Krise der Schifffahrt Reederei Rickmers streicht die Segel

Eigentlich sollten die Anleihegläubiger des in Seenot geratenen Schifffahrtskonzerns heute ein Rettungskonzept absegnen. Doch die HSH Nordbank steigt in letzter Minute aus. Jetzt meldet Rickmers Insolvenz an.
Update: 01.06.2017 - 10:57 Uhr Kommentieren
Durch den Insolvenzantrag der Hamburger Reederei stehen mehr als 2000 Mitarbeiter vor dem Aus. Quelle: dpa
Rickmers-Museumsschiff

Durch den Insolvenzantrag der Hamburger Reederei stehen mehr als 2000 Mitarbeiter vor dem Aus.

(Foto: dpa)

Hamburg/FrankfurtEs war alles vorbereitet. Der Raum im feinen Hamburger Courtyard Mariott Hotel am Flughafen war gebucht. Die Einladungen waren verschickt. Über Wochen hatte der Hamburger Schifffahrtskonzern Rickmers seine Anleihegläubiger auf ihr geplantes Treffen am heutigen 1. Juni vorbereitet. Sie sollten dort einem Restrukturierungs-Konzept für den angeschlagenen Großreeder zustimmen. Es hätte ihnen immerhin noch eine letzte Zinszahlung garantiert. Ihren Einsatz hätten sie dagegen kaum noch zurückbekommen.

Mittwochabend um kurz nach 18 Uhr dann kam der Paukenschlag. „Mit besten Grüßen“ teilte die Rickmers Holding per Mail ihren Anleiheinvestoren mit, das Rettungskonzept sei bereits gescheitert. Die Großgläubigerin HSH Nordbank habe „sehr überraschend und „ohne weitere Verhandlungsbereitschaft“ ihre Zustimmung zu dem Konzept verweigert. Damit sei nach Einschätzung des Vorstandes die positive Fortführungsprognose der Rickmers Holding entfallen. Am Donnerstag folgte dann der Insolvenzantrag. Rickmers kann die Zinsen nicht mehr bezahlen und ist damit pleite.

Es ist der vorläufige Höhepunkt eines Dramas, das vor vielen Monaten begann und das in den letzten Wochen immer neue Wendungen nahm. Dabei geht es um den Fortbestand eines der größten Dienstleister in der Schifffahrtsindustrie: Der Rickmers Konzern, dessen Alleinaktionär bislang der Reeder Bertram Rickmers war, betreibt eine Flotte von 114 Frachtschiffen mit mehr als 1.600 Seeleuten. Dauerhaft niedrige Charterraten führten in den letzten Jahren zu hohen Wertberichtigungen auf eigene Schiffe. Nach drastischen Umsatzeinbußen und einem Verlust von 341 Millionen Euro im vergangenen Jahr ist der Konzern nun in schwere Seenot geraten.

Im sinkenden Schiff sitzen auch viele tausend  Gläubiger, die Rickmers-Anleihen im Volumen von 275 Millionen Euro und einem sagenhaften Zins von 8,875 Prozent gezeichnet haben. Es ist eine der bislang größten Notlagen im Segment der Mittelstandsanleihen. 

Mitte April überraschte Rickmers seine Anleihegläubiger mit einem  Sanierungskonzept, an dem ein Team unter Federführung der Münchner Restrukturierungsberatung One Square Advisors über Monate gearbeitet hatte. Das Konzept hatte kräftige Zugeständnisse der Hauptgläubigerbank HSH Nordbank vorgesehen und noch höhere Opfer der Anleihegläubiger. Sie sollen noch eine Zinszahlung am 11. Juni im Volumen von rund 24 Millionen Euro erhalten. Danach hätten sie allenfalls noch von einem späteren Verkauf von Rickmers profitiert. Bertram Rickmers wollte 75 Prozent seines Konzerns abgeben und rund 30 Millionen Euro direkt oder indirekt zur Verfügung stellen.

Das sind die größten Reedereien der Welt
Platz 10: Hamburg Süd Group
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Ein Unternehmen mit Tradition: Seit ihrer Gründung 1871 hat sich die Hamburg Süd von einer konventionellen Reederei zu einer international operierenden Transport-Logistik-Organisation entwickelt. Im März 2016 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI. Im März 2017 hat der Oetker-Konzern – zu dem Hamburg Süd gehört – die Reederei an den Konkurrenten Maersk verkauft. Die Flotte der Hamburg Süd umfasst 105 Schiffe, die eine Containerkapazität von insgesamt 564.000 Stück haben.

Quelle: Alphaliner

Platz 9: Mitsui O.S.K. Lines
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Die Japaner sind zurück in der Top Ten. Mit der MOL Triumph hat die Reederei aus Tokio nicht nur das größte Containerschiff der Welt ist der Flotte, sondern konnte auf 79 sagenhafte 569.000 Container transportieren.

Platz 8: Yang Ming Marine Transport Corp.
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Im Jahr 1972 in Taiwan gegründet, besitzt Yang Ming eigene und in Kooperation betriebene Containerterminals in den USA, Belgien, den Niederlanden sowie in Taiwan. Die Schiffsflotte besteht aus 95 Schiffen und umfasst eine maximale Kapazität von 580.000 Containern. Doch die Reederei leidet unter der schwächelnden Konjunktur in China. Eine Großallianz, die 2017 mit der deutschen Hapag-Lloyd und vier weiteren asiatischen Reedereien startet, soll helfen.

Platz 7: OOCL
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Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung gegründet. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. Zuletzt machte die asiatische Reederei den größten Sprung. Rund 672.000 Container kann das Unternehmen auf 98 Schiffen unterbringen. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Platz 6: Evergreen Line
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Die Reederei Evergreen stammt aus Taiwan. Mit ihren 194 Schiffen bedient das Unternehmen Linien in Osteuropa, nach Europa und zur US-Westküste und kann insgesamt 1,07 Millionen Standardcontainer unterbringen.

Platz 5: Hapag-Lloyd
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Mit 1,5 Millionen Containern hat aufgeholt: Unter dem Druck der schweren Schifffahrtskrise schloss sich die Reederei Hapag-Lloyd mit der arabischen Reederei United Arab Shipping Company (UASC) zusammen. Damit kommt die hamburgische Reederei, auf eine Flotte von 212 Schiffen. Zudem hat die neue Allianz mit den asiatischen Reedereien den Hamburgern eine gute Position auf den Weltmeeren verschafft.

Platz 4: Cosco Container Lines
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Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz sukzessive ausgebaut. 1,82 Millionen Container kann das Unternehmen unterbringen. Die Flotte umfasst aktuell 331 Schiffe.

Heftige Proteste einiger Großgläubiger und ein Gegenkonzept der Investmentbank Houlihan Lokey ließen jedoch die Zustimmung der Anleihegläubiger bis zuletzt zweifelhaft erscheinen. „Hier wird uns doch die Pistole vor die Brust gehalten“ beschwerte sich etwa Fondsmanager Carlos Andrade von der Fondsverwaltung Delta Alternative Management. Er wollte ebenso wie andere Großgläubiger und auch die Anlegerschutzgemeinschaft SdK seine Zustimmung verweigern. Die Meuterer unter den Anleihegläubigern störte vor allem, dass sie nicht in die Verhandlungen eingebunden waren. Sie glaubten, gegenüber der HSH Nordbank deutlich benachteiligt zu sein.

Eine erste Abstimmung im Umlaufverfahren scheiterte schon mal an der mangelnden Beteiligung der Anleihegläubiger. Bei der für den heutigen Donnerstag vorgesehenen Abstimmung wäre es ebenfalls sehr knapp geworden.

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