Landwirte klagen „Die Preissituation ist desaströs“

Die Lage für Landwirte ist angespannt: Sie klagen über den trockenen Sommer, den Mindestlohn und niedrige Preise. Beim EU-Sondertreffen der Agrarminister müsse es Hilfe geben, fordert der Bauerpräsident.
Update: 18.08.2015 - 16:00 Uhr Kommentieren
Die Getreideernte ist im Vergleich zum Rekordjahr 2014 wegen der Trockenheit um rund elf Prozent eingebrochen. Quelle: dpa
Getreideernte

Die Getreideernte ist im Vergleich zum Rekordjahr 2014 wegen der Trockenheit um rund elf Prozent eingebrochen.

(Foto: dpa)

BerlinDer trockene Sommer, der Mindestlohn und der Preisverfall setzen die deutschen Bauern unter Druck. „Die Lage ist mehr als angespannt“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Dienstag in Berlin. Die Getreideernte sei im Vergleich zum Rekordjahr 2014 wegen der Trockenheit um rund elf Prozent eingebrochen. Während sich Verbraucher nach einem bereits deutlichen Rückgang über weiter stabile Preise freuen können, schlägt Rukwied Alarm: Durch den russischen Import-Stopp als Reaktion auf westliche Sanktionen müssten die Produkte jetzt hierzulande verkauft werden und drückten Preise auch für Obst, Fleisch und Gemüse. Die gute Vorjahresernte erhöhe das Angebot zusätzlich. Beim EU-Sondertreffen der Agrarminister im September müsse es daher Hilfe geben, forderte Rukwied. Er schlug die Stundung von Steuerschulden und staatliche Bürgschaften für Kredite vor.

Die Preiseinbrüche im Vergleich zum Vorjahr hätten die Landwirte bis zu einem Drittel ihres Einkommens gekostet. Höhere Lohnkosten, höhere Kosten für Bewässerung und geringere Ernten führten nun zu einer angespannten Lage, die nicht über höhere Erlöse abgefangen werden könne. „Die Preissituation ist desaströs“, sagte Rukwied. Er verwies auch auf den Mindestlohn, der gerade Obst- und Gemüsebauern treffe, die auf Erntehelfer angewiesen seien.

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Viele Deutsche haben kein Idealgewicht – und das hat auch damit zu tun, was sie sich in den Einkaufswagen legen. Zu viel Zucker und zu viel Fett machen bekanntlich dick.

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Übergewicht

Die Zahl der übergewichtigen Männer (67 Prozent) und Frauen (53 Prozent) ist in den vergangenen Jahren auf einem hohen Niveau geblieben. Dagegen stieg der Anteil adipöser, also stark übergewichtiger Menschen. Der Anstieg war bei den Frauen (23 auf 24 Prozent) geringer als bei den Männern (19 auf 23 Prozent). Auch viele Kinder wiegen zu viel. Das zeigt der 12. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Jahr 2012.

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Fast Food

Viele junge Menschen lieben Fertigessen und Fast Food. Von den 18- bis 25-Jährigen greifen 17 Prozent mindestens dreimal pro Woche zu Tiefkühlpizza und Co. Die Anzahl der jungen Erwachsenen, die ihre Mahlzeiten fertig im Imbiss kaufen, ist überdurchschnittlich hoch. Jeder fünfte der unter 35-Jährigen gibt an, dass er ein- bis zweimal pro Woche Burger, Pommes oder Currywurst isst. Das ergab eine repräsentative Studie der Techniker Krankenkasse 2013.

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Vegetarier und Veganer

Der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) ging 2013 von rund 7 Millionen Vegetariern und etwa 800.000 Veganern in Deutschland aus. Das Institut für Demoskopie Allensbach bestätigt diese Entwicklung. Vegetarier verzichten auf Fleisch und Fisch. Veganer dagegen leben gänzlich ohne tierische Produkte. Das gilt nicht nur für die Ernährung, sondern beispielsweise auch für Produkte aus Leder und Wolle.

