Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

„Kopf des Drachen in Europa“ Der Hafen von Piräus ist jetzt die Nummer eins im Mittelmeer

Griechenlands größter Hafen expandiert unter der Regie des chinesischen Staatskonzerns Cosco. Die Coronakrise macht sich bisher kaum bemerkbar.
24.05.2020 - 08:11 Uhr Kommentieren
Der Hafen von Piräus ist jetzt die Nummer eins im Mittelmeer Quelle: dpa
Hafen von Piräus

Drehscheibe der Reederei Cosco.

(Foto: dpa)

Athen Hochbetrieb im Hafen von Piräus: Nicht weniger als elf Containerschiffe wurden am Freitag gleichzeitig an den drei Piers abgefertigt, darunter die „OOCL United Kingdom“ mit einer Transportkapazität von 21.413 Containereinheiten (TEU) – einer der weltweit größten Frachter seiner Art.

Während die EU-Kommission Griechenland für dieses Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 9,7 Prozent prognostiziert, ist in Piräus von einer Corona-Rezession nichts zu spüren. In den ersten drei Monaten stieg der Umschlag leicht auf 1,369 Millionen TEU. Im Vorjahr waren es 1,334 Millionen Einheiten.

Im April und Mai war die Entwicklung ebenfalls stabil. Der Umschlag lag etwa auf Vorjahresniveau, heißt es in Unternehmenskreisen. Der von manchen Branchenexperten erwartete Einbruch im Containerverkehr ist damit in Piräus ausgeblieben.

Damit schreibt der griechische Hafen seine Erfolgsgeschichte fort. Im vergangenen Jahr überholte Piräus mit 5,65 Millionen TEU das spanische Valencia (5,44 Millionen TEU) und stieg zum größten Container-Umschlagplatz im Mittelmeer auf. Das zeigen die in dieser Woche vorgelegten Geschäftszahlen. „2019 war unser bisher bestes Jahr“, sagt Fu Chengqiu.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Chinese mit dem schütteren weißen Haar ist CEO der Hafengesellschaft Piraeus Port Authority (PPA). Captain Fu, wie ihn in der Branche alle nennen, arbeitet seit 1976 für den chinesischen Staatskonzern China Ocean Shipping Company (Cosco), anfangs als 3. Offizier, später als Kapitän und Manager.

    Die Chinesen kamen 2008 nach Piräus. Mit der damaligen konservativen Regierung schloss Cosco zunächst einen Pachtvertrag zum Betrieb eines neuen Containerpiers. 2016 kaufte Cosco dann für 368,5 Millionen Euro vom Staat 51 Prozent der Hafengesellschaft PPA. Der Vertrag sieht vor, dass die Chinesen 2021 weitere 16 Prozent der Aktien übernehmen. Der vereinbarte Kaufpreis liegt bereits auf einem Sperrkonto.

    Cosco brachte den verschlafenen Staatshafen auf Trab. 2008 wurden hier gerade mal 433.582 TEU umgeschlagen. 2019 war es das 13-Fache. Damit ist Piräus jetzt nicht nur die Nummer eins im Mittelmeer. In der Rangliste der europäischen Containerumschlagplätze hat sich der griechische Hafen auf Rang vier vorgearbeitet. Vor fünf Jahren lag er noch auf Platz acht.

    Chinesische Analysten sprechen von dem Hafen als „Kopf des Drachen in Europa“. Piräus ist der erste große europäische Mittelmeerhafen, den die aus Fernost kommenden Frachter nach der Passage des Suezkanals anlaufen können. Damit ist Piräus ein ideales Drehkreuz für Chinas „One Belt, One Road“-Projekt, die neue Seidenstraße, mit der Staatschef Xi Jinping die europäischen Märkte erobern und politischen Einfluss gewinnen will.

    Ausbau des Hafens geht trotz Corona weiter

    In Piräus werden die aus Asien ankommenden Container zur Verteilung auf andere Mittelmeerhäfen umgeladen oder per Eisenbahn über den Balkan nach Mittel- und Osteuropa transportiert. Mit Cosco kann Griechenland sein Potenzial als wichtigste Logistik-Drehscheibe in Südosteuropa ausspielen.

