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Küchenhersteller gerettet Alno wirft den Herd wieder an

Erst musste Insolvenzverwalter Hörmann die Beschäftigten nach Hause schicken. Jetzt hat ein Finanzinvestor doch noch das komplette Unternehmen gekauft. Für Anleihegläubiger ist das trotzdem kein großer Trost.
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Alno wirft den Herd wieder an Quelle: dpa
Alno-Logo

Der Betrieb beim Küchenhersteller geht doch weiter.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEigentlich dachten die rund 410 Beschäftigten des Pfullendorfer Küchenherstellers Alno, ihr Arbeitsplatz sei weg. Manche hatten Tränen in den Augen, als ihnen Insolvenzverwalter Martin Hörmann vor wenigen Wochen mitteilte, dass es keinen Käufer für den abgewirtschafteten Edelküchen-Produzenten gegeben habe. Für Dienstagvormittag aber hat er sie wieder ins Haus gerufen: Es geht weiter mit Alno.

Bis spät in die Nacht hatten Hörmann und sein Team mit dem Dubliner Finanzinvestor River Rock verhandelt, der Alno schon Kredite gegeben hatte. Deren River Rock European Opportunities Fund II will nun für 20 Millionen Euro Alno kaufen – der Vertrag sei abgeschlossen, allerdings noch nicht vollzogen. Das Beste daran: Der Betrieb, der schon länger eingestellt war, soll weiterlaufen. Damit können fast alle Mitarbeiter mit dem Erhalt ihres Arbeitsplatzes rechnen.

„Mit dem Vertrag haben wir eine sehr wichtige Etappe erreicht, aber wir sind noch nicht am Ziel. Nun müssen wir abwarten, dass wichtige Bedingungen erfüllt werden, damit der Vertrag wirksam wird“, sagt Insolvenzverwalter Hörmann. Zu den wesentlichen Bedingungen zählten vor allem die Zustimmung des Gläubigerausschusses, die Gründung einer Transfergesellschaft und die Genehmigung von Kurzarbeit durch die Agentur für Arbeit.

Herd aus, Herd wieder an. So lief es in den letzten Wochen bei Alno im übertragenen Sinn. Vor knapp einem Monat, am 24. November, hatte Hörmann den gleichen Menschen mitteilen müssen, das Bieterverfahren sei beendet, kein Käufer habe sich für Alno gefunden. Es schien das Ende eines Dramas zu sein, das sich bei Alno schon seit Jahren hinzieht. Trotz der guten Baukonjunktur war es dem alten Management nicht gelungen, den hochpreisigen Hersteller auf Erfolgskurs zu bringen. Die Lieferung klappte nicht, die Produktion war teilweise veraltet.

Alno war seit 1995 an der Börse, schrieb allerdings seitdem nur einmal Gewinn. Mehrere Vorstandschefs versuchten mit neuen Strategien die Wende – letztlich vergeblich. Während ausgerechnet die billigen Küchen von Pino, die auch über Baumärkte verkauft werden, Gewinne brachten, häufte die Kernmarke Alno Verluste an. Häufig lockten Küchenstudios Kunden mit der Marke in ihre Häuser, um letztlich die margenstärkeren Eigenmarken zu verkaufen. Zugleich drückten die Lohnkosten in den veralteten Werken.

2011 stieg der Schweizer Unternehmer Max Müller als Vorstandchef ein und brachte eine Investorengruppe mit. Sein Wirken ist umstritten – klar ist, dass er über Beratungsverträge und Darlehen von Alno auch dann profitierte, wenn kein Gewinn anfiel. Als der Großaktionär Whirlpool, die amerikanische Mutter von Bauknecht, 2016 das Alno-Engagement endgültig leid war, holte Müller die bosnische Industriellenfamilie Hastor an Bord. Sie wollte mit Alno ihr Engagement im Möbelmarkt stärken – versenkte aber letztlich einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Das Firmen-Imperium des verschwiegenen Hastor-Clans
Nijaz Hastor
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Patriarch der bosnischen Unternehmerfamilie ist Nijaz Hastor. Im kommunistischen Jugoslawien arbeitete er als Manager im TAS-Automobilwerk in Sarajevo. Dank seiner guten Verbindungen zu Volkswagen gründete er seine eigene Autozuliefererfirma. Neben der Autobranche ist der 68-Jährige auch in der Möbelbranche aktiv. Er hatte frühzeitig erkannt, dass sein Heimatland vor allem viel Holz zu bieten hat – und lässt daraus Möbel produzieren.

