Landwirtschaft Wie Spaniens Bauern gegen die Orangen-Krise kämpfen

Spanische Landwirte in traditionsreichen Anbaugebieten im Osten des Landes leiden unter dem Preisdruck bei orangen. Oft werfen sie das Handtuch und verlassen ganze Plantagen. Aber es gibt auch neue Ideen und Versuche.
Kommentieren
Orangen sind zu Beginn der neuen Saison in Deutschland wieder zum Teil spottbillig zu bekommen. Der Verbraucher freut sich, aber die Landwirte in traditionsreichen Anbaugebieten im Osten Spaniens leiden unter dem Preisdruck immer mehr. Quelle: dpa
Marktstand in Valencia

Orangen sind zu Beginn der neuen Saison in Deutschland wieder zum Teil spottbillig zu bekommen. Der Verbraucher freut sich, aber die Landwirte in traditionsreichen Anbaugebieten im Osten Spaniens leiden unter dem Preisdruck immer mehr.

(Foto: dpa)

ValenciaSeit kurzem sind sie in den deutschen Läden und Supermärkten wieder da, die spanischen Orangen. Von Kiel bis runter nach München feiert der klassische Vitamin-C-Lieferant im Winter Hochkonjunktur – zumal ein Kilo mitunter für weniger als einen Euro zu haben ist.

Gonzalo Úrculo würde allerdings niemals (mehr) zugreifen. Der Spanier, der auch in Berlin studiert hat, erinnert sich naserümpfend: „Vor allem die ganz billigen Dinger schmecken überhaupt nicht, sie haben weder Süße noch Saft.“

Der 30-Jährige ist kein gewöhnlicher Orangen-Konsument. Er kennt sich mit der Frucht aus dem immergrünen Baum inzwischen sehr gut aus. Zusammen mit seinem drei Jahre älteren Bruder Gabriel übernahm der gelernte Volkswirt nämlich vor sechs Jahren die seit dem Jahr 2000 stillgelegte Orangen-Finca seines Großvaters.

„Die große Mehrheit der Orangen, die man jetzt in Deutschland bekommt (und die vorwiegend aus der Autonomen Gemeinschaft Valencia stammen), wurden mit dem Pflanzenhormon Ethylen entgrünt, was aber den Alterungsprozess beschleunigt“, weiß Gonzalo. Dabei werden diese Orangen wegen komplizierter Vertriebsstrukturen lange gelagert und sind erst einen Monat nach der Ernte im Laden.

Bétera, rund 25 Kilometer nordwestlich der Stadt Valencia. Wohin man blickt, nur Zitrusfrüchte. Vorwiegend Orangen, aber auch Clementinen, Zitronen, Pampelmusen. Aber nicht alle Plantagen sehen gleich aus. Während fast überall die Bäume sehr, sehr eng nebeneinander stehen, sind die Rautengewächse auf dem 25 Hektar-Besitz von Gonzalo zum Teil bis zu sechs Meter auseinander. „Nur so bekommen sie genug Sonne“, erklärt der junge Landwirt stolz.

Gemüse züchten im Reich der Pinguine
Antarktisstation Neumayer III
1 von 7

Ein isolierter Standort, eine kleine Crew, die in der Abgeschiedenheit zusammenlebt, und eine Versorgungslage, in der frisches Obst und Gemüse auf dem Speiseplan sehr willkommen sind: Was für die Besatzung der Raumstation ISS gilt, passt ebenso gut auf die Forscher, die in der deutschen Antarktis-Station Neumayer III zusammenleben.

Paul Zabel
2 von 7

DLR-Ingenieur Paul Zabel soll im kommenden Jahr zu der Stationscrew stoßen. In der Station wird er ein Jahr lang Gemüse gedeihen lassen – im Rahmen des Forschungsprojekts „Eden ISS“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). (Foto: DLR)

Container zur Pflanzenaufzucht
3 von 7

Die Aufzucht der Pflanzen bei künstlichem Licht und mit Nährstofflösungen erfolgt in einem speziellen Container unter ähnlichen Bedingungen wie auf einer Weltraumstation. (Foto: DLR)

Gemüseanbau im ewigen Eis
4 von 7

„Unser Ziel ist es, auf möglichst kleinem Volumen möglichst viel zu produzieren“, erklärt Zabel. (Foto: DLR)

Pflanzenzucht im All
5 von 7

Hinter dem Projekt steht die Frage, ob Raumfahrer im All irgendwann einmal ihren Speiseplan mit selbst gezogenem Gemüse bereichern können. (Foto: DLR)

Für Marsreisen unverzichtbar
6 von 7

Die Selbstversorgung wäre nicht nur für Langzeitmissionen auf Raumstationen wie der ISS wünschenswert. Für Reisen zu fernen Planeten wie dem Mars etwa, auf denen Raumschiffbesatzungen Jahre unterwegs wären, ist sie praktisch unverzichtbar.

Salatanbau auf der ISS
7 von 7

Dass der Gemüseanbau im All prinzipiell möglich ist, haben Astronauten auf der Raumstation ISS bereits bewiesen: Im vergangenen Jahr verspeisten sie erstmals selbst gezogenen Weltraum-Salat. (Foto: NASA TV/dpa)

Gonzalos deutlich ältere Nachbarn machen unterdessen keinen Hehl daraus, dass sie nicht auf Qualität, sondern auf Quantität schauen. Schauen müssen. „Wir bekommen pro Kilo nur 13 bis 16 Cent, das reicht vorne und hinten nicht“, klagt ein Landwirt.

Seit Jahren geht es runter mit den Preisen, die vor allem die großen Vertriebsketten durchsetzen. Der Landwirte-Verband in Valencia „Unió de Llauradors“ beklagte vor wenigen Tagen, dass die Preise diese Saison erneut um rund 30 Prozent gefallen seien.

„Katastrophale Saison“
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Landwirtschaft - Wie Spaniens Bauern gegen die Orangen-Krise kämpfen

0 Kommentare zu "Landwirtschaft: Wie Spaniens Bauern gegen die Orangen-Krise kämpfen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%