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Konzernumbau Alle gegen Metro – der Handelsriese steht vor seiner größten Herausforderung

Konzernchef Olaf Koch will Metro wieder auf den Großhandel fokussieren und für den digitalen Wandel rüsten. Doch die Konkurrenz ist schon weiter.
12.12.2019 - 17:40 Uhr Kommentieren
Der Handelsmanager will das Geschäft von Metro stärker fokussieren. Quelle: imago images/sepp spiegl
Metro-Chef Olaf Koch

Der Handelsmanager will das Geschäft von Metro stärker fokussieren.

(Foto: imago images/sepp spiegl)

Düsseldorf Eine Zahl präsentierte Metro-Chef Olaf Koch bei der Vorlage der Jahresergebnisse am Donnerstag mit einem gewissen Stolz. Rund 18 Prozent der Umsätze hat das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr schon mit dem Belieferungsgeschäft gemacht. „Vor zehn Jahren lag diese Zahl bei null“, betonte Koch. Das ist deswegen so bedeutend, weil Metro den Lieferservice als Geschäftsmodell der Zukunft ausgemacht hat. „Da haben wir ein starkes Momentum“, sagt er.

Auch ein zweiter Punkt soll zeigen, wie sehr sich Metro in den vergangenen Jahren unter der Ägide von Koch gewandelt hat. So hat der M-Shop, eine digitale Bestellmöglichkeit, die Metro für kleine Lebensmittelläden oder Kioske anbietet, im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,6 Millionen Euro generiert. „In manchen Ländern bekommen wir im Lieferdienst schon 50 Prozent der Bestellungen digital“, berichtet der Metro-Chef.

Beim Konkurrenten Transgourmet, mit einem Umsatz von mehr als 3,6 Milliarden Euro hinter Metro die Nummer zwei im deutschen Markt, kann man über solche Marken nur lächeln. Dort ist das Liefergeschäft bereits seit Jahren eine Selbstverständlichkeit. Rund 70 Prozent seiner Kunden tauchen schon heute nicht mehr in den Abholmärkten der Tochter Selgros auf.

Und auch die Bestellung über Apps und Webshops ist längst Alltag. „Wir bekommen mittlerweile in der Zustellung 70 Prozent unserer Aufträge digital, weil wir viele Großkunden haben und weniger kleine Gastronomen“, sagt Frank Seipelt, Deutschlandchef von Transgourmet im Interview mit dem Handelsblatt. „Wir sind vor Jahren schon in Vorleistung gegangen und haben die digitalen Prozesse entwickelt mit komfortablen, einfach zu bedienenden Apps“, berichtet er.

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    Es ist ein bisschen wie bei der Geschichte vom Hasen und dem Igel. Sosehr Metro-Chef Koch den Transformationsprozess auch vorantreibt, in vielen Bereichen ist der Konkurrent schon da.

    Transgourmet-Deutschlandchef Frank Seipelt registriert sehr genau, dass sich die Metro anschickt, sein Kerngeschäft mit Großkunden aus der Gemeinschaftsverpflegung, Hotellerie und Systemgastronomie anzugreifen. „Im Liefergeschäft waren die großen Wettbewerber bisher nicht so professionell aufgestellt wie wir. Das ändert sich gerade“, erklärt er.

    „Unser Marktanteil ist nicht groß genug“

    Doch für wirklich angreifbar hält er sich da nicht. „Wir haben jetzt gerade erst wieder zwei neue Großkunden gewonnen“, sagt er. Da habe Transgourmet einfach die professionellsten Strukturen, um solche Kunden zu bedienen. „Das müssen Konkurrenten erst mal aufbauen“, sagt er selbstbewusst.

    Metro versucht das mit aller Kraft. Zuletzt hat der Großhändler mit der Übernahme von Rungis Express ins Liefergeschäft investiert. In Frankreich hat er Pro à Pro gekauft, einen schnell wachsenden Lieferanten an Großküchen, in Asien Classic Fine Foods. Interessiert war Metro auch am deutschen Lieferdienst Frischeparadies, den die Oetker-Gruppe auf den Markt geworfen hatte. Doch dieses Unternehmen mit 600 Mitarbeitern und 180 Millionen Euro Umsatz schnappt sich Ende 2015 ausgerechnet Transgourmet.

    Was Metro das Leben zusätzlich schwermacht: Auch die großen Einzelhändler haben den Großhandel als Wachstumsfeld entdeckt. So hat Edeka gerade erst das Unternehmen Handelshof gekauft. Zu den 2,1 Milliarden Euro Umsatz, die Edeka mit seiner Großhandelstochter Foodservice bisher schon generiert, kommen dann noch mal 640 Millionen Euro dazu. Damit positioniert sich Edeka hinter Metro und Transgourmet als starke Nummer drei im Markt.

    Auch Rewe ist nicht untätig und hat vor wenigen Wochen Lekkerland übernommen, einen Spezialisten für die Belieferung von Kiosken und Tankstellen. Lekkerland wird Teil des neuen Geschäftsbereichs „Convenience“, mit dem das Unternehmen viel vor hat. Rewe-Chef Lionel Souque lobte die „spezialisierte Logistik“ und die „umfassende Großhandels- und Convenience-Expertise von Lekkerland“.

    Und die Konsolidierung im Markt ist noch lange nicht vorbei. Transgourmet-Chef Seipelt hält das für eine „logische Konsequenz“ und kündigt an: „Wenn es für uns Sinn macht, werden wir auch weitere Unternehmen übernehmen.“

    Metro bleibt ebenfalls ehrgeizig. „Unser Marktanteil ist noch nicht groß genug“, sagt Koch, „wir haben noch Chancen auf Wachstum.“ Doch angesichts der Konkurrenzsituation und der Mühen der Transformation ist es für Metro nicht leicht, wirklich zuzulegen. Das zeigt sich gerade im deutschen Markt. Da gelang im abgelaufenen Jahr gerade mal ein flächenbereinigtes Umsatzwachstum von 0,3 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro.

    Zum Vergleich: Transgourmet hat den Umsatz in den vergangenen Jahren stets zweistellig gesteigert, erst in diesem Jahr, so Deutschlandchef Seipelt, spüre das Unternehmen etwas die nachlassende Konjunktur und schaffe diese Marke nicht mehr ganz.

    „Im Großhandel liegt unsere Zukunft“

    Dass bei Metro trotzdem noch das Wachstum im Gesamtkonzern mit 2,4 Prozent im oberen Bereich des Korridors der Prognose von ein bis drei Prozent lag, dafür mussten die Regionen Asien (+ 5,1 Prozent) und Osteuropa (+ 6,3 Prozent) sorgen.
    Fokussierung auf das Kerngeschäft

    Um wieder in allen Regionen nachhaltig auf diese Werte zu kommen, verfolgt der Metro-Chef eine Strategie der Fokussierung auf das Kerngeschäft: die Versorgung der Gastronomie und Hotellerie und der kleinen selbstständigen Händler. „Unser Ursprung ist der Großhandel, und im Großhandel liegt unsere Zukunft“, postuliert Koch.

    Dabei soll ein Ansatz helfen, den Metro „Wholesale 360“ nennt. Dabei wird das Sortiment in den Abholmärkten stärker auf diese wichtigen Kundengruppen zugeschnitten, ergänzt wird das durch neue digitale Tools und einen Onlinemarktplatz für den Großhandel. Außerdem will Metro verstärkt Beratungsdienste für die Kunden anbieten und ihnen beispielsweise bei der Personalsuche oder bei der effizienten Betriebsführung helfen.

    Um für diese Initiativen den Kopf frei zu haben, soll nun auch endlich der Verkauf der Warenhaustochter Real abgeschlossen werden – ein Prozess, der schon im September 2018 angestoßen wurde. Koch ist jetzt zuversichtlich, dass ein Vertrag mit dem aktuellen Bieterkonsortium aus SCP Partners und X+Bricks im Januar 2020 unterzeichnet werden könnte. Auch das Chinageschäft, das zum großen Teil Umsatz mit Privatkunden macht, soll an einen Partner abgegeben werden. Dieser Abschluss ist für das zweite Quartal 2020 geplant.

    Ein nachhaltiger Umbau des Geschäftsmodells wird jedoch noch eine gewisse Zeit brauchen, das weiß auch der Metro-Chef. Zwar soll das operative Ergebnis in drei Jahren um 150 Millionen Euro höher liegen. Doch im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen zunächst mit einem Ebitda auf Vorjahresniveau. Zusätzlich wird ein Sparprogramm Kosten in Höhe von 60 bis 80 Millionen verursachen.

    Bei den Anlegern sorgte dieser Ausblick zunächst für Ernüchterung. Der Kurs fiel am Donnerstag zeitweise um fast vier Prozent. Da half auch nicht, dass Metro die Dividende stabil bei 70 Cent halten will.

    Mehr: Metro hat die Gespräche über den Real-Verkauf mit dem Investor Redos beendet. Nun wird exklusiv mit dem Immobilienunternehmen X+Bricks verhandelt. Profiteur davon ist Konkurrent Kaufland.

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