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Konzernspitze Metro-Aufseher erwarten starke Führung

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Haniel muss die Aufbruchstimmung nutzen

Seine Einmischung in die Debatte über Cordes' Zukunft vor ein paar Wochen wurde als Eingriff in die gesetzliche Entscheidungsbefugnis des Gremiums gesehen. "Keine gute Governance", heißt es in Kreisen des Aufsichtsrats. Denn Franz Markus Haniel ist seit dem Wechsel mit Kluge nicht einmal mehr einfaches Mitglied im Metro-Rat.

Sobald er Vorsitzender ist, muss Haniel das Vertrauen des hochkarätig besetzten Aufsichtsrats gewinnen. Vor allem aber: Er muss die Aufbruchstimmung nutzen. Von ihm wird Führung erwartet - nicht nur bei der Suche nach einem Nachfolger für Cordes, sondern auch in wichtigen strategischen Fragen.

Schon die Personalie Saveuse könnte jedoch ersten Sprengstoff bergen, denn einige Vertreter auf der Kapitalseite im Aufsichtsrat finden, er sei ungeeignet. Er gilt zwar als ein erfahrener Handelsexperte und hat sich mit der Sanierung der SB-Warenhauskette Real empfohlen. Auch verantwortet er die wichtigen Großhandelsmärkte Cash & Carry in Europa, Nahost und Afrika.

Deutschlands unbekannter Riese
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Haniel gilt als der unbekannte Riese der deutschen Firmenlandschaft. Das Duisburger Unternehmen, das unter anderem auch Anteile am Handelsriesen Metro und am Versandhändler Takkt hält, hatte 2011 bei einem Umsatz von 27,3 (Vorjahr: 27,4) Milliarden Euro einen Einbruch beim Ergebnis vor Steuern von 390 (620) Millionen Euro verbucht. Nach Steuern blieb ein Gewinn von noch 236 (454) Millionen Euro. Die Nettofinanzschulden konnte der ehemalige McKinsey-Chef Kluge leicht abbauen - sie sanken von 5,15 auf 4,85 Milliarden Euro.

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Nach Amtsinhaber Jürgen Kluge war jahrelang Chef der Unternehmensberatung McKinsey in Deutschland und Österreich und übernahm 2010 das Ruder bei Haniel. Kluge gilt als Kenner der deutschen Unternehmenslandschaft und als ausgezeichnet vernetzt. Der Manager wurde am 2. September 1953 in Hagen geboren. Nach dem Studium der Physik an der Universität Köln und der Promotion in Essen begann er 1984 als Berater bei McKinsey. Hier machte er in enormer Geschwindigkeit Karriere: Bereits 1989 wurde Partner und zehn Jahre später Leiter der Mc-Kinsey-Geschäfte in Deutschland und Österreich. Im August 2006 zog er sich von diesem Posten zurück. Kluge ist verheiratet und lebt in Düsseldorf, ganz in der Nähe der Duisburger Haniel-Heimat.

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Jürgen Kluge wollte von Anfang an Vollgas geben. Trotz eines Ergebniseinbruchs im zurückliegenden Geschäftsjahr 2009 arbeite das Unternehmen derzeit daran, im Rahmen einer Strategie "Haniel 2020" zukunftsträchtige Geschäftsfelder zu identifizieren, kündigte Kluge bei seinem ersten großen Auftritt im vergangenen Jahr an. „Analysieren und planen, das waren für Haniel im vergangenen Jahr die Aufgaben. 2011 wird das Jahr der Umsetzung sein", sagt Kluge nun.

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Vor Kluge stand Eckhard Cordes an der Spitze von Haniel, der vom Automann zum Ruhrbaron avancierte. Anfang 2006 kam er von Daimler-Chrysler zur Franz Haniel & Cie. GmbH, wie der Duisburger Mischkonzern vollständig heißt. Der 1950 in Neumünster geborene Manager hatte es beim Stuttgarter Autoriesen vom Trainee bis an die Spitze der wichtigsten Unternehmenssparte gebracht, der Mercedes Car Group.

