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Krisenjet Boeing 737 Max: Was für und was gegen einen Produktionsstopp spricht

Boeing erwägt einen vorübergehenden Produktionsstopp für die 737 Max. Obwohl vieles dafür spricht, wäre ein solcher Schritt mit Risiken verbunden.
16.12.2019 Update: 16.12.2019 - 17:14 Uhr Kommentieren
Boeing 737 Max: Was für und was gegen einen Produktionsstopp spricht Quelle: dpa
Boeing 737 Max

Am 737-Bau hängen jede Menge Zulieferbetriebe.

(Foto: dpa)

Frankfurt, New York Der US-Flugzeugbauer Boeing erwägt, die Produktion des Unglücksmodells 737 Max zu drosseln oder ganz zu unterbrechen. Damit zieht der Airbus-Konkurrent die Konsequenz aus dem immer länger andauernden Prozess zur Wiederzulassung des Flugzeugs. Am Sonntag und Montag beriet die Boeing-Führung über einen Produktionsstopp. Der Optimismus schwindet.

Nach zwei Abstürzen in Indonesien und in Äthiopien mit fast 350 Toten ist die 737 Max seit März weltweit aus dem Verkehr gezogen. Das Modell war bis dahin ein wichtiger Bestseller aus dem Hause Boeing, und so hat der US-Konzern die Maschinen auch weiter produziert. Nach dem Flugstopp hatte Boeing die Produktion lediglich von 52 auf 42 Flugzeuge pro Monat reduziert.

Doch mittlerweile stehen rund 400 Flugzeuge auf Halde, und die Wiederzulassung zögert sich immer weiter hinaus. Der Konzern weiß schlicht nicht mehr, wohin damit. Zu dem Parkproblem gesellt sich der aufwendige Unterhalt der nicht ausgelieferten Flugzeuge. Sie müssen gepflegt werden, damit sie keinen Schaden nehmen.

An der Börse lösten die Erwägungen einen Kursrutsch aus. Der Aktienkurs verlor zwischenzeitlich bis zu drei Prozent. „Sie haben immer wieder Versprechungen gemacht, die sie nicht eingehalten haben“, kritisiert der Analyst Ron Epstein von Bank of America. „Das Management kommuniziert nicht gut“, stellt er fest. Es habe bei den Investoren und Kunden viel Glaubwürdigkeit verspielt.

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    Erst vergangene Woche hat der Vorsitzende der US-Luftfahrt-Aufsicht FAA, Steve Dickson, den Boeing-CEO Dennis Muilenburg in Washington dazu aufgerufen, nicht mehr das Ende des Jahres als wahrscheinliches Datum für das Okay der Behörde zu nennen.

    Boeing hatte in den vergangenen Monaten immer wieder über die Fortschritte bei der erneuten Prüfung des Jets informiert und damit Erwartungen geweckt, das Flugzeug könne bald wieder eingesetzt werden. Mittlerweile gilt Mitte Februar als frühestmöglicher Termin für die Wiederzulassung.

    Doch selbst wenn die FAA die 737 Max wieder zertifiziert, würde das nur das Fliegen in den USA erlauben. Weil offensichtlich schon bei der Erstzulassung der Max bei der FAA nicht alles ganz sauber gelaufen sein soll, haben die Aufsichtsbehörden in anderen Ländern eigene Prüfungen angekündigt und wollen sich nicht wie sonst üblich auf das Votum der FAA verlassen.

    Die europäische EASA hat bereits angedeutet, dass man nach einem positiven Bescheid der FAA weitere sechs Wochen brauche. Auch bei den chinesischen Behörden soll es noch erhebliche Bedenken geben. Das ist ein großes Problem für Boeing, denn die dortigen Billigairlines setzen stark auf die Max.

    Zeugen sagen gegen Boeing aus

    Zuletzt haben auch Anhörungen im US-Kongress dem Vertrauen in die 737 Max weiter geschadet. Dort sagte ein FAA-Zeuge vergangene Woche unter Eid aus, dass Sicherheitsbedenken von FAA-Mitarbeitern von der Behörde vernachlässigt wurden.

