Kurseinbruch nach Chef-Rücktritt Steinhoff warnt vor Handel mit eigenen Aktien

Neue Schwierigkeiten für den Möbelriesen Steinhoff: Konzernchef Marcus Jooste muss seinen Posten nach erneuten Unregelmäßigkeiten räumen. Die Präsentation der Bilanz wird verschoben – die Aktie geht in den freien Fall.
Update: 06.12.2017 - 13:41 Uhr 1 Kommentar

Bilanzskandal bei Poco-Mutter – Aktie im Sinkflug

DüsseldorfDer deutsch-südafrikanische Einzelhandelsriese und Poco-Mutterkonzern Steinhoff gerät immer tiefer in den Strudel mutmaßlicher Bilanzfälschungen. Der seit zwei Jahrzehnten amtierende Konzernchef Markus Jooste und Finanzvorstand Ben La Grange traten zurück. Auch der Chef der Afrika-Tochter Star nimmt seinen Hut. Die Vorlage der Bilanz werde verschoben, und sie werde erst veröffentlicht, wenn dies möglich sei. Die Börsenaufsicht in Südafrika prüft mögliche Fälle von Insiderhandel mit Steinhoff-Papieren.

Aufsichtsratschef Christo Wiese soll den Konzern nun übergangsweise führen. Als Grund nannte die Gesellschaft neue Informationen über finanzielle Unregelmäßigkeiten. Möglicherweise müssten auch die Zahlen von früheren Jahren geändert werden. Die Prüfgesellschaft PwC soll nun zusätzlich zu den regulären Wirtschaftsprüfern eine unabhängige Untersuchung durchführen.

Die geprüften Zahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr will das Unternehmen nun erst veröffentlichen, sobald es dazu in der Lage ist, wie es hieß. Eigentlich war die Zahlenvorlage für Mittwochmorgen vorgesehen.

Die neuen Negativ-Schlagzeilen sorgten bei den im MDax notierten Steinhoff-Aktien für den größten Kursrutsch in der Firmengeschichte: Die Titel brachen um mehr als 70 Prozent auf ein Rekordtief bei 0,85 Euro ein. Dabei wechselten bis zum Mittag bereits fast zehn Mal so viele Steinhoff-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Sie war erneut die meistgehandelte Aktie in Deutschland. „Aktionären und andere Steinhoff-Investoren sei geraten, vorsichtig beim Handel mit Steinhoff-Aktien zu sein“, heißt es in einer Presseerklärung.

Markus Jooste, der an der Universität im südafrikanischen Stellenbosch Rechnungslegung studiert hat, galt als Chefdenker in dem rasch gewachsenen Konzern. „Wir sind Investoren, keine Firmenlenker“, hatte er dem Handelsblatt im November gesagt. „Wir pflanzen jetzt Bäume und ernten in 30 Jahren.“ Damit meinte er die immer neuen Zukäufe, die Steinhoff in den vergangenen zehn Jahren tätigte.

In Johannesburg sackten die Papiere mit 17,56 Rand um 60 Prozent auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren. „Was für ein Chaos“, titelten die Analysten von Kepler Cheuvreux in einem Kurzkommentar. „Das Vertrauen zwischen Christo Wiese und Jooste ist hin“, kommentierte ein südafrikanischer Analyst gegenüber Bloomberg.

Bei diesen Händlern kauft die Welt ein
Platz 92: Otto
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Die Otto Group ist auf Rang 92 der kleinste deutsche Händler in der Rangliste der 250 größten Handelsunternehmen. Im Jahr 2015 hatte der Konzern einen Einzelhandelsumsatz von 10,6 Milliarden Dollar erzielt. Die 250 Händler in der nun veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte kamen zusammen auf einen Umsatz von 4,3 Billionen Dollar.

Quelle: Deloitte Global Powers of Retailing 2017

Platz 22: Rewe
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Auf dem 22 Rang steht Rewe mit einem Einzelhandelsumsatz von 43,6 Milliarden Dollar. Die Supermarktkette besitzt Filialen in insgesamt elf Ländern.

Platz 18: Edeka
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Obwohl die Supermarktkette nur in Deutschland vertreten ist, schneidet das Unternehmen besser ab als Rivale Rewe. Edeka landet im aktuellen Ranking mit einem Einzelhandelsumsatz von 52,5 Milliarden Dollar auf dem 18 Platz.