Filmfestspiele in Sarajevo
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Auch im Kulturellen engagieren sich die Hastors. Der Clan sponsert das jährlich stattfindende Filmfest in Sarajevo, auf dem auch schon Hollywood-Stars wie Robert de Niro und Brad Pitt zu Gast waren. Hier im Foto: Nijaz Hastor (r.) mit seiner Frau Mirsada auf dem roten Teppich.

Geburtshaus von Nijaz Hastor
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Familienoberhaupt Nijaz Hastor hat sich aus eigener Kraft hochgearbeitet. Er ist in bescheidene Verhältnissen aufgewachsen, wie ein Blick auf sein Geburtshaus (Foto) zeigt. Mittlerweile besitzt der reichste Mann Bosniens ein weitverzweigtes Firmenimperium, zu dem neben Finanzdienstleistern vor allem Autozulieferer sowie Küchen- und Möbelhersteller gehören. Folgende Unternehmen gehören den Hastors ...

Hauptsitz von Alno in Pfullendorf
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... etwa Deutschlands zweitgrößter Küchenhersteller Alno. Das Unternehmen kämpft allerdings seit längerem mit Finanzproblemen und musste Insolvenz anmelden. Dann hat sich überraschenderweise doch noch ein Käufer für das Küchenunternehmen gefunden. Über den Großaktionär Tahoe Investors hält die bosnische Unternehmerfamilie Hastor insgesamt 43,1 Prozent an Alno und besitzt die Mehrheit im Aufsichtsrat.

Produktion in Pfullendorf
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Vor dem Verkauf an einen Finanzinvestor plante Alno noch eine Insolvenz in Eigenregie unter Vorstandschef Christian Brenner. Brenner gilt als Vertreter des Großaktionärs Tahoe Investors, hinter dem wiederum die Familie Hastor steckt. Der Clan aus Bosnien ist im Besitz gleich mehrerer Autozulieferer.

Konzernzentrale von Grammer
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Der dickste Brocken im Firmengeflecht der Unternehmerfamilie ist der Autozulieferer Grammer aus Bayern, bei dem die Hastors mit 20 Prozent größter Aktionär sind. Grammer macht rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt derzeit rund 12.000 Mitarbeiter.

Produktion in Bayern
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Zuletzt hatten die Hastors für Aufsehen gesorgt, weil sie unter anderem den Vorstandschef von Grammer stürzen wollten. Bei der Hauptversammlung unterlagen sie dann aber.

Im Insolvenzverfahren wollte sich die Familie nicht mehr beteiligen, um kein weiteres Geld zu verbrennen, heißt es aus ihrem Umfeld. Alno hat der Familie, die sich vor zwei Jahren mit ihrem Autozulieferer Prevent schlagzeilenträchtig eine Auseinandersetzung mit VW geliefert hat, einigen Ärger verursacht. Bei Alno sahen sich die Bosnier damit konfrontiert, dass die frühere Finanzchefin des Küchenherstellers Altschulden des Konzerns aufgekauft hatte. Zudem sahen sie sich von zu optimistischen Einschätzungen Müllers getäuscht.

Für Anleihegläubiger dürfte die Nachricht, dass es mit Alno nun doch weitergeht, kein großer Trost sein. Sie hatten Papiere im Umfang von 45 Millionen Euro gezeichnet. Das Papier (WKN A11QHW) mit Laufzeit bis 2019 und einem Zins von 8,00 Prozent notierte auch nach der guten Nachricht nur bei 2,2 Prozent seines ursprünglichen Wertes. Die Aktie (WKN 778840) verbesserte sich um sagenhafte 57 Prozent – auf knapp sieben Cent.

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1 Kommentar zu "Küchenhersteller gerettet: Alno wirft den Herd wieder an"

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  • „Für Anleihegläubiger ist das trotzdem kein großer Trost“

    Für die Beschäftigten vermutlich schon.

    Und zu: „Häufig lockten Küchenstudios Kunden mit der Marke in ihre Häuser, (…)“:

    Dass es gerade der Markenname ist, der bei den Kunden „zieht“ (siehe dazu auch http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/industrie/salzgitter-reaktiviert-markennamen-mannesmann-kehrt-zurueck/20737564.html), sollte eigentlich alle Unternehmer dazu veranlassen, besser „auf ihr Image aufzupassen“, wie es eine ehemalige Nachbarin von mir (sie ist Irin) mal sehr schön formuliert hat.

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