    Ein Boeing-Mitarbeiter aus der 737 Max-Fabrik erklärte, er hätte seine Manager Monate vor den Abstürzen gewarnt, dass die Produktion in Renton zu stark unter Stress stand und dass daher chaotische Zustände herrschten. Doch auch seine Beschwerden bekamen kein Gehör.

    Bei der Wiederzulassung geht es vor allem um das sogenannte MCAS-System. Das Softwaresystem soll eine der Hauptursachen für die schrecklichen Unglücke sein. Es soll eigentlich verhindern, dass das Flugzeug zu steil nach oben fliegt und damit durch den sogenannten Strömungsabriss abstürzen kann.

    Die 737 Max – eine überarbeitete Version der bisherigen 737 – hat sehr schwere und große Triebwerke, die deshalb weiter vorn und näher zum Rumpf hin befestigt werden mussten. Deshalb neigt die Maschine zu einem zu steilen Aufstieg. Doch das MCAS steht in Verdacht, wegen fehlerhafter Sensordaten zu stark in die Flugsteuerung eingegriffen zu haben. Es steuerte die Flugzeuge immer wieder nach unten, auch als die Piloten versuchten, nach oben gegenzusteuern.

    Seit Monaten arbeitet Boeing deshalb an einem Update des Systems. Mit dem soll die „Macht“ des MCAS begrenzt werden. So sollen die Piloten die Befehle des Systems leichter als bisher überstimmen können, um den Jet also per Hand wieder in eine sichere Fluglage zu bringen. Außerdem soll das System jetzt ständig die Daten von zwei Sensoren vergleichen und auswerten, um Messfehler auszuschließen.

    Auch die Schulung der Piloten wurde angepasst. Kürzlich sickerten Informationen aus einem „Briefing“ durch, das Boeing für Piloten und Experten mit dem überarbeiteten System durchgeführt hatte. Danach berichteten Flugzeugführer davon, dass die Max nun außerordentlich stabil fliege. Dennoch herrscht weiter Unklarheit darüber, wann die Behörden den Einsatz des Flugzeugs wieder erlauben werden.

    Unsicherheit bei Zulieferern

    Für die Fluggesellschaften hat die Unsicherheit Konsequenzen: Sie müssen immer wieder ihre Flugpläne anpassen oder alte Maschinen länger fliegen lassen. American Airlines hat den Einsatz der Max jüngst von Anfang März auf Anfang April verlegt – nicht die erste Verschiebung. Auch der irische Billiganbieter Ryanair musste seine Planung erneut umwerfen.

    Bereits im Sommer hatte das Boeing-Management darüber nachgedacht, die Produktion stärker zu drosseln. Doch es kam nicht so weit. Im Oktober hatte Muilenburg dann offiziell gesagt, dass Boeing die Produktion der 737 Max drosseln müsse, falls sich die Zulassung in das Jahr 2020 verschiebt.

    Ein kompletter Produktionsstopp hätte enorme Konsequenzen für Boeing. In der 737-Max-Fabrik in Renton bei Seattle arbeiten derzeit 12.000 Mitarbeiter, die nur teilweise auf andere Werke verteilt werden könnten.

    Außerdem hängen am 737-Bau viele Zulieferbetriebe. Würde Boeing die Teile nicht mehr abnehmen, kämen viele davon in Bedrängnis, vor allem jene, die nicht so groß und finanziell gut gepolstert sind. In Zeiten rekord-niedriger Arbeitslosigkeit wären Entlassungen fatal: Ingenieure, die anderswo einen Job finden, kämen nicht wieder einfach zurück, falls die Fertigung der Max wieder anziehen sollte. Scott Hamilton vom Fachinformationsdienst Leeham rechnet daher eher mit einer weiteren Kürzung der Produktionsrate auf zehn bis 20 Jets, „um die Folgen für die Lieferkette zu begrenzen“.

    Boeing 737 Max: „Der Jet ist in seiner Grundstruktur nicht mehr zeitgemäß“

    Mehr: Erneut bremst die US-Flugbehörde die Erwartungen bei der Wiederzulassung der Maschine. Zudem gibt es neue Probleme mit der geplanten Billigversion des Flugzeugs.

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