Krise der Brauereien Den Deutschen vergeht der Bierdurst

Der deutsche Biermarkt ist seit Jahren rückläufig. Auch 2013 mussten die Brauereien laut eines Magazinberichts Absatzverluste hinnehmen. Marktführer Oettinger verbuchte ebenfalls einen Rückgang.
Update: 30.01.2014 - 12:28 Uhr Kommentieren
Schaum auf Bierglas: Das Statistische Bundesamt will die Bier-Absatzzahlen nach der Steuerstatistik für das Gesamtjahr an diesem Donnerstag veröffentlichen. Quelle: dpa

Schaum auf Bierglas: Das Statistische Bundesamt will die Bier-Absatzzahlen nach der Steuerstatistik für das Gesamtjahr an diesem Donnerstag veröffentlichen.

(Foto: dpa)

Wiesbaden/BerlinDie Deutschen trinken Jahr für Jahr immer weniger Bier. 2013 verkauften die Brauereien hierzulande nur noch rund 94,6 Millionen Hektoliter und damit die geringste Menge seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Der Absatz geht seit 2007 beständig zurück - zuletzt war er im Jahr der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 gestiegen.

Der Deutsche Brauer-Bund erklärte, schuld am Absatzrückgang um zwei Prozent sei vor allem das Wetter gewesen: „Auf den langen Winter folgte ein durchwachsener Sommer.“ Allein wegen der schrumpfenden Bevölkerung und „veränderter Konsumgewohnheiten“ müssten sich die Brauer mittel- und langfristig aber sowieso auf weiter sinkende Absatzzahlen einstellen.

Auch der Absatz von Bier gemischt mit Limonade oder Cola ging laut Statistik im vergangenen Jahr zurück, und zwar um knapp zwei Prozent auf 4,2 Millionen Hektoliter. Bier-Mischgetränke hatten 2013 einen Marktanteil von 4,5 Prozent.

Gestiegen sein dürfte dagegen der Verkauf von alkoholfreiem Bier und Malzbier, wie ein Sprecher des Brauer-Bundes AFP sagte. Der Absatz habe in den letzten Jahren regelmäßig zugelegt, „und wir gehen davon aus, dass der Trend weiter anhält“. Das Statistische Bundesamt erfasst alkoholfreies Bier und Malzbier nicht. Laut Brauer-Bund hatte alkoholfreies Bier 2012 einen Marktanteil von 4,3 Prozent am gesamten Bierausstoß.

Die deutschen Brauereien verkaufen das meiste Bier nach wie vor im Inland - nämlich rund 84 Prozent. Rund zehn Millionen Hektoliter gingen 2013 ins EU-Ausland (minus 8,6 Prozent) und 4,7 Millionen Hektoliter in Drittländer - ein Plus von knapp neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies sei ein „ermutigender Trend“, erklärte der Brauer-Bund. Im außereuropäischen Ausland wie in China oder in den USA stehe deutsches Bier wegen seines einzigartigen Geschmacks und „absoluter Klarheit und Reinheit“ hoch im Kurs.

Wo das Bier zuhause ist
Revellers drink beer from a giant glass on the second day of the San Fermin festival in Pamplona
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Platz 10 - Spanien - 32,7 Millionen Hektoliter Bierausstoß im Jahr 2013

Manchem Deutschen dürfte das spanische Bier noch aus dem Sommerurlaub bekannt sein. Obwohl der heimische Wein hervorragend ist, sind auch die Spanier dem Bier nicht abgeneigt. Die bekanntesten Marken der iberischen Halbinseln sind San Miguel, Damm und Cruzcampo. (Quelle: Barth-Haas-Group)

WM 2006 - Polnische Fans in Hannover
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Platz 9 - Polen - 39,6 Millionen Hektoliter

Nicht nur Fußballfans in Polen genießen das heimische Bier. Die polnischen Biersorten Lech, Tyskie und Zywiec sind auch in Deutschland längst keine Unbekannten mehr.

Barmaid pulls a pint in a pub in central London
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Platz 8 - Großbritannien - 42,4 Millionen Hektoliter

Auch wenn Bier aus England nicht den besten Ruf in Deutschland genießt: Die britische Insel gehört zu den führenden Biernationen. Auch wenn die berühmteste Brauerei Scottish & Newcastle schon seit 2008 in ausländischem Besitz. Besonders erfolgreich auf der britischen Insel sind die Großbrauereien Heineken, Carlsberg und Inbev.

To match story JAPAN-BEER/
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Platz 7 - Japan - 57,2 Millionen Hektoliter

Die neuste Erfindung in Japan: Frozen Bier. Ohnehin haben die Bierkreationen in Fernost nicht viel mit dem deutschen Reinheitsgebot am Hut. Beliebt sind die japanischen Biere trotzdem. Die bekanntesten japanischen Marken sind Asahi und Kirin.

A man drinks a Corona beer at a bar in Cancun
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Platz 6 - Mexiko - 82,5 Millionen Hektoliter

Der Bierausstoß des südlichen Nachbarn der USA ist zwar nur geschätzt, weil offizielle Statistiken nicht vorliegen. Doch die Schätzung katapultiert die Mexikaner locker in die Top Ten. Das mexikanische Bier Corona ist auch in Deutschland beliebt - mit Limette im Flaschenhals.

Russia May Day
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Platz 5 - Russland - 88,6 Millionen Hektoliter

"Na sdorowje" - die Russen sind für ihre Trinkfestigkeit weltberühmt. Doch das hat einen ernsten Hintergrund. In einigen Regionen Russland ist der Alkoholismus zum sozialen Problem geworden. Präsident Putin (rechts) hat eine Gegenoffensive angekündigt. Der Bierabsatz ging im vergangenen Jahr tatsächlich massiv zurück. Marktführer in Russland sind die lokalen Marken von Carlsberg mit einem Anteil von 38 Prozent.

Fruehling im Biergarten
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Platz 4 - Deutschland - 94,36 Millionen Hektoliter

"O'zapft is!" Trotz aller Tradition kommt der Bierdurst der Deutschen langsam zum erliegen. Die Brauereien klagen über sinkenden Absatz. Die Furcht vor weiteren Übernahmen wächst. Bezeichnend, dass die Billigbiermarke Oettinger seit Jahren das beliebteste Bier des Landes ist. Ebenfalls stark: Radeberger, Inbev und Bitburger.

Das meiste Bier wird laut Statistik in Bayern und in Nordrhein-Westfalen gebraut. In beiden Bundesländern wird demnach auch am meisten verkauft: Der Anteil am Absatz lag in Nordrhein-Westfalen bei 26,3 Prozent, der in Bayern bei 22,1 Prozent. Einen Rückschluss auf den regionalen Bierkonsum lassen die Angaben den Statistikern zufolge aber nicht zu.

In Deutschland gibt es laut Brauer-Bund mehr als 1300 Brauereien, die rund 5000 verschiedene Biere herstellen. Im laufenden Jahr würden sich die Produktionskosten „deutlich erhöhen“, prophezeite der Verband, weil die Preise für Rohstoffe, die Lohn- und Energiekosten sowie die Ausgaben für Verpackung und Vertrieb steigen würden. Ob in Folge auch die Bierpreise steigen werden, sagte der Brauer-Bund nicht, verwies aber auf den „enormen Preisdruck im Markt“.

  • dpa
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