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Seitdem er die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns in Rekordzeit zurück in die Gewinnzone führte, eilt ihm der Ruf eines erfolgreichen Sanierers voraus. Im Machtkampf um die Nachfolge von Daimler-Chef Jürgen Schrempp zog Cordes jedoch den Kürzeren und ging ins Ruhrgebiet. Cordes ist in zweiter Ehe verheiratet und hat drei Kinder. Im Bild ist der Besprechungsraum für Vorstände in der Haniel-Zentrale zu sehen.

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Zeitgleich mit dem Wechsel an der Firmenspitze hat das Familienunternehmen seine Führung umgebaut: Inzwischen sitzt kein operativer Vorstand der einzelnen Beteiligungen mehr im obersten Managementgremium des Mischkonzerns. Neben Metro-Chef Eckhard Cordes hat zum Jahresende 2009 auch der damalige Chef des Stuttgarter Pharmagroßhändlers Celesio, Fritz Oesterle, den Haniel-Vorstand verlassen. Damit sei "der Vorstand wieder ein rein funktionales Gremium, in dem keine Vorstände aus Unternehmensbereichen oder Beteiligungen vertreten sind", erklärte Haniel-Aufsichtsratschef Franz Haniel damals.

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Eine wichtige Rolle spielt Klaus Trützschler, der bei dem Konzern zuständig ist für die Bereiche Betriebswirtschaft, Recht und Steuern ist. Der als nüchtern geltende promovierte Wirtschaftsmathematiker hat sein halbes Berufsleben bei der Ruhrkohle AG verbracht: Von 1977 bis 2000 war er bei dem Steinkohleriesen beschäftigt, seit 1997 sogar Vorstandsmitglied. Im Oktober 2000 wechselte er zu Haniel. Trützschler, geboren 1948 in Recklinghausen, frönt den Hobbys Skilaufen und Golf, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Saveuse hat aber den Ruf des "Bewahrers". Ein Neuanfang mit dem beherzten Angehen all der Probleme, die die Metro momentan plagen, wäre seine Besetzung deshalb nicht.

Auch die Familie Schmidt-Ruthenbeck, die knapp 16 Prozent an der Metro hält, habe, so heißt es in Metro-Kreisen, Bedenken gegenüber Saveuse. Ihr Vertreter im Aufsichtsrat, der zurückhaltende Peter Küpfer, war während der Diskussion über Cordes gleich zweimal öffentlich als dessen Unterstützer aufgetreten. Läuft es auf eine interne Besetzung hinaus, was angesichts des Zeitdrucks - Cordes wird am Donnerstag wohl zum letzten Mal die Quartalszahlen vorlegen - zu vermuten ist, dürfte Schmidt-Ruthenbeck eher Finanzvorstand Olaf Koch favorisieren. Der 41-Jährige, der Cordes nahesteht, ist zwar sehr jung und hat wenig Handelserfahrung, gilt jedoch als "Macher". Er steht klar für die Strategie der Trennung von Real und Kaufhof.

Joel Saveuse, Vorstand der Metro Group. Quelle: dpa

Joel Saveuse, Vorstand der Metro Group.

(Foto: dpa)

Franz Markus Haniel dürfte sich also gut überlegen, ob er Saveuse den Vorzug geben wird. Schon in Sachen Cordes war es zu Verstimmungen zwischen den Großaktionären Haniel und Schmidt-Ruthenbeck gekommen, die über einen Poolvertrag miteinander verbunden sind. Erst auf Druck Schmidt-Ruthenbecks stellte sich Franz Markus Haniel demonstrativ hinter Cordes. Auch damals spürten die Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat, die Cordes vor allem den Stellenabbau übelnehmen, die Uneinigkeit. Gleiches galt für die Cordes-Kritiker auf der Kapitalseite. Und sie haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie den Großaktionären im Zweifel nicht folgen und ihren eigenen Willen durchsetzen.

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