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Fleisch

Der Fleischkonsum ist 2013 hierzulande durchschnittlich um zwei Kilogramm pro Einwohner zurückgegangen. Weltweit steigt allerdings die Nachfrage nach Fleisch. Um sie zu decken, muss die globale Fleischproduktion bis 2050 von heute 300 auf 470 Millionen Tonnen erhöht werden. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch lag in Deutschland im Jahr 2013 bei 60 Kilogramm. Das zeigen Zahlen aus dem Fleischatlas 2014, der jährlich vom Bund und der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben wird.

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Bio-Ware

Der deutsche Bio-Markt verzeichnete 2012 ein Umsatzplus von sechs Prozent und erreichte ein Marktvolumen von 7,04 Milliarden Euro (2011: 6,64 Milliarden). Weltweit ist Deutschland nach den USA (2012: 23,8 Milliarden Euro Umsatz) der zweitgrößte Markt für Biowaren.

Rukwied setzt daher auf EU-Beschlüsse: „Wir haben das Sicherheitsnetz für die Agrarmärkte tiefer gehängt, aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo es greifen muss“, forderte er. Mit einem schnellen Ende des russischen Import-Stopps im Zuge der Ukraine-Krise rechnet nicht. Er schlug unter anderem eine staatlich geförderte Export-Offensive vor. Zudem könne es Hilfen wie etwa Zuschüsse zur Unfallversicherung geben. Russland ist neben der Schweiz und den USA der wichtigste Exportmarkt für deutsche Agrarprodukte außerhalb der EU. Allerdings bleiben 85 Prozent im Inland oder EU-Staaten..Schon kleinste Unterschiede in der Bodengüte und der Wasserversorgung machten sich deutlich in den Erträgen bemerkbar, erklärte Rukwied. Im äußersten Süden Baden-Württembergs und Bayerns sowie in Schleswig-Holstein hätten die Bauern „eine ordentliche Ernte einfahren können“, sagte Rukwied. Im übrigen Land sei die Ernte wegen der starken Trockenheit „deutlich unterdurchschnittlich“ ausgefallen. In manchen Regionen Deutschlands müssten die Landwirte „40 bis 50 Prozent Einbußen hinnehmen“. Immerhin könnten sich die Getreidebauern über eine sehr gut Qualität freuen, räumte der Bauernpräsident ein.

Die Trockenheit im Frühjahr hinterließ laut Rukwied vor allem beim Winterweizen Spuren, aber auch beim Roggen und bei der Sommergeste: Der Winterweizen liegt mit durchschnittlich 7,6 Tonnen pro Hektar zwölf Prozent unter dem Vorjahr, Wintergerste mit 7,3 Tonnen pro Hektar knapp sechs Prozent unter dem Vorjahr. Der Anbau der Sommergerste erhöhte sich zwar um mehr als sieben Prozent, die Erntemenge liegt aber fast fünf Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Auch die Roggenernte schrumpfte um 15 Prozent.

Unter der anhaltenden August-Trockenheit leiden laut DBV nun Mais und Zuckerrüben. Hier sowie beim Grünland und beim Futteranbau gebe es schon "irreparable Schäden". Die Versorgung von Kühen und Rindern bereite den betroffenen Tierhaltern "große Sorge", sie müssten wegen regelrecht verbrannter Weiden und fehlendem Graswuchs Futter dazukaufen und zu früh an ihre Wintervorräte gehen.

Bei der Apfelernte erwarten die Bauern demnach ein Minus von 21 Prozent, auch die Kirschernte sei im Schnitt um fünf Prozent niedriger ausgefallen. Hingegen werde die Birnenernte um zwei Prozent höher ausfallen als 2014.

Auch die Kartoffelernte werde wegen der Hitze und Trockenheit geringer ausfallen als im Vorjahr, obwohl die Äcker vielfach beregnet worden seien, teilte der Bauernverband weiter mit. Nach den sehr niedrigen Preisen wegen der Rekordernte 2014 habe der Preis für Frühkartoffeln in der nun abgelaufenen Saison deutlich höher gelegen.

  • rtr
  • afp
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