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Krise der Autoindustrie IG Metall pocht bei Autogipfel auf Hilfe für Zulieferer

Vor allem kleinere Betriebe seien in ihrer Existenz gefährdet, warnt die Gewerkschaft. IG-Metall-Chef Hofmann hofft nun auf staatliche Finanzhilfen.
07.09.2020 - 14:44 Uhr Kommentieren
IG Metall vor Autogipfel: Hilfe für Zulieferer Quelle: dpa
Gewerkschafter Jörg Hofmann

Laut dem IG-Metall-Vorstrand hat die Corona-Pandemie mit Produktionsstillstand und einem Einbruch am Automarkt den Veränderungsdruck erhöht.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Gewerkschaft IG Metall will sich beim Autogipfel mit der Bundesregierung für die von Corona-Krise und Strukturwandel hart getroffenen Autozulieferer einsetzen. „Noch läuft es bei den Automobilherstellern in Sachen Beschäftigungssicherung und Gestaltung des strukturellen Wandels der Branche, während es bei den Zulieferern immer härter wird“, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Jedes achte Unternehmen, vor allem kleinere Betriebe, seien in der Existenz gefährdet. Hofmann fordert deshalb staatliche Finanzhilfen, die mit privaten Investitionen in Fonds kombiniert werden könnten. Kurz nach dem Beschluss zur Verlängerung der Kurzarbeitsregeln bis Ende 2021 will die IG Metall zudem die Option einer noch längeren Frist auf die Agenda setzen.

Das Spitzentreffen im Rahmen der „Konzertierten Aktion Mobilität“ mit Bundeskanzlerin Angela Merkel soll am Dienstagabend stattfinden. Die Initiative wurde 2019 ins Leben gerufen als Forum, in dem sich die Regierung mit Managern der Autoindustrie, Experten und der Gewerkschaft austauscht über den Umbruch in der wichtigsten deutschen Industrie weg vom Verbrennungsmotor hin zu Elektroautos und Digitalisierung.

Die Corona-Pandemie hat mit Produktionsstillstand und einem Einbruch am Automarkt den Veränderungsdruck noch erhöht. Die Krise habe am Eigenkapital von Zulieferern so sehr gezehrt, dass sie jetzt Mühe hätten, den Wiederanlauf der Produktion zu finanzieren, erklärte Hofmann. „Deswegen halte ich es für zwingend notwendig, dass der Zugang zu Eigenkapital über zusätzliche Instrumente gesichert wird.“

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    Die IG Metall schlage einen Transformationsfonds vor, der über Mittel aus dem staatlichen Sicherungsschirm hinaus privates Kapital sammeln könnte. „Es wäre hier notwendig, dass der Staat oder die KfW etwa Erstrisiken bis zu einer Grenze übernehmen. Dann könnte eine attraktive Verzinsung für Investoren erreicht werden.“

    Verlängerung der Kurzarbeit vor Bundestagswahl

    Auch die Initiative „Best Owner Group“ geht auf die Gewerkschaft zurück. Sie ist für Zulieferer gedacht, die völlig vom Verbrennungsmotor abhängig sind und unter großen Druck geraten. Die „BOG“ nimmt bereits Gestalt an mit einer Gesellschaft, die der frühere Bosch-Manager Bernd Bohr und Ex-Bundesarbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise auf die Beine stellen.

    Sie wollen Geld von Investoren, unter anderem der Autohersteller BMW, Daimler oder Volkswagen, einwerben. Diese hätten schließlich ein Interesse an der Existenz wichtiger Zulieferer, könnten sie wegen kartellrechtlicher Restriktionen aber oft nur schwer direkt finanziell unterstützen.

    „Die formellen Voraussetzungen der BOG sind weitestgehend geschaffen. Wir waren hier aber nur Ideengeber und haben Starthilfe geleistet. Demnächst beginnt die Roadshow bei möglichen Investoren, auch bei den Herstellern“, sagte Hofmann. Der IG-Metall-Chef will beim Autogipfel darauf drängen, dass im Sommer 2021 und damit rechtzeitig vor der Bundestagswahl über eine weitere Verlängerung der Corona-Kurzarbeitsregeln bis 2023 beraten wird.

    Nach der Wahl sei womöglich die Zeit sonst zu knapp für eine Anschlussregelung. Von Bedarf über 2021 hinaus geht Hofmann aus, weil die Autoindustrie mindestens bis 2023 das Vorkrisenniveau nicht wieder erreichen werde. Dem Flugzeugbau drohe eine noch länger andauernde Schwäche, da die Luftfahrt erst 2024 das Niveau von 2019 für erreichbar hält.

    Gegen weiteren Verzicht der Arbeitnehmer

    Die Beschäftigten selbst haben nach Ansicht des Gewerkschaftschefs über Kurzarbeit mit verringertem Einkommen, dem Abbau von Urlaub und Arbeitszeitguthaben während des Produktionsstopps bereits Opfer gebracht, damit die Unternehmen die Corona-Krise überstehen. Das habe die Liquidität der Firmen gestärkt, sagte Hofmann.

    Vor Kurzem hatte er als tarifliches Kriseninstrument eine Vier-Tage-Woche mit teilweisem Lohnausgleich als Option für Unternehmen vorgeschlagen. Letzteres lehnten Arbeitgebervertreter ab, weil dadurch die Stundenlöhne steigen würden. Südwestmetall, der Metall-Arbeitgeberverband im Autoland Baden-Württemberg, forderte Sparbeiträge der Beschäftigten.

    „Ich erteile eine klare Absage an einseitige Verzichtsforderungen“, sagte Hofmann. „Wir wollen auf jeden Fall eine Reallohnsicherung. In welchem Umfang wir eine Tariflohnerhöhung fordern, bleibt der jetzt beginnenden Diskussion in den Tarifkommissionen der IG Metall vorbehalten.“

    Mehr: Institut der deutschen Wirtschaft analysiert Autobranche – und ist schonungslos

    • rtr
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