniger als bei anderen Konzernen, bei Bayer waren es zum Beispiel am Tag zuvor 245 Fragen. Die eingereichten Fragen drehten sich dann zum einen natürlich um Corona.

    Ansonsten ging es vor allem auch um Fragen zur Akquisepolitik und zur Dividende: Seit 2009 schüttet der gutverdienende Konsumgüterkonzern, der für seinen soliden operativen Cashflow bekannt ist und Cash-Reserven von mehr als vier Milliarden Euro hortet, magere 70 Cent je Anteilsschein aus.

    Versammlungsleiter Pöllath führte aus: Es habe Stimmen gegeben, die Dividende wegen der Coronakrise ausfallen lassen, andere waren dafür, die Dividende erhöhen, weil manche Aktionäre auf das Geld angewiesen sein könnten. Am Ende habe sich der Aufsichtsrat zu getrennter Abstimmung entschlossen – und damit „zur Stetigkeit“, also weiterhin 70 Cent je Anteilsschein. „So weiß jeder und jede, man kann sich auf die 150 Millionen plus bei Beiersdorf verlassen kann“, sagte Pöllath.

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    Gleichzeitig ist, nachdem der Konzern im Vorjahr die US-Sonnenschutzmarke Coppertone von Bayer für knapp 500 Millionen Euro kaufte, zum Beispiel für den Investor und großen Anteileigner Deka die Frage offen. Vanessa Golz, Spezialistin für Nachhaltigkeit und Corporate Governance, fragte: „Das Geld ist da, die Preise sind günstiger geworden – war Coppertone der einzige Deal oder sind noch weitere Akquisitionen in Planung?“

    Auf Fragen nach weiteren Zukäufen wurde de Loecker so deutlich, wie er wohl werden kann: Akquisitionen zu planen, sei schwierig, es hänge alles „von der Opportunität, die sich ergibt“; ab. Aber klar: „Wenn wir Möglichkeiten sehen, durch Akquisitionen unsere Strategie zu beschleunigen“, blieben Akquisitionen ein Teil der Strategie, „trotz Krise auch dieses Jahr und die nächsten Jahre“.

    Der Vertreter der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger fragte ebenfalls nach dem Coppertone-Deal – dem größten Zukauf in der Konzerngeschichte – und forderten mehr Details etwa zu Marktanteilen. Außerdem blicken Aktionärsvertreter auf den Einstieg von Beiersdorf in den Markt für Naturkosmetik.

    Der boomt, doch die Hamburger Konsumgüterkonzern ist dort erst Ende 2019 eingestiegen – und vorerst nur in den Testmärkten Italien und Frankreich. Hier, das gab auch de Loecker in seiner Anfangsrede zu, sind die Auswirkungen von Corona gerade besonders heftig und dementsprechend Prognosen erst deutlich später als ursprünglich erwartet möglich. Die SdK möchte daher unter anderem mehr dazu wissen, wann und warum erst so spät der Hauptmarkt Deutschland mit Produkten bedacht wird.

    Derzeit mehr als vier Milliarden Euro Nettoliquidität

    Alle Fragen zu Corona wird der Konzern aber vermutlich umschiffen oder abwiegeln. So stellte Finanzvorständin Dessi Temperley in ihrer Rede zur Finanzsituation nochmals klar: Die Erkenntnis vom 2. April, als Beiersdorf seine Prognose für das Jahr 2020 zurückgezogen und mit Verweis auf die Unsicherheiten keine neuerliche abgegeben hatte, gelten weiterhin.

    „Wegen der großen Ungewissheit lassen sich derzeit keine verlässlichen Prognosen abgeben“, betonte die gebürtige Bulgarin, die meistens auf Englisch spricht und auf dieser Hauptversammlung nun auf Deutsch vortrug.

    Langsam, mit leichtem Akzent, führte sie zum Ende ihrer Rede aus: Ihr sei es noch wichtig festzuhalten, „dass Beiersdorf finanziell auf sehr sicheren Beinen steht“. Schließlich hat der Konzern lange sein Geld gebunkert und derzeit mehr als vier Milliarden Euro Nettoliquidität vorzuweisen. Hinzu kommen jene 9,99 Prozent an eigenen Aktien – das erlaubte Maximum für börsennotierte Gesellschaften –, die derzeit etwa 2,4 Milliarden Euro wert sind.

    Schlussendlich gab es dann in der zehnminütigen Abstimmungsphase über insgesamt gerade einmal zwölf Tagesordnungspunkte keine Überraschungen. 76,18 Prozent des Grundkapitals waren bei der Abstimmung vertreten. Die Abstimmenten entlasteten unter anderem Vorstand und Aufsichtsrat und winkten auch die Nachfolge des Vertreters der Unternehmerfamilie Herz im Kontrollgremium durch. So scheidet der 76 Jahre alte Michael Herz, Sohn von Tchibo-Gründer Max Herbst und seit 2004 im

    Aufsichtsrat vertreten, vorzeitig aus – hier hatte es schon Kritik gegeben, dass dessen erneute Aufstellung bei der vorherigen Hauptversammlung ein Verstoß gegen die Altersrichtlinien war. Nun folgt ihm der jüngere Bruder Wolfgang Herz, Jahrgang 1950.

    Vorstandschef de Loecker, der sich zuvor bei Michael Herz für dessen „unternehmerisches Engagement“ und „wohlwollende Unterstützung“ bedankt hatte, begrüßte auch „die Kontinuität“, dass die Familie Herz im Kontrollgremium vertreten sei. Das sei auch „das klare Bekenntnis zu Beiersdorf“ der Familie.

    Um 13.33, fast genau drei Stunden nach Beginn, schloss Versammlungsleiter Pöllath die Internet-HV. Das nächste Aktionärstreffen soll 2021 dann wieder als Präsenzveranstaltung im Kongresszentrum in Hamburg stattfinden.

    Mehr: Im Bilanzcheck zeigt sich, dass Beiersdorf ein Hort der Liquidität ist.

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