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Coty

Das größte Problem des Konzerns ist die Integration der von Procter & Gamble zugekauften Marken.

(Foto: dpa)

Kosmetikhersteller Reimann-Holding JAB geht ins Risiko und stockt bei Coty auf

Trotz der Krise beim Wella-Hersteller erhöht die Holding der deutschen Milliardärsfamilie ihr Engagement in einem Milliarden-Deal. Die Coty-Aktionäre können jubeln.
Update: 12.02.2019 - 15:10 Uhr Kommentieren
  • JAB kauft für bis zu 1,7 Milliarden Dollar zusätzliche Coty-Aktien.
  • Damit steigt der Anteil der Reimann-Holding an dem Kosmetikkonzern auf bis zu 60 Prozent.
  • Coty hatte zuletzt große Probleme bei der Integration zugekaufter Marken.

Aktionär des Wella-Herstellers Coty zu sein war in den vergangenen Jahren kein Spaß. Sein letztes Börsenhoch erreichte der Kosmetikriese im Sommer 2015 mit fast 32 Dollar. Seitdem ging es bergab: Zum Jahreswechsel war die Aktie weniger als sechs Dollar wert.

Doch jetzt stockt der Großaktionär, die JAB-Holding der deutschen Industriellen-Familie Reimann, deutlich auf – und beschert der Aktie mit der Ankündigung am Dienstag einen deutlichen Kurssprung.

Zugleich gibt die über 1,7 Milliarden Dollar schwere Ankündigung einen Hinweis darauf, wieso sich der JAB-Partner Bart Becht vor einem Monat überraschend mit erst 62 Jahren in den Ruhestand verabschiedet hat.

Der verbliebene starke Mann bei JAB, der zehn Jahre ältere Peter Harf, kündigt in einem Brief an Coty die Aufstockung an. Er will den Anteil von JAB an Coty von heute 40 Prozent auf bis zu rund 60 Prozent hochfahren – trotz der heftigen Probleme bei der Integration von 44 Marken, die Coty 2015 von Procter & Gamble (P&G) gekauft hatte.

„Wir bei JAB glauben, dass das Unternehmen das Potenzial hat, seine Herausforderungen zu bewältigen und langfristig zu prosperieren“, schrieb Harf. Dazu habe Coty zuletzt einige Manager ausgetauscht. Im November war Vorstandschef Camillo Pane zurückgetreten – damals hieß es noch „aus familiären Gründen“. Allerdings waren kurz zuvor Logistikprobleme bekannt geworden. Weil Coty zeitweise nicht voll lieferfähig war, brach die Aktie damals weiter ein.

Das größte Problem ist jedoch die Integration der von Procter & Gamble zugekauften Marken. Es zeigte sich, dass P&G in das Paket, zu dem auch Wella gehörte, vor allem schlecht laufende Marken gepackt hatte, die Coty nur schwer wieder flottbekommt. Zudem mussten die Marken mühsam aus dem Konzernverbund gelöst werden. Für Wella bedeutete das etwa einen kompletten Umzug von Schwalbach an den alten Stammsitz Darmstadt.

Die Börse dokumentiert diese Probleme eindrücklich. 2015 bewertete Coty die zugekauften Marken allein mit 12,5 Milliarden Dollar. Am Montag vor dem Angebot war der gesamte Coty-Konzern allerdings an der Börse nur noch 7,3 Milliarden Dollar wert. Der Deal hat also bislang erheblich Börsenwert vernichtet.

Berichte über Streit in der Führung

JAB-Mastermind Harf räumt in seinem Schreiben ein: „Wir erkennen, dass nicht alle Investoren unseren langfristigen Ansatz teilen. Wir erwarten, dass diese Aktionäre die Möglichkeit schätzen werden, mit unserem Angebot einen deutlichen Aufpreis für ihre Aktien zu bekommen – trotz des zuletzt starken Anstiegs der Unternehmensaktie.“ Er betonte zugleich, JAB wolle nicht alle Aktien übernehmen.

Wahrscheinlich ist, dass das aktuelle Angebot vor einem Monat zum Bruch das langjährigen Duos Harf und Becht geführt hat. Beide hatten zusammen ein Kaffee-Imperium um Marken wie Douwe-Egberts, Jacobs, Keurig und zahlreichen Kaffeehausketten zusammengekauft und dafür zweitstellige Milliarden-Beträge ausgegeben.

Der Abschied in den Ruhestand des umtriebigen Machers Becht kam zu überraschend, um geplant gewesen zu sein. Noch ein Jahr zuvor hatte Becht in einem Interview mit dem Handelsblatt gesagt, er denke nicht ans Aufhören.

Direkt nach seinem Abschied berichtete die „Financial Times“, Becht habe sich mit Harf über die Strategie gestritten. Während Harf den aggressiven Investitionskurs von JAB weiterführen wollte, habe Becht für eine Zeit der Konsolidierung plädiert. Harf, der als enger Vertrauter der Reimann-Geschwister gilt, hat sich offensichtlich durchgesetzt.

Das Angebot finanziert Harf mit neuen Schulden. Er verweist in dem Schreiben an Coty auf entsprechende Kreditzusagen von BNP Paribas, HSBC und Unicredit. Damit erhöht er das Risiko für die Anleger von JAB. Der Investor bündelt nicht nur das rund 15 Milliarden Euro schwere Vermögen der Reckitt-Erben Reimann, sondern sammelt auch Geld bei langfristig orientierten anderen Investoren wie Family Offices und Pensionskassen ein.

Zuletzt hatte die Rating-Agentur Moody‘s die JAB Holding vor einem Jahr mit Baa1 bewertet – also als moderates Risiko mit spekulativen Elementen. Moody‘s hatte Coty hingegen erst im November auf B1 herabgestuft, ein deutlich schlechteres Rating im spekulativen Subprime-Bereich. Mit dem Ausbau der Beteiligung erhöht JAB also das Risiko. Die Agentur S&P setzte den Ausblick für JAB am Dienstag bereits auf „negativ“, könnte ihr Rating von A- also künftig verschlechtern.

Einfluss auf Coty wächst

Bereits einmal hatte der Aktieneinbruch von Coty der JAB-Holding die bislang deutlich positive Wertentwicklung verhagelt. Laut jüngstem Halbjahresbericht ist ihr Vermögen innerhalb eines Jahres um rund eine Milliarde Euro geschrumpft. Allerdings kann Harf nach der Aufstockung noch stärkeren Einfluss auf Coty nehmen, an dem die Familie Reimann seit drei Jahrzehnten beteiligt ist.

Auf jeden Fall dürfte das JAB-Vermögen im nächsten Halbjahresbericht besser aussehen: Einerseits ist die Coty-Aktie seit dem Jahreswechsel bereits gestiegen – wohl auch, weil JAB bereits in aller Stille Aktien zugekauft hat.

Das Angebot vom Dienstag ließ die Aktie vorbörslich weiter deutlich steigen – schließlich bedeutet das Angebot von 11,65 Dollar ja Aktie in bar einen Aufschlag von 21 Prozent auf den letzten Kurs und sogar von 51 Prozent auf das Mittel der letzten 30 Tage.

Zwei – nicht allzu hohe – Hürden gilt es allerdings zu überspringen: Harf verlangt die Zustimmung des Coty-Boards, die er als Hauptaktionär wohl bekommen wird. Zudem müssen mindestens 50 Millionen Aktien angeboten werden. In diesem Minimalfall würde JAB auf 47 Prozent aufstocken können.

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