Platz 13: Metro AG
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Der Handelskonzern hat Filialen in 31 Ländern und erzielte im Einzelhandel einen Umsatz von 68 Milliarden Dollar. Für die Top Ten reicht das aber nicht mehr. Das deutsche Unternehmen fiel von Rang acht auf Rang 13 zurück. Schuld daran waren der Verkauf von Kaufhof und der Rückzug aus dem Großhandelsgeschäft in mehreren Ländern.

Platz 10: Amazon
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Obwohl die US-amerikanische Firma eigentlich ein Internetunternehmen ohne Verkaufsläden ist, schafft sie es in die Top Ten. Amazon ist mit einem Umsatz von 79,3 Milliarden Dollar die Nummer zehn der größten Einzelhändler der Welt.

Platz 9: Tesco
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Englands größte Supermarktkette ist der größte Verlierer in den Top Ten. Mit einem Einzelhandelsumsatz von 81 Milliarden Dollar landet sie gerade noch auf Platz 9. Im Jahr 2015 ist der Umsatz um fast 13 Prozent abgestürzt. Das Unternehmen ist in insgesamt zehn Ländern vertreten.

Platz 8: Aldi
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Nur wenn man ihren Umsatz zusammenzählt, erreichen Aldi Süd und Aldi Norddie Top Ten der größten Einzelhändler der Welt. Doch sie schaffen ein Kunststück, das kein anderer Händler zustande bringt: Sie erwirtschaften zwei Drittel ihres geschätzten Umsatzes von 82,2 Milliarden Dollar im Ausland. In 17 Ländern sind sie aktiv.

Der 76-jährige Christo Wiese hatte seine südafrikanische Textilkette Pepkor an Steinhoff verkauft und war 2014 zum größten Aktionär des Konzerns geworden. Er ist mit einem Privatvermögen von 4,3 Milliarden Dollar einer der reichsten Männer Südafrikas.

Steinhoff ist ein Konzern mit Rechtssitz in Amsterdam und einem operativen Hauptquartier in Südafrika. Mit einem Umsatz von rund 20 Milliarden Euro zählt das Unternehmen weltweit als Nummer zwei hinter dem Möbelkonzern Ikea. Große Möbelketten wie Poco, die österreichischen Ketten Kika/Leiner und vor allem der französische Möbelkonzern Conforama zählen zum Steinhoff-Reich. Die Zahl der Mitarbeiter wurde zuletzt mit rund 106.000 beziffert.

Undurchsichtiges Firmengeflecht
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1 Kommentar zu "Kurseinbruch nach Chef-Rücktritt: Steinhoff warnt vor Handel mit eigenen Aktien"

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  • „Wir sind Investoren, keine Firmenlenker“, hatte er (Ex-Konzernchef Markus Jooste) dem Handelsblatt im November gesagt. „Wir pflanzen jetzt Bäume und ernten in 30 Jahren.““

    Da hat der wohl was ganz falsch verstanden. Ein Unternehmen ist kein Baum, der einfach von alleine wächst. Ohne gute Führung, sprich: motivierte Mitarbeiter, geht gar nichts.

    „Als Grund nannte die Gesellschaft neue Informationen über finanzielle Unregelmäßigkeiten. Möglicherweise müssten auch die Zahlen von früheren Jahren geändert werden. Die Prüfgesellschaft PwC soll nun zusätzlich zu den regulären Wirtschaftsprüfern eine unabhängige Untersuchung durchführen.“

    Sind Wirtschaftsprüfer nicht exakt dazu da, solche Bilanzfälschungen rechtzeitig (dies zu „Nun haben seine Wirtschaftsprüfer offenbar doch Bedenken“) aufzudecken - oder am besten ganz zu verhindern? Ich hab‘ zwar wenig Ahnung von der Arbeitsmethodik in der Branche, aber werden da keine Plausibilitätskontrollen durchgeführt?

    „Das undurchsichtige Firmengeflecht des Steinhoff-Konzerns mit Dutzenden Investmentfirmen und Zwischengesellschaften und dem Briefkastensitz Amsterdam (…)“

    Na ja, da kann man schon mal den Überblick verlieren, nicht wahr?

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