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Kosmetikkonzern Reimann-Manager Harf wird CEO: „Coty braucht eine starke, aber gütige Hand“

Der Chefstratege der Familie Reimann will den schwächelnden Kosmetikkonzern persönlich wieder auf Kurs bringen. Hoffnung setzt er in Marken von Influencerin Kylie Jenner.
01.06.2020 - 12:31 Uhr Kommentieren
Der Chairman des Kosmetikkonzerns Coty wird ab sofort auch CEO: „Ich bleibe so lange, bis Coty wieder rund läuft.“ Quelle: ANDREA MANTOVANI/The New York Ti/Redux/laif
Peter Harf

Der Chairman des Kosmetikkonzerns Coty wird ab sofort auch CEO: „Ich bleibe so lange, bis Coty wieder rund läuft.“

(Foto: ANDREA MANTOVANI/The New York Ti/Redux/laif)

Düsseldorf Überraschender Führungswechsel bei Coty: Peter Harf übernimmt neben seiner Rolle als Chairman ab sofort auch den CEO-Posten beim US-Kosmetikkonzern. Der Chefstratege der Milliardärsfamilie Reimann und ihrer Investmentholding JAB hatte Coty über 30 Jahre groß gemacht. Nun will Harf den schlingernden Kosmetikkonzern mit Marken wie Calvin Klein und Hugo Boss höchstpersönlich wieder auf Kurs bringen.

Der 74-Jährige ist der vierte CEO in vier Jahren. „Coty braucht eine starke, aber gütige Hand – gerade in der Coronakrise“, sagte Peter Harf im Interview mit dem Handelsblatt.

Noch im Februar war Luxusexperte Pierre Denis als neuer CEO angekündigt worden, bisher Chef des Schuhlabels Jimmy Choo. Er sollte den Turnaround-Experten Pierre Laubies ablösen.

Der Wechsel von Harf an die Spitze von Coty kommt parallel zum Einstieg von KKR. Der Finanzinvestor investiert eine Milliarde Dollar in Vorzugsaktien in Coty. KKR übernimmt zudem für rund 2,5 Milliarden Dollar 60 Prozent am Friseurgeschäft rund um Wella, das Coty in ein eigenes Unternehmen auslagert.

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    Das frische Kapital benötigt der Kosmetikkonzern dringend zum Abbau seines Schuldenbergs. Der belief sich Ende März auf 8,14 Milliarden Dollar. Coty hatte vor vier Jahren für 12,5 Milliarden Dollar mehr als 40 Marken von Procter & Gamble übernommen, darunter Wella. Die Integration brachte Coty in Schwierigkeiten. „Dass es Probleme gibt, habe ich nie bestritten. Ich muss auch eingestehen, dass wir nach dem Deal mit P&G zu lange gewartet haben, bis wir eingegriffen haben“, sagte Harf. „Ich bin jetzt der richtige Mann, um bei Coty wieder das Ruder herumzureißen.“

    Harf will nicht nur Kosten senken, sondern neue Dynamik bei Coty entfachen. Vor allem Kylie Beauty sieht er als Wachstumsmotor. Coty war 2019 für 600 Millionen Dollar mehrheitlich bei der Marke der 22-jährigen Influencerin und Unternehmerin Kylie Jenner eingestiegen.

    Familie Reimann will mit JAB langfristig am Kosmetikkonzern Coty festhalten. „Bis wir Coty wieder dort haben, wo es einmal war, dauert es mindestens zwei Jahre. Ich bleibe so lange, bis Coty wieder rund läuft“, kündigte Harf an.

    Lesen Sie hier das vollständige Interview mit Peter Harf:

    Herr Harf, überraschend übernehmen Sie als Chairman von Coty zusätzlich noch den Posten als CEO und nicht wie geplant Pierre Denis. Warum gerade jetzt? Schon vor der Coronakrise liefen die Geschäfte des Kosmetikkonzerns ja nicht rund.
    Wir haben das Friseursalon-Geschäft um Wella vom restlichen Coty-Geschäft trennen wollen. Dann kam die Krise und alles geriet ins Stocken. Wir hatten Pierre Denis als neuen CEO von Coty unter anderen Voraussetzungen angeheuert. Als Luxusexperte kann er schwerlich Coty führen und gleichzeitig Wella aus dem Konzern herauslösen. Dafür braucht es einen echten Unternehmer. Da kam die Frage an mich, ob ich bereit dazu bin.