    Und Cosco verdient damit gutes Geld: 2019 steigerte die Hafengesellschaft PPA ihren Umsatz um rund zwölf Prozent auf knapp 150 Millionen Euro. Der Nettogewinn stieg um 27 Prozent auf 35,4 Millionen. Vom Erfolg des Hafens profitiert auch der griechische Finanzminister: Er kassiert für das vergangene Jahr Konzessionsabgaben von 5,4 Millionen Euro.

    In den ersten drei Monaten des Jahres stieg der Umschlag leicht auf 1,369 Millionen Containereinheiten (TEU). Quelle: dpa
    Containerschiff in Piräus

    In den ersten drei Monaten des Jahres stieg der Umschlag leicht auf 1,369 Millionen Containereinheiten (TEU).

    (Foto: dpa)

    Cosco investiert derweil rund 300 Millionen Euro in den weiteren Ausbau des Hafens. Zu dieser Investition hatte sich die Hafengesellschaft im Konzessionsvertrag mit der Regierung verpflichtet. „Die Coronakrise ändert nichts an unserer Vereinbarung mit dem Staat, wir setzen die Investitionen deshalb planmäßig um“, erklärt Nektarios Demenopoulos, Sprecher der PPA, dem Handelsblatt.

    Dazu gehören eine Vergrößerung des Terminals für die Verschiffung von Autos und die Modernisierung des ältesten Containerpiers I. Trotz Corona hält die Hafengesellschaft auch an den Plänen für ein neues Kreuzfahrtterminal fest. Es soll mehrere Fünf-Sterne-Hotels und ein Shoppingcenter umfassen. Der Auftrag für den Bau der Hafenanlagen im Volumen von rund 136 Millionen Euro ging Anfang Februar an den griechischen Baukonzern Tekal.

    Die neuen, ins Meer hinausgebauten Piers sind für Kreuzfahrtschiffe von bis zu 390 Meter Länge ausgelegt. Damit will sich Piräus besser als Heimathafen für Kreuzfahrten im östlichen Mittelmeer positionieren – bisher starten die meisten Reedereien ihre Reisen in italienischen Häfen. „Nach Einschätzung von Experten wird das Kreuzfahrtgeschäft in zwei bis drei Jahren auf das Vorkrisenniveau zurückkehren“, erklärt PPA-Sprecher Demenopoulos. „Das ist auch der zeitliche Rahmen für die Fertigstellung unserer Erweiterung des Kreuzfahrtterminals.“

    Bremerhaven, Algeciras und Valencia abgehängt

    Im Containerverkehr hat Piräus Konkurrenten wie Bremerhaven, Algeciras und Valencia in den vergangenen fünf Jahren bereits abgehängt. Die Zeichen stehen weiter auf Wachstum. Noch zu Beginn des Jahres gab es Pläne zum Bau eines vierten Containerpiers. Damit wollten die Chinesen die Kapazität ihres Brückenkopfs im Mittelmeer auf mehr als zehn Millionen TEU im Jahr steigern. So könnte Piräus, gemessen an den aktuellen Verkehrszahlen, Hamburg vom dritten Platz unter den europäischen Häfen verdrängen. Größer wären dann nur noch Antwerpen und Rotterdam.

    Was aber angesichts der Corona-Pandemie aus diesen Plänen wird, ist ungewiss. Unternehmenssprecher Demenopoulos äußert sich vorsichtig: „Es ist schwer, unter den gegenwärtigen Bedingungen etwas über Zukunftspläne zu sagen“, meint er.

    Die Kapazität der bestehenden Anlagen reiche für den Umschlag von 7,2 Millionen TEU. Das wären fast 30 Prozent mehr als 2019. „Unser vorrangiges Ziel ist es, die vorhandene Kapazität maximal zu nutzen“, sagt Demenopoulos. „Damit werden wir unsere Position als Nummer vier in Europa verteidigen.“

    Mehr: Wie China mit Investitionen in Griechenland seinen Einfluss auf Europa vergrößert

    Startseite
    Mehr zu: „Kopf des Drachen in Europa“ - Der Hafen von Piräus ist jetzt die Nummer eins im Mittelmeer
    0 Kommentare zu "„Kopf des Drachen in Europa“: Der Hafen von Piräus ist jetzt die Nummer eins im Mittelmeer"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%