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Konzernumbau Ikea streicht 7.500 Jobs – und schafft 11.500 neue

Der schwedische Möbelriese Ikea will sich radikal digitalisieren. Dafür sollen Digitalspezialisten eingestellt – und Tausende Stellen gestrichen werden.
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Ikea streicht 7500 Jobs – und schafft 11.500 neue Quelle: Reuters
Ikea in Madrid

Neue Shop-Konzepte sollen mehr Kunden zu Ikea locken.

(Foto: Reuters)

StockholmDer schwedische Möbelriese Ikea steht vor dem größten Konzernumbau seiner 75-jährigen Geschichte: In den kommenden zwei Jahren will das Unternehmen weltweit 7.500 Stellen streichen, aber gleichzeitig 11.500 neue Jobs schaffen.

„Wir müssen gucken, welche Kompetenzen es heute im Unternehmen gibt und welche wir künftig benötigen“, erklärte Ikeas Schweden-Chef Håkan Svedman. Konzernchef Jesper Brodin ergänzte: „Wir sehen, dass sich die Einzelhandelslandschaft in einem nie da gewesenen Ausmaß und Tempo verändert.“

Ikea beschäftigt weltweit 208.000 Menschen. Noch ist nach Unternehmensangaben nicht klar, wo Stellen gestrichen und wo neue geschaffen werden. „Wir wissen noch nicht, wo die neuen Stellen entstehen“, sagte Svedman der schwedischen Nachrichtenagentur TT. Sicher ist nur, dass es in der Verwaltung zu einem Personalabbau kommen wird. Die neu zu schaffenden Stellen sollen dagegen in den Bereichen Software-Entwicklung, Service, Lieferlogistik und City-Shops geschaffen werden.

„Diese Bereiche müssen wir ausbauen“, erklärte Svedman. „Was die digitale Kompetenz betrifft, brauchen wir Software-Entwickler und Menschen, die uns beim Umgang mit den großen Datenmengen helfen. In diesem Bereich waren wir in der Vergangenheit nicht auf der Höhe der Zeit.“

Tatsächlich hat der Möbelkonzern in den vergangenen Jahren immer deutlicher ein verändertes Kundenverhalten bemerkt. „Wir müssen erreichbarer werden“, hatte Svedman deshalb bereits vor einem Jahr erklärt und den Ausbau des Online-Geschäfts sowie weitere City-Shops angekündigt. Ikea, 1943 von dem Anfang des Jahres verstorbenen Ingvar Kamprad gegründet, hat deshalb in den letzten Jahren mit verschiedenen Konzepten versucht, näher an die Kunden zu kommen.

Das ist auch nötig, denn immer mehr Kunden ziehen den Einkauf am Computer dem Besuch in einem der Ikea-Möbelhäuser vor. Im vergangenen Jahr wurden die 403 Möbelhäuser in 49 Ländern von mehr als 800 Millionen Menschen besucht. Die Online-Seite wurde dagegen mehr als zwei Milliarden Mal aufgerufen. 

Das Geschäft im Netz hatte Ikea lange Zeit grob vernachlässigt. Schätzungsweise nur rund fünf Prozent des Umsatzes von knapp 39 Milliarden Euro stammen aus dem Netz. Kein Wunder, denn Ikea-Kunden konnten viele Produkte lange Zeit gar nicht über das Internet bestellen. Das hat sich nun geändert. Und es war dringend notwendig, um das Umsatzziel von rund 50 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 erreichen zu können. 

Mit einer Virtual-Reality-App, über die der Kunde sehen kann, ob ein Ikea-Möbel tatsächlich in sein Wohnzimmer passt, bietet der Konzern seit einiger Zeit einen weiteren Service an. In einigen Ländern testet Ikea zentral gelegene kleinere Abholmärkte: Die Kunden bestellen im Netz und können sich dann das Billy-Regal, den Pax-Kleiderschrank und andere Klassiker in diesen Läden abholen.

Und wer Probleme mit dem Zusammenbau hat, dem hilft Ikea auch. Im vergangenen Jahr übernahmen die Schweden das Arbeitsvermittlungs-Start-up Task-Rabbit. Das vermittelt Handwerker, die den Möbelaufbau übernehmen können.

Es sind nicht die einzigen Neuerungen im Ikea-Reich. Erstmals in der Geschichte des Unternehmens denkt das Ikea-Management über ganz neue Verkaufskanäle für die in handlichen Kartons verpackten Möbel nach: Schon bald könnten das Billy-Regal oder andere Möbel über andere Online-Plattformen verkauft werden.

Amazon und Alibaba als Partner?

Torbjörn Lööf, Chef der Ikea-Muttergesellschaft Inter Ikea, hatte bereits im vergangenen Jahr erklärt, dass der Konzern über den Verkauf seiner Produkte über andere Online-Händler nachdenke. Er wollte die Namen der eventuellen Partner allerdings nicht nennen. „Ikea als Branchenführer wird nur mit den größten und beliebtesten Online-Händlern zusammenarbeiten“, glaubt ein Analyst in Stockholm und sieht Amazon und Alibaba als logische Partner. Wann Ikea mit dem Verkauf über Drittanbieter beginnen wird, ist nicht klar.

Lööf nannte die Pläne die größte Veränderung in den Kundenbeziehungen seit der Gründung Ikeas. Erreichbarkeit, oder wie es bei Ikea heißt „Kundenbegegnung“, ist tatsächlich einer der wichtigsten Eckpfeiler der Neuausrichtung des Möbelriesen. Dazu zählen auch die City-Shops, die Ikea in einigen Ländern eröffnet hat.

In der Stockholmer Innenstadt gibt es zum Beispiel ein Küchenzentrum. Mitarbeiter helfen bei der Planung, geben Design-Tipps und stellen die teilweise umfassenden und deshalb komplizierten Einkaufslisten zusammen. Die Waren werden dann nach Hause geliefert.

In der spanischen Hauptstadt Madrid testet Ikea dagegen einen City-Shop, der hauptsächlich Betten und Schlafzimmer-Accessoires anbietet. „Wir befinden uns derzeit in einer Phase, in der wir testen, was für die Kunden in den Großstädten relevant ist und was nicht“, erklärte Tolga Öncü, bei Ikea verantwortlich für den weltweiten Handel. Durch die Personal-Rochade will Ikea seine Digital-Kompetenzen deutlich erhöhen.

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