    Kam das Ansinnen von Cotys neuem strategischen Partner KKR? Der Finanzinvestor ist ja gerade mit rund 3,5 Milliarden Dollar bei Coty und Wella eingestiegen.
    KKR hat mich gefragt, weil es aus seiner Sicht niemanden gibt, der es besser tun könnte. Coty braucht eine starke, aber gütige Hand – gerade in der Coronakrise. Ich habe 30 Jahre Erfahrung mit Coty. Unter anderem als Chairman zusammen mit Bernd Beetz als CEO. In 20 Jahren hat sich das Geschäft vervierzehnfacht. Wir waren extrem erfolgreich mit Coty.

    Die Erfolgssträhne ist allerdings abgerissen. Seit der Übernahme der 43 Beauty-Marken von Procter & Gamble 2016 für rund 12,5 Milliarden Dollar hat Coty Probleme. Zuletzt hatte sich ein Schuldenberg von 8,2 Milliarden Dollar angehäuft. Hatte sich Coty mit der Übernahme überhoben?
    Dass es Probleme gibt, habe ich nie bestritten. Ich muss auch eingestehen, dass wir nach dem Deal mit P&G zu lange gewartet haben, bis wir eingegriffen haben.

    Warum bereitet die Integration der P&G-Marken solche Schwierigkeiten?
    Es gibt ganz wenige Merger im Kosmetikgeschäft – aus gutem Grund. Coty bietet heute 70.000 verschiedene Produkte an. Im Jahr kommen nochmal rund 10.000 neue hinzu. Zum Vergleich: Unser Kaffeegeschäft hat nur etwa 3500 Produkte, und 500 neue Produkte im Jahr.

    Was bedeutet das für das Markenmanagement von Coty?
    Junge Frauen spielen mit Kosmetikprodukten, probieren ständig Neues aus. Die meisten haben eine Schublade voll angebrochener Produkte von Lippenstift bis Mascara. Das Kosmetikgeschäft verlangt ganz flexible Prozesse und Strukturen. Wir müssen schneller entscheiden und umsetzen. Leider hatten wir nicht die Leute, die das richtige Gespür dafür mitbringen. Ich will niemandem zu nahe treten. Aber Tatsache ist, dass ich jetzt der richtige Mann bin, um bei Coty wieder das Ruder herumzureißen.

    Was wollen Sie als CEO konkret verändern?
    Am Dienstag geht es sofort los mit Projekten. Wir wollen nicht nur Kosten senken, sondern neue Dynamik in Coty hineinbringen - etwa mit den Kosmetikprodukten von Kylie Jenner. Kylie Beauty wird ein Wachstumsmotor werden. Unsere neue Führungsmannschaft ist von Cotys Zukunft überzeugt: Gordon Bretten, ein Rockstar von KKR, der jetzt fest bei Coty als Chief Transformation Officer arbeitet, und genauso Pierre-André Terisse, der neue COO und CFO. Sie alle haben als Incentives bewusst Coty-Aktien gewählt statt Cash.

    KKR hält künftig 17 Prozent an Coty. JAB reduziert seinen Anteil von 60 auf etwas mehr 50 Prozent. Will sich JAB schrittweise ganz aus Coty zurückziehen?
    Nein, JAB bleibt bei Coty drin. Wir hätten schon lange Coty von der Börse nehmen können, wenn wir gewollt hätten. JAB glaubt an das Geschäft und an die Menschen von Coty. Familie Reimann lässt niemanden einfach so fallen. Als Model Kate Moss wegen Drogenkonsum in die Medien kam, haben wir ihr die Hand gehalten statt sie zu verurteilen und zu verbannen wie andere Marken das getan haben. Heute ist Kate Moss wieder im Geschäft. Und die, die sie haben fallen lassen, zahlen nun Unsummen für sie als Marke. Diese Lebensphilosophie der Familie Reimann zahlt sich langfristig aus - und wird es auch bei Coty tun.

    Wie lange wollen Sie an der Spitze von Coty bleiben?
    Bis wir Coty wieder dort haben, wo es einmal war, dauert es mindestens zwei Jahre. Ich bleibe so lange, bis Coty wieder rund läuft.
    Herr Harf, vielen Dank für das Gespräch.

    Mehr: Wie Familie Reimann in acht Jahren ein Kaffeeimperium aufgebaut